Aachen: Die Stadt hat zwar Geld, aber oft fehlen die Handwerker

Aachen : Die Stadt hat zwar Geld, aber oft fehlen die Handwerker

Das geht ganz schön ins Geld: An der Katholischen Grundschule Höfchensweg ist in den Sommerferien die Turnhalle trockengelegt worden. Die Kosten inklusive aller Nebenarbeiten belaufen sich auf rund 300.000 Euro. Die Sanierung ist die größte Einzelmaßnahme im Schulreparaturprogramm der Stadt Aachen für dieses Jahr. Arbeiten, die viel Lärm und Dreck machen, werden dabei traditionell in den Ferien erledigt.

Die Sanierung der Turnhalle aus den frühen 1980er Jahren war dringend nötig, wie Manfred Lennartz, Abteilungsleiter Hochbau beim städtischen Gebäudemanagement, vor Ort erläutert. Vom Hang nebenan kommt viel Nässe herunter, Umkleiden und Geräteraum waren irgendwann komplett feucht. Auch der Windfang muss erneuert werden. Ganz abgeschlossen sind die Arbeiten noch nicht, aber die Grundschüler werden ihre Halle nach den Ferien normal nutzen können. 2017 war bereits der Pavillon auf dem Schulgelände für rund 300.000 Euro saniert worden.

Baustelle am Höfchensweg: Hier wird die Turnhalle trockengelegt. Manfred Lennartz (kleines Bild, links) und Karl-Josef Mathar erläutern die Maßnahmen.

Seit 14 Jahren läuft in Aachen ein 80-Millionen-Euro-Programm, um die Schulen auf Vordermann zu bringen. Etwa 60 Millionen davon sollen Ende dieses Jahres ausgegeben sein. Rund 3,9 Millionen Euro hat die Politik im Haushalt 2018 bereitgestellt. Allerdings ist es für die öffentliche Hand derzeit gar nicht so einfach, Geld auszugeben. Die Auftragsbücher der Firmen sind voll, Handwerker kaum zu kriegen.

Baustelle Annaschule: Hier wird die WC-Anlage erneuert. Wenn die Schule startet, werden vorübergehend WC-Container aufgestellt. Foto: Michael Jaspers

Von den für 2018 bereitgestellten 3,9 Millionen Euro können deshalb in diesem Jahr wohl nur rund 2,5 Millionen Euro ausgegeben werden. Die geplante Erneuerung der Aula-Lüftung am Einhard-Gymnasium, ebenfalls aus dem Budget des Schulreparaturprogramms, kann zunächst nicht über die Bühne gehen, weil man mit der großen Schulsanierung in Verzug ist. Und das wiederum hat mit fehlenden Handwerkern zu tun. „Wir finden einfach kaum Firmen“, beklagt Lennartz. „Auf manche Ausschreibungen gibt es überhaupt keine Angebote.“ Am Einhard-Gymnasium hat das etwa zur Folge, dass die Schulgemeinschaft nach den Ferien in eine Baustelle zurückkehrt. „Keine Decke im Foyer und keine Fassade“, fasst Lennartz zusammen. „Aber zumindest kann die Schule in Betrieb gehen, sie ist sicher und sauber.“

Baustelle Heinzenstraße: Im Altbau der 4. Aachener Gesamtschule werden im Rahmen des Schulreparaturprogramms Fenster ausgetauscht.

Die Preise für angebotene Leistungen, sagt er, lägen häufig 10 bis 15 Prozent über dem, was 2017 noch verlangt wurde. Bei manchen Bauprojekten überlegt das Gebäudemanagement nun generell, die eine oder andere Maßnahme zu erst später umzusetzen. „Vielleicht kriegen wir 2019 bessere Preise“, hofft Lennartz.

Weitere Großprojekte geplant

Der Engpass bei den Handwerkern hat mit der guten Konjunktur in Deutschland zu tun, aber auch mit dem Investitionsprogramm „Gute Schule 2020“. Aus diesem Förderkredit des Landes erhält allein Aachen fast 21 Millionen Euro, für den Förderzeitraum von 2017 bis 2020 also rund 5,5 Millionen Euro jedes Jahr. „Aber nicht nur wir wollen bauen, alle Kommunen suchen jetzt Fachfirmen“, erläutert Karl-Josef Mathar, Abteilungsleiter Schule beim Fachbereich Kinder, Jugend und Schule. Dennoch ist er sicher: „Wir werden die 21 Millionen auf jeden Fall abrufen. Wir haben alle Maßnahmen bereits durchgeplant.“

Drei Großprojekte will die Stadt über „Gute Schule 2020“ umsetzen: den Neubau der Grundschule Reimser Straße im Preuswald, den Bau des Montessori-Zentrums in Eilendorf und den OGS-Ausbau an der Grundschule Hanbrucher Straße. Allein das OGS-Projekt werde 1,5 Millionen Euro verschlingen, schätzt Lennartz. Für den Preuswald ist der Architektenwettbewerb abgeschlossen, für Eilendorf ist die Vorplanung an ein Berliner Architekturbüro vergeben worden. Und an der Hanbrucher Straße ist die Baugenehmigung beantragt.

Alle Kommunen geraten bei „Gute Schule 2020“ in Zeitdruck. Auch in Aachen ist man deshalb froh, dass das Kabinett in Düsseldorf jetzt beschlossen hat, den Zeitraum zwischen Abruf der Gelder und Endabrechnung von 30 auf 48 Monate zu verlängern. „Dann können wir bis 2025 bauen“, stellt Manfred Lennartz erleichtert fest.

An etwa 40 Schulen wird modernisiert und saniert, da geht es zum Beispiel um WC-Anlagen, Ertüchtigung der Akustik oder neue Fachräume. Und alle 57 städtischen Schulen, sagt Mathar, werden für das digitale Lernen ausgerüstet. „Dafür wird allein ein Viertel der Mittel ausgegeben.“ Rund ein Dutzend Schulen hat bereits leistungsstarke Internetleitungen bekommen. Die Präsentationstechnik wird dann auf der Basis der individuellen Medienkonzepte der Schulen besorgt. An einigen „Pilotschulen“ ist das bereits durchgespielt worden.

Noch immer aber fehlt der Stadt ein Gesamtkoordinator für „Gute Schule 2020“. Der erste Bewerber wurde nach der Probezeit nicht übernommen. Auf die zweite Ausschreibung hat sich bisher niemand beworben. „Dabei brauchen wir dringend solch einen Koordinator“, sagt Mathar.

Im übernächsten Jahr sollen schließlich schon neue Baustellen eröffnet werden. Ab 2020 steht die umfassende Sanierung des Schulzentrums Laurensberg und des Inda-Gymnasiums in Kornelimünster an. „Da suchen wir gerade einen Planer“, sagt Manfred Lennartz. Die Gesamtkosten für beide Maßnahmen sind auf rund 17 Millionen Euro veranschlagt, Mittel dafür kommen aus dem Konjunkturpaket 4. Und eigentlich ist auch ein Sanierungsprogramm für die Turnhallen dringend nötig.

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