Aachen: „Die Stadt hat mich in ihren Bann gezogen”

Aachen: „Die Stadt hat mich in ihren Bann gezogen”

Eigentlich wollte Annette Rausch nur ein Jahr in Aachen bleiben. „Die Stadt hat mich aber schnell in ihren Bann gezogen”, berichtet die gebürtige Kölnerin schmunzelnd.

Nach ihrer Ausbildung zur Krankengymnastin entschloss sich die damals 21-Jährige dazu, einen großen Schritt in Richtung Ungewissheit zu machen.

„Mein ganzer Freundeskreis und meine Familie haben zu diesem Zeitpunkt in Köln gewohnt”, erinnert sich Rausch, „aber ich hatte das Gefühl, dass ich mich nach drei Jahren Ausbildung einfach verändern muss.”

Die Zusage der Orthopädischen Klinik der RWTH Aachen unterstützte ihre Pläne „und da Aachen mir schon in der Kindheit sehr gut gefallen hat, habe ich das Angebot angenommen.”

Ein ähnliches Gefühl dürfte Rausch auch drei Jahre später überkommen haben. Allerdings war es eher eine Begegnung der zufälligen Art, die ihre Zukunft nachhaltig prägen sollte.

„Ein Orthopäde hat mich gefragt, warum ich eigentlich nicht eine eigene Praxis aufmache. Und da ich darauf keine Antwort hatte, habe ich mich kurze Zeit später nach Räumen umgesehen.” Die Idee nahm schnell Konturen an und in der Großkölnstraße eröffnete sie 1979 eine der ersten Krankengymnastikpraxen Aachens.

Doch das größte Abenteuer wartete noch auf Rausch. Im Berufsverband gab es Querelen und als zweite Vorsitzende war sie maßgeblich an der Gründung des neuen Landesverbandes in Nordrhein-Westfalen beteiligt. „Ich habe in dieser Zeit viele Menschen kennen gelernt und viel erlebt”, urteilt Rausch rückblickend.

Und diese Menschen traf sie weit über die Aachener Grenzen hinaus: Im Auftrag des Landesverbandes nahm sie an internationalen Kongressen teil, die sie nach Kapstadt und Hongkong verschlugen. „Schön waren auch die Freiberuflertreffen hier in Aachen, die ich mehr als 15 Jahre organisiert habe. Sie haben geholfen Gemeinschaft zu schaffen”, sagt Rausch.

Selbstverständlich fanden diese ehrenamtlichen Tätigkeiten erst statt, als in ihrer Praxis die Lichter ausgingen - die Physiotherapie nahm zu diesem Zeitpunkt einen großen Teil ihrer Zeit in Anspruch. „Mittlerweile ist die Praxis zu meinem Kind geworden”, blickt Rausch zurück, nachdem sie 1989 mit ihrer Praxis ins Ostviertel umsiedelte und im Löhergraben ihre neue Heimat fand. Dieses Kind wird auch von ihrem derzeitigen Lebensgefährten akzeptiert, den sie vor neun Jahren ausgerechnet im Aachener Karneval kennen gelernt hat. „Und das, obwohl ich eigentlich eine Anhängerin des Kölner Karnevals bin”, erzählt sie lachend.

Dass es ihr auch heute noch schwer fällt, ihre beiden Welten miteinander in Einklang zu bringen, merkt man an ihrem merkwürdig klingenden Dialekt. „Ich spreche öcher-kölsch”, sagt Rausch augenzwinkernd. Und irgendwie ist sie darauf sogar ein bisschen stolz. Denn sie hat es geschafft die zwei Herzen in ihrer Brust gemeinsam schlagen zu lassen.