Aachen: Die Stadt feilt an ihrer Personalgewinnungsstrategie

Aachen : Die Stadt feilt an ihrer Personalgewinnungsstrategie

85 verdiente Mitarbeiter hätte die Stadt am Donnerstag im Rathaus verabschiedet, wäre der Sturm nicht dazwischen gekommen. 85 Menschen weniger auf der Gehaltsliste, die Dr. Markus Kremer verwaltet, der für das Personal zuständige Dezernent der Stadt. Dabei hätte Kremer lieber mehr Leute auf dieser Liste stehen.

„Wir haben derzeit 5100 Beschäftigte bei der Stadtverwaltung“, sagt Kremer im Gespräch mit den „Nachrichten“. Zwischen 100 und 200 Stellen seien darüber hinaus unbesetzt, erklärt der Dezernent, vor allem im Bereich Kindertagesstätten und Feuerwehr: „Bei der Feuerwehr haben wir rund 400 Mitarbeiter, es fehlen aber auch etwa 50 Leute“, sagt Kremer.

Die Gründe dafür seien vielschichtig, eine Hürde sieht der Dezernent in der langen Ausbildung, die für viele eine finanzielle „Durststrecke“ darstelle. Erst seit dem vergangenen Jahr gibt es die sogenannte Anwärtersonderzulage für Brandmeister in spe. Statt 1160 Euro netto bekommt beispielsweise ein junger, lediger Feuerwehrmann in Ausbildung 1900 Euro. Kremer: „Solche Maßnahmen wirken natürlich nicht von heute auf morgen, sondern brauchen ihre Zeit.“

Ähnliche Schwierigkeiten gibt es auch im Bereich der Kinderbetreuung: 800 bis 1000 Beschäftigte hat die Stadt Aachen in diesem Bereich, viele arbeiten als Teilzeitbeschäftigte. 35 Stellen seien derzeit nicht besetzt, sagt Kremer. Um die Jobs attraktiver zu gestalten, sei nun ein neuer Tarif für die Sozialberufe eingeführt worden. „Insbesondere für die Leitungen der Kitas gibt es nun bessere Löhne.“

Das Thema Gehalt sei aber nur einer von vielen Faktoren, die heutzutage bei der Berufswahl eine Rolle spielen, sagt Kremer. „Viele junge Menschen legen Wert darauf, dass sie bei der Arbeit Abwechslung haben.“ Darum betont die Stadt beispielsweise, dass es möglich sei, bei Interesse das Aufgabenfeld innerhalb der Verwaltung zu wechseln — zum Beispiel vom Finanz- in den Umweltbereich. „Da haben wir als große Stadt natürlich mehr Optionen als eine kleine Kommune.“

Mehr Planungssicherheit

Auch auf Planungssicherheit legen viele Leute großen Wert. Kremer erklärt: Es gebe mehr Auszubildende bei der Stadt, für die guten Azubis außerdem eine Übernahmegarantie. „Viele Stellen schreiben wir zudem unbefristet aus, damit wir für mehr Leute als Arbeitgeber infrage kommen.“ Das sei beispielsweise auch bei den Stellen so, die das Förderprogramm „Gute Schule 2020“ planen und koordinieren sollen. „Das Projekt selbst ist ja nach einigen Jahren vorbei“, sagt Dezernent Markus Kremer, „anschließend werden die neuen Kollegen andere Aufgaben übernehmen.“ Zu tun gibt es genug.

Darüberhinaus habe die Verwaltung weitere Ideen entwickelt, um neues Personal zu gewinnen. Allzu viel will Kremer darüber noch nicht verraten, nur so viel: Derzeit entsteht ein Papier zur Personalgewinnungsstrategie der Stadt, das im Mai dem Personal- und Verwaltungsausschuss vorgestellt werden soll. Apropos Ausschuss: „Wir haben volle Rückendeckung aus der Kommunalpolitik, das bestärkt uns“, sagt Kremer. Der Ausschuss habe den Stellenplan 2018 einstimmig beschlossen.

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