Aachen: „Die Sitzende“ im Kurpark: Hoffnung ruht auf der Zwillingsschwester

Aachen : „Die Sitzende“ im Kurpark: Hoffnung ruht auf der Zwillingsschwester

Die Beine sind verschränkt und mit den zierlichen Händen an den Körper gezogen. Der Kopf mit den zusammengesteckten Haaren darauf ist nach links gedreht. Gleichsam geduldig wie ausdauernd saß die Namenlose, einfach „Die Sitzende“ genannt, seit 1962 im Burtscheider Kurpark.

Und dann kam die Nacht vom 5. auf den 6. Dezember 2015 und mit ihr kamen dreiste Metalldiebe, die den Burtscheidern für nicht einmal 300 Euro Materialwert mit der Bronzeplastik ein Stück Identität raubten. Und doch könnte sich der Schock in Wiedersehensfreude verwandeln. Denn die Sitzende hat eine Zwillingsschwester in Bergisch Gladbach. Sie sitzt bei der Künstlerin im Garten. Und Heide Dobberkau, die einst das Kunstwerk schuf, wäre bereit, auch den Zweitguss der Plastik nach Aachen abzugeben.

Die Zwillingsschwester sitzt noch in Bergisch Gladbach: Künstlerin Heide Dobberkau ist bereit, auch den Zweitguss nach Aachen zu geben. Foto: Stadt Aachen

Als Kind hatte Uwe Reuters Angst, den Schulweg durch den Kurpark alleine zu gehen. „Die Sitzende passt auf“, hat sein Opa dann immer zu ihm gesagt. Reuters, der die Facebookgruppe „Burtscheider Heimatfreunde“ (rund 310 Mitglieder) gründete, hat mit Leonie Stettner, ebenfalls Heimatfreundin, die Künstlerin ausfindig gemacht. Stettner: „Als ich in Bergisch Gladbach angerufen habe, war ich ganz schön nervös. Aber Frau Dobberkau wusste schon, dass die Statue gestohlen wurde.“

Die Zwillingsschwester sitzt noch in Bergisch Gladbach: Künstlerin Heide Dobberkau ist bereit, auch den Zweitguss nach Aachen zu geben. Foto: Stadt Aachen

An der Sitzenden hängt Heide Dobberkau sehr. Es war die erste Plastik in dieser Größe, die sie mit finanzieller Unterstützung von Nachbarn 1959 gießen lassen konnte. So fand sie dann auch ihren Platz im Garten der Nachbarn, bis die von einer Kunstausstellung in Aachen hörten. Sie motivierten Dobberkau, auch die Sitzende dort auszustellen. Das war '62. Ein Aachener Kreditinstitut war offenbar sehr angetan von der zierlichen Frau in Bronze, kaufte das Werk und schenkte es der Stadt. So kam die Sitzende in den Burtscheider Kurpark.

Mit dem Geld, das Dobberkau bekam, wurde ein Zweitguss angefertigt, der wieder zu den Nachbarn kam. Später, als die Nachbarn gestorben waren, kaufte Dobberkau die Plastik von den Erben zurück.

Und nun könnte das nächste Kapitel der Geschichte wieder mit einem Umzug in den Kurpark, diesmal der Zwillingsschwester der Sitzenden, beginnen. Alles, was dazu fehlt, ist ein hoher vierstelliger Betrag. Heide Dobberkau will für das Werk nicht mehr Geld verlangen, als sie damals für den Rückkauf investieren musste. Das wollen die Heimatfreunde unbedingt auftreiben — mit Hilfe von Spenden.

Die Stadt, erklärte Oberbürgermeister Marcel Philipp, werde dafür sorgen, dass die Sitzende auch sitzen bleibt, sollten genug Spenden eingehen, um die Plastik zu kaufen. Sie solle dann, wie zuletzt die Marktfrau auf dem Lousberg, sicher befestigt werden. Der OB ruft die Bürger auf, kräftig zu spenden, damit in Burtscheid bald wieder eine zierliche Frau im Kurpark sitzt.

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