Aachen: Die Schulleiter gehen, die Schule macht weiter

Aachen: Die Schulleiter gehen, die Schule macht weiter

Jetzt heißt es Abschied nehmen. Schulleiter Klaus-Reiner Börger und Konrektor Herbert Gran, zwei „Urgesteine“ der Gemeinschaftshauptschule Eilendorf, gehen nach 26 gemeinsamen Dienstjahren an der Kaiserstraße in den Ruhestand. Ihre Hauptschule allerdings, deren auslaufende Schließung längst eingeleitet ist, macht am Standort noch ein Jahr weiter. Geplant war das so nicht.

Im nächsten Schuljahr hat die Hauptschule nur noch zwei Jahrgänge (9 und 10) mit 52 Schülerinnen und Schülern. Eigentlich stand längst fest, dass diese Klassen gemeinsam an die Hauptschule Drimborn wechseln sollen. Aber daraus wird nichts, denn die Hauptschule an der Oberen Drimbornstraße hat keinen Platz.

Sie versorgt etliche der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die seit vielen Monaten in Aachen ankommen. Die zusätzlichen Internationalen Förderklassen brauchen natürlich Räume. „Und für uns ist nun kein Platz“, bilanziert Börger. Deshalb wird’s nichts mit der lange geplanten und gut durchorganisierten Übergabe. Stattdessen soll der Schulbetrieb in Eilendorf nach dem Beschluss der Politik noch ein Jahr lang weitergehen, bevor die letzten 20 Schüler dann im Sommer 2015 nach Drimborn wechseln.

Auch Klaus-Reiner Börger und sein Konrektor hatten ihre persönliche Planung nach dem ursprünglichen Countdown der Schulschließung ausgerichtet. Beide werden in diesem Jahr 64 Jahre alt. „Der Sommer 2014 wäre für alle ein vernünftiger Schnitt gewesen“, sagt Börger. „Die Schule wird jetzt so klein, dass die Versorgung der Klassen mit Fachlehrern sehr schwierig wird.“ Genau so aber kommt es nun.

Mathe, Physik, Technik

Denn mit Börger und Gran verliert die Schule nicht nur ihre Chefs, sondern auch ihre Lehrer für Physik, Chemie, Mathematik und Technik. Fürs letzte Jahr muss die Schulaufsicht also Lehrer von anderen Schulen stundenweise nach Eilendorf abordnen. Die Schulleitung mit allem, was dazugehört, wird für das letzte Jahr wohl jemand aus dem Kollegium übernehmen müssen.

Es gab Zeiten, da hatte die Gemeinschaftshauptschule Eilendorf an die 400 Schüler. Damals wechselten noch bis zu 20 Prozent der Kinder nach der Grundschule auf eine Hauptschule. Heute verliert sich in den Pausen ein Häuflein Kinder auf dem großen Schulhof. Und im Lehrerzimmer werden im neuen Schuljahr nur noch sechs Lehrerinnen und Lehrer sitzen.

Den Schülern allerdings, stellt Herbert Gran fest, tue solch ein ganz kleines System durchaus gut. Es geht jetzt sehr ruhig zu. „Und das bedeutet bessere Voraussetzungen für individuelles Lernen.“

1988 wurden die Hauptschule Mataréstraße und die Hauptschule Kaiserstraße zur neuen Gemeinschaftshauptschule Eilendorf mit Montessori-Zweig zusammengelegt. Ihre Montessori-Klassen hat die Schule immer noch. Aber auch das hat den Niedergang des Systems Hauptschule nicht aufhalten können. Nach dem Ende der GHS Eilendorf wird es in Aachen noch drei Hauptschulen geben. „In fünf Jahren keine einzige mehr“, prognostizieren Gran und Börger.

Beide sind seit gut 40 Jahren Lehrer. „Über Jahrzehnte haben wir bewiesen, welche Chancen die Hauptschule bieten kann“, sagt Börger, „besonders für Kinder, die zu Hause nicht so viel Unterstützung bekommen können. Herbert Gran erinnert sich gerne an eine seine Schülerinnen: „Heute ist sie Ärztin. Da hat auch die Hauptschule ordentlich was geleistet.“ Stolz ist man an der Schule auf die intensive Berufsorientierung.

Schulbücher zu vergeben

In ihren letzten Schultagen haben Klaus-Reiner Börger und Herbert Gran noch viel zu kramen. Denn die Hauptschule macht Platz für die Montessori-Grundschule, die im selben im Gebäude untergebracht ist.

Auch das große Bücherverteilen ist längst im Gange. „Die Schulbücher für die Klassen 5 bis 8 brauchen wir ja nicht mehr“, erklärt Börger. Andere Schulen seien da sehr froh, einige Klassensätze übernehmen zu können. Mehr als 500 Exemplare sind schon weg.

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