Aachen: Die Saftpresse ist die Attraktion

Aachen: Die Saftpresse ist die Attraktion

Das freudige „Aaah” im Publikum ist das Zeichen. Der Saft sickert endlich raus aus der großen Holzpresse, hinein in die graue Wanne. Die elfjährige Henriette steht direkt daneben und beobachtet das Geschehen.

Es ist zum Teil ihr Apfel-Birnen-Saft, der da gerade fließt. Denn mit anderen Kindern hat Henriette das Obst geschnippelt, dann in der Presse noch weiter zerkleinert. Nun pumpt ein anderes Kind und quetscht so den Saft aus den Obst-Stückchen, die in einem Beutel in der Presse liegen.

Die Obstpresse ist eine der vielen Attraktionen beim siebten Aachener Obstwiesenfest, das am Sonntag auf Gut Melaten stattgefunden hat. Als Veranstalter sind mit im Boot: die Stadt Aachen, die Städteregion, die Naturschutzstation Aachen des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) und die Biologische Station der Städteregion.

Strahlender Sonnenschein

Bei strahlendem Sonnenschein gibt es an den vielen Ständen Mitmachaktionen für Groß und Klein, Infos rund ums Obst und natürlich kleine Leckerbissen wie Honig, Marmelade oder Likör. Gut, vom Alkohol müssen die Kids die Finger lassen. Dafür können sie beim Exploregio-Lernfest, dem Fest im Feste sozusagen, spielerisch lernen, wie etwa Papierschöpfen geht oder wie man kreativ malt.

Bleibt eigentlich die Frage, warum so ein Obstwiesenfest überhaupt gefeiert wird. „Obstwiesen sind sind ein Stück Heimat”, sagt Nabu-Vorsitzender Claus Mayr. „Aber sie sind leider auch ein Stück Geschichte.” Früher hatte Aachen in Sachen Obstwiesen einiges zu bieten. Auch rund um das Gut Melaten am Schneebergweg hinter dem Universitätsklinikum erstreckten sich seinerzeit große Obstwiesen.

Doch in den 1970ern habe sich das - auch wegen der europäischen Agrarpolitik - gewandelt, meint Maier. Und die alten Öcher Sorten wie Münsterbirne, Aachener Hausapfel oder Aachener Grauschale seien immer rarer gesät, sagt Bürgermeisterin Margrethe Schmeer. Da müsse man entgegensteuern, das Bewusstsein für das Thema schärfen. „Das wird hier getan.”

„Ein bisschen sauer”

Henriettes Saft ist fertig. Schon etwas anstrengend seis gewesen, den Saft herzustellen, sagt die Elfjährige und nippt an ihrem Becher. Ihr schmeckts, nur „ein bisschen sauer”, meint sie. Mama Gunild Starosta (46) darf auch mal probieren: „Das schmeckt fantastisch, sehr fruchtig.” Und welchen Saft mag Henriette jetzt lieber, den aus dem Supermarkt zu Hause oder den selbstgemachten? „Ich finde beides lecker”, sagt sie. Ihre Mutter kanns erklären: „Zu Hause trinkt sie auch nur Biosaft.”