Aachen: Die Piratenpartei peilt einen Sitz im Stadtrat an

Aachen: Die Piratenpartei peilt einen Sitz im Stadtrat an

Fußgänger beim Stadtbummel, haltende Linienbusse und hin und wieder ein paar spielende Kinder: Vermutlich fingen die Überwachungskameras am Elisenbrunnen in etwa das gleiche ein, wie an jedem warmen Wochenende.

Am Samstagmittag allerdings spähte die Apparatur unversehens in ein „Wohnzimmer”, ausgestattet mit Fernseher, Fußbank und Sofa - bewohnt von jungen Wahlkämpfern der Piratenpartei.

Die schwedischen Gesinnungsgenossen haben mit ihrem Überraschungserfolg bei der Europawahl vorgemacht, wie man als junge Partei Wähler mobilisiert. Der damit verbundene Popularitätsschub für die Idee Piratenpartei soll dem Aachener Ableger nun in den Stadtrat verhelfen.

Doch was verbirgt sich hinter dem politischen Begriff der Piraten? Thomas Gerger und seine Mannschaft bemühten sich am Samstag darum, öffentlich ein wenig Ordnung in das diffuse Bild zu bringen. Der Kandidat für den Wahlkreis Kaiserplatz: „Unser Ursprung liegt im Internet, richtig. Es geht uns aber um die Bürgerrechte im Allgemeinen.”

Denen nur eine kamerafreie Stadt gerecht werden könne. Für einen „Eingriff in die Privatsphäre” hält der 22-Jährige, der auch den obersten Platz der Reserveliste besetzt, die Überwachung am Elisenbrunnen. Fraglich sei überdies, ob Kriminalität tatsächlich bekämpft oder eher verlagert wird.

Von dem Argument, man habe ja nichts zu befürchten, so lange man nichts verbricht, möchte Thomas Gerger nichts wissen: „Überwachungskameras setzen die Unschuldsvermutung außer Kraft. Wenn man gefilmt wird, ist das ja gewissermaßen eine Unterstellung.”

Ganz andere Veränderungen dagegen würden die Piraten, so Gerger, gern auf der Ebene der Politik sehen: „Wir sind gegen einen gläsernen Bürger, aber für einen gläsernen Staat.”

Maßnahmen, mit denen ältere Menschen ans Internet herangeführt werden sollen, sind ein weiteres Thema der orangefarbenen Piraten. Ebenso ein offenes W-Lan-Netz für alle Aachener. Eine Spartenpartei, die sich einzig gegen den Überwachungsstaat stemmt sowie sich bei Fragen rund um das Medium Internet einmischt, möchten die Piraten dennoch nicht sein.

Felix Bosseler, Kandidat für den Wahlkreis Marschiertor, gibt jedoch zu: „Wir müssen uns noch mit weiteren Politikfeldern auseinandersetzen, wenn wir die Partei auf eine breitere Basis stellen wollen. Die nötigen Leute dafür haben wir jedenfalls.”

Zunächst mal soll jedoch der Stadtrat geentert werden. Ein bis zwei Sitze hält Thomas Gerger dort für realistisch.

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