Aachen: Die Mittelklasse der Parteien schneidet in Aachen gut ab

Aachen : Die Mittelklasse der Parteien schneidet in Aachen gut ab

Als die Zahl, die deutlichen mehr als 13 Prozent bundesweit für die rechte AfD, dann so groß auf den Bildschirmen erschien, prägten spontan und unmittelbar bittere Mienen die Stimmungslage im Krönungssaal des Rathauses. Das galt insbesondere auch für die Vertreter der kleineren Parteien.

Denn eigentlich hatte am Wahltag gerade der parteiliche „Mittelbau“ in Aachen gut Lachen. Die FDP glänzte mit einem besseren Ergebnis als im Bund mit mehr als 13 Prozent der Zweitstimmen, die Grünen — in Aachen traditionell stark — verhinderten mit knapp 13 Prozent einen noch vor Tagen befürchteten Absturz der Umweltpartei.

„Bestes Ergebnis ever“, freute sich der Linke Andrej Hunko, der über die Liste wieder im Bundestag ist.

Und der Linken-Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko freute sich letztlich mit rund 10 Prozent sogar „über das beste Ergebnis der Linken, das es je in Aachen gab“, Hunko zieht, das ist sicher, wieder über die Liste in den Bundestag ein. Mit ernstem Gesicht diagnostizierte er allerdings: „Das Ergebnis ist ein elementarer Rechtsruck, das wird die Republik verändern“. Und in Abwandlung auf eine Gauland -Drohung konterte Hunko für Berlin: „Ja, wir werden uns warm anziehen müssen.“

FDP-Kandidat Cliff Gatzweiler schaffte mit 13,6 Prozent in Aachen ein besseres Ergebnis als im Bund.

Tränen bei Mutter

Die Grüne Katrin Feldmann war ebenfalls erleichtert über das Ergebnis ihrer Partei in Aachen.

Das gute Abschneiden der Mittelklasse machte wenig Freude angesichts des desaströsen Ergebnisses der ehemaligen „Volksparteien“ und dem satten zweistelligen AfD-Ergebnis. So kamen der Sprecherin der Grünen-Ratsfraktion, Ulla Griepentrog, beinahe selbst die Tränen, als sie spontan von ihrer Mutter berichtete: „Wissen Sie, meine Mutter hat geweint, als sie das Ergebnis gesehen hat.“ Griepentrog kündigte an, dass „wir jede Lüge von denen rigoros aufdecken.“

Die grüne Bundestagskandidatin Katrin Feldmann dachte ähnlich. „Das mit der AfD ist bitter“, sagte sie bereits am frühen Abend. Als dann langsam klar wurde, dass die SPD mit Martin Schulz nun stärkste Oppositionspartei werden will und nicht mehr als Regierungspartner zur Verfügung stehen möchte, lag unmittelbar die Frage nach der bunten Jamaika-Koalition, also Schwarz (CDU), Grün (Grüne) und Gelb (FDP), auf dem Tisch. Für Feldmann eine „nicht unkomplizierte Sache“, aber immerhin „durchaus denkbar“. Für die grüne Bürgermeisterin Hilde Scheidt „ist das Abschneiden der AfD eine Zäsur in dieser Republik“. Auch sie sprach sich nicht gegen Jamaika aus.

Als eindeutiger Sieger kann zweifellos der Kandidat Cliff Gatzweiler von den Liberalen freuen. Aus dem Stand sprang die FDP nach ihrem Desaster von 2013 in Aachen knapp unter die 14 Prozent-Marke, das sorgte für freudige Gesichter. Ratsfrau Sigrid Moselage, Fraktionschef Wilhelm Helg wie auch Parteichef Alexander Heyn fanden das zweifelsohne toll. Moselage: „Das ist ein Quantensprung.“ Cliff Gatzweiler formulierte nochmals den Lindner-Anspruch, man habe eigentlich „dritte Kraft“ werden wollen, das ging nun mal daneben.

Schlingerkurs

Auf die Jamaika-Option im Bund angesprochen, fuhr Gatzweiler an diesem Abend einen Schlingerkurs. Eigentlich sei der FDP beim letzten Mal eine Regierungsbeteiligung schlecht bekommen, konstatierte der liberale Rechtsanwalt. Im Laufe des Abends nach der Berliner Runde, die groß auf der Leinwand übertragen wurde, öffnete sich Gatzweiler letztlich doch: „Vielleicht geht es nicht anders und wir müssen in die Regierungsverantwortung“, schloss er ein Jamaika-Bündnis nicht mehr aus, zu groß scheint der Koalitionsdruck zu werden.

Der Grüne Helmut Ludwig, als Geschäftsführer der Ratsfraktion in Aachen an schwarz-grüne Experimente in der Vergangenheit gewöhnt, ging das Thema sachlich professionell an. „Es könnte einen Punkt geben, an dem wir uns der Verantwortung dann nicht verschließen können“, formulierte er am späten Abend beinahe staatsmännisch. Knackpunkte lägen jeweils woanders, Klimapolitik gehe besser mit der CDU, Bürgerrechte seien fraglos bei der FDP besser aufgehoben, beschrieb Ludwig die drohende Jamaika-Zwickmühle.

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