Aachen: Die männerhassende Oma und das ganz große Erbe

Aachen : Die männerhassende Oma und das ganz große Erbe

Im nächsten Jahr wird die Alt-Aachener Bühne (AAB), die im Jahr 1919 als „Caritasbühne“ das Licht der Welt erblickte, 100 Jahre alt und entsprechende Jubiläumsfeierlichkeiten stehen ins Haus. Das hindert aber die Akteure vor und hinter der Bühne nicht daran, auch in dieser Spielzeit mit jugendlichem Elan kräftig Gas zu geben.

Davon konnten sich die Besucher in der ausverkauften Aula des Einhard-Gymnasiums — in der Mehrzahl langjährige Fans der Mundartbühne — bei der Premiere des neuesten Stück mit dem Titel „Der zweide Plöck“ überzeugen.

Viel zu lachen: Die Schauspieler agieren mit ungebremster Spielfreude auf der Bühne — sehr zum Gefallen des Publikums.

Vom Inhalt der Posse, die vom „Redaktionsteam“ der AAB mit viel Liebe zum Detail aus einer Vorlage von Erfried Smija erarbeitet wurde, sei nur so viel verraten: Zwei frisch vermählte Paare bewirtschaften einen stattlichen Hof. So weit so gut, gäbe es da nicht ein kleines Problem in der Person der Großmutter der beiden jungen Schwestern. Die ist nämlich die eigentliche Besitzerin des Hofs, darüber hinaus Handarbeitslehrerin und kommt immer dann zu Besuch, wenn Schulferien sind. Wäre auch nicht weiter schlimm, aber die Oma ist eine ausgemachte Männerhasserin und darf daher nicht wissen, dass die beiden Enkelinnen verheiratet sind, denn andernfalls droht die Enterbung.

Attacken der Oma

Also müssen die beiden Ehemänner flugs in die Rolle von Knechten schlüpfen, um die Attacken der herannahenden Oma abzuwehren und das Erbe zu retten. Nun gut, Schillers Vorstellungen von der „Schaubühne als moralischer Anstalt“ wird das Spektakel eher nicht gerecht und die Handlung folgt nur bedingt den Gesetzen der Logik, dafür gibt es aber „baschtig vööl ze laache“.

Massen von Koffern

In der Tat brennen die Mimen der AAB ein wahres Feuerwerk an Gags, Pointen und urkomischen Szenen mit einer manchmal unglaublichen Bühnenpräsenz ab. Wahre Lachsalven gibt es, als Oma — natürlich brillant verkörpert von Leni Reißer, der Grande Dame der AAB — ihre Ferien auf dem Hof antritt und die beiden Ehemänner-Knechte (Thomas Muckel und Günter Erkens) Massen von kleinen und großen Koffern ins Haus schaffen müssen.

Wahres Traumpaar

Als wahres Dreamteam erweisen sich erneut Sabine Plum und Birgit Thelens, die die beiden Schwestern Rosa Schlüpfer und Anna Nass auf unnachahmliche Weise zum Leben erwecken. Dass das Stück auch bis in die kleineren Rollen hinein hervorragend besetzt ist, beweisen Anne Schwartz, Irmgard Faber, Uschi Schwieger, Resi Frings, Maria Graf, Axel Schwartz, Franz Schnitzler und Ewald Stork. Beachtlich die junge Debütantin Anna Drews — neben ihrer Mutter Birgit Thelens und Großmutter Leni Reißer die dritte Generation bei der AAB — die gleich in den Anfangsminuten der Premiere eine kritische Situation mit der coolen Gelassenheit eines alten Hasen meistert.

Wer miterleben möchte, wie ganz ganz viel Rizinus zum selbstverständlich glücklichen Ausgang des Stücks beiträgt, was es mit Leni Reißers gefühlt zehnminütiger Schimpfkanonade auf sich hat, was Günter Erkens über menschliche Ausscheidungen zu sagen, Pardon zu singen hat und wer dabei seine Zwerchfellmuskeln optimal trainieren möchte, der hat dazu bis zum 6. Mai in zwölf weiteren Vorstellungen Gelegenheit.

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