Aachen: Die letzte Ruhe in Aachen soll billiger werden

Aachen: Die letzte Ruhe in Aachen soll billiger werden

Die Preise für die letzte Ruhe sollen in Aachen mindestens stabil bleiben, im besten Fall gar sinken: Um dieses Ziel zu erreichen, hat der Stadtbetrieb eine neue Friedhofssatzung erarbeitet, die am Mittwoch einhellig die Zustimmung der Fachpolitiker fand.

Diese Satzung ist aus Sicht von Peter Maier, stellvertretender Leiter des Stadtbetriebs, nicht nur wesentlich verständlicher und bürgerfreundlicher gestaltet, sie kommt vor allem auch einer veränderten Bestattungskultur - Urne statt Sarg - entgegen und ermöglicht auch ganz neue Bestattungsformen.

Zu den wesentlichen Neuerungen gehören unter anderem die baumnahen Urnenbestattungen und die Möglichkeit, künftig auch „Themenfelder” anzulegen. Für beide Bestattungsformen gibt es in anderen Städten bereits große Nachfrage.

Mit der „baumnahen Bestattung” reagiert die Stadt auch auf stark gefragte alternative Bestattungsformen, etwa im Ruheforst oder Friedwald, die Ruhestätten bereits ab 490 Euro anbieten.

Auf eine Anregung der Friedhofsgärtner und Steinmetze gehen die „Themenfelder” zurück. Familien, Freundeskreise oder Vereine können sich beispielsweise unter einem bestimmten Motto eine Fläche sichern, die dementsprechend gestaltet und gepflegt wird. Denkbar etwa, dass sich ein Alemannia-Fanclub unter gelb-schwarzer Bepflanzung verewigen will. Maier kennt „äußerst sehenswerte” Beispiele aus Hamburg, Gelsenkirchen oder Köln. „Da stehen richtige Monumente.”

Aachen zieht nun nach und hofft damit, etwas gegen die seit Jahren zurückgehenden Beerdigungszahlen auf den 28 städtischen Friedhöfen tun zu können. Denn nicht zuletzt, weil die Bestattung so teuer ist, haben sich immer mehr Menschen nach preiswerteren Möglichkeiten für die letzte Ruhe umgesehen und sind in bedenklicher Zahl sogar ins Ausland abgewandert.


Die Folge: In Aachen gehen die Einnahmen zur Pflege der Friedhöfe zurück, zudem gibt es riesige Reserveflächen, die auf unabsehbare Zeit nicht mehr benötigt werden. Insbesondere an den Friedhöfen Hüls und Hand in Laurensberg sucht der Stadtbetrieb nach Möglichkeiten, Flächen abzustoßen und anderweitig zu nutzen. Eine Wohnbebauung oder Gewerbeansiedlung sei durchaus denkbar. Teils aber könnten „Überhangflächen” auch landwirtschaftlich oder als Ausgleichsflächen genutzt werden. Insgesamt gehe es um rund elf Hektar, die nicht mehr benötigt werden - eine Fläche so groß wie 15 Fußballfelder.

Erklärter politischer Wille ist es, dass keiner der vorhandenen Friedhöfe geschlossen werden soll. Die Kosten für die Pflege der parkähnlichen Friedhöfe sollen nach Möglichkeit anders umgelegt werden, um die Bestattungsgebühren stabil halten zu können. Um die Auslastung weiter zu verbessern, steht außerdem künftig grundsätzlich jeder Friedhof im Stadtgebiet auch jedem Menschen unabhängig von seinem Wohnort offen.

In der Hoffnung, dass das Maßnahmenbündel den gewünschten Effekt hat, rechnet der Stadtbetrieb damit, dass in zwei bis drei Jahren die Bestattungsgebühren sogar gesenkt werden können. „Wir hoffen, dass dies wieder zu einer größeren Akzeptanz unserer Friedhöfe führt”, erklärte Claus Haase, Vorsitzender des Stadtbetriebsausschusses. Das letzte Wort zur neuen Friedhofssatzung haben am nächsten Mittwoch die Politiker im Rat. Da auch dort die Zustimmung als sicher gilt, dürfte die Satzung wie geplant im Januar in Kraft treten.

So teuer ist die Beisetzung in Urnen und Gräbern

Die neue Friedhofssatzung, gültig voraussichtlich ab Anfang nächsten Jahres, sieht unter anderem folgende Tarife vor (Ruhezeit berechnet jeweils auf 20 Jahre).

Urnenbeisetzung in Reihengräbern, im Gemeinschaftsgrab, im anonymen Grab oder Baumgrab: 1253 Euro. In Wahlgräbern, im Baumwahlgrab oder oberirdischen Kammern: 2055 Euro.

Sargbeisetzung im Reihengrab 1253 Euro; im Erd-Wahlgrab normale Lage: 1958 Euro; bevorzugte Lage: 3686 Euro; Sonderlage: 4346 Euro. Tiefgräber zwischen 4268 und 7178 Euro. Gruft: 1958 Euro. Gruft im Campo Santo: 10.549 Euro.