Aachen: Die Kuppel schwebt aufs Dach der Yunus-Emre-Moschee

Aachen: Die Kuppel schwebt aufs Dach der Yunus-Emre-Moschee

Jetzt steht die große Kuppel auf dem Dach der Yunus-Emre-Moschee: Das war am Mittwoch ein Riesenaufwand, bis die 20 Tonnen schwere Kuppel mit ihren 360 Glaseinsätzen von einem Spezialkran der Kölner Firma Colonia als künftiges Wahrzeichen der Yunus-Emre-Moschee an der Stolberger Straße weithin strahlen konnte.

Bis abends ist die obere Stolberger Straße von der Elsassstraße an bis hin zum Reichsweg abgesperrt.

Erwartungsvoll blickten Besucher und Passanten in die Höhe, jeden Augenblick hätte sich der Kran in Bewegung setzen können. Aber erst einmal mussten noch ein paar Worte gesagt und der Segensspruch von Imam Mustafa Necati-Baris gesprochen werden. So lange musste sich der Kranführer gedulden.

Gemeindevorsitzender Abdurrahman Kol redete freudig von einem Begegnungszentrum, das demnächst, wenn es fertig ist, allen Aachenern zur Verfügung stehen wird. „Wann wir fertig mit dem Gotteshaus sind, ist von vielen Kriterien abhängig.“ In der Gemeinde ist der nächste Sommer angepeilt. „Unsere Moschee mit dem Begegnungszentrum ist für die Stadt, unsere Religionsgemeinschaft und natürlich für das Ostviertel ein Treffpunkt“, versicherte Kol. Er hob hervor, dass es in Aachen während der Planung und dem Hochziehen des Rohbaus keinerlei Probleme gegeben habe. „Nur zwei Mal waren Rechtsextreme vor Ort, die meisten von außerhalb, die stänkern wollten.“ Aber da hätten die Öcher wie eine Eins hinter seiner Gemeinde gestanden, stellte Kol fest.

„Das Rathaus ist auf ihrer Seite“, waren die Worte von Bürgermeisterin Margrethe Schmeer. An der Stolberger Straße entstehe eine ausgesprochen elegante Moschee.

Bevor Imam Necati-Baris seinen Segensspruch hielt, ergriff der Religionsattaché des türkischen Generalkonsulats Kazir Türkmen, der unter anderem für die muslimisch-türkischen Ditib-Gemeinden zuständig ist, das Wort. „Die Juden haben ihre Synagogen, die Christen ihre Kirchen, die Muslime ihre Moscheen“, verdeutlichte der Diplomat. „Moscheen sind für uns mehr als ein Gebetshaus, sie sind Zentren des Lebens, sie sind unsere Heimat.“ Seit mehr als 50 Jahren hätten Türken eine neue Heimat in Deutschland — in Aachen — gefunden: „Ich bete zu Gott, dass dieses Gotteshaus, die Yunus-Emre-Moschee unsere Freundschaft festigen wird.“

Der Kranführer sah sich nach den Worten des türkischen Attachés völlig überrascht, dass er nun plötzlich beginnen durfte, die schwere Kuppel aufs Dach zu hieven. Unter ständigem frommen Singsang des Imams, mit dem er den Schutz Gottes erbat, schwebte die Kuppel, die aus 360 Glasscheiben, die in eine Stahlkonstruktion eingepasst sind, besteht, hinaus aufs Moscheendach. Vor allem der Gebetssaal wird von Tageslicht erfüllt sein. Aber damit es nicht blendet, sind viele der Scheiben speziell gerastert, damit sich das Sonnenlicht in ihnen bricht und die Gläubigen nicht blendet.

Neun Reihen hat die Kuppel, je Reihe sind es 90 Glasscheiben, insgesamt 300 Quadratmeter Glas wurden verbaut. Das Sonnenschutzglas ist an der Spitze der Kuppel sechs Millimeter dick, am unteren Rand doppelt so viel. Die 90 unteren Scheiben werden erst dann eingepasst, wenn die Kuppel verlötet ist.

Neben vielen Gemeindemitgliedern, meist ältere Herrschaften, die an einem ganz normalen Mittwoch Vormittag genügend Zeit haben, um sich das Ereignis nicht durch die Lappen gehen zu lassen, waren auch Polizeipräsident Klaus Oelze, Bürgermeister Björn Jansen und der türkische Honorarkonsul Hans-Josef Thouet erschienen.