Aachen: Die Kleinen: Vorsichtiger Optimismus bei den einen, Frust bei anderen

Aachen : Die Kleinen: Vorsichtiger Optimismus bei den einen, Frust bei anderen

„Das war für mich ein sehr angenehmer Wahlkampf“, erklärte am Sonntagabend Nico Riedemann, Direktkandidat der Ökologisch Demokratischen Partei (ÖDP), im Gespräch mit den „Nachrichten“. Von allen acht Aachener Direktkandidaten hatte er die wenigsten Erststimmen bekommen, machte bei der offiziellen Wahlparty im Krönungssaal des Rathauses dennoch einen zufriedenen Eindruck.

Dass er mehr Stimmen für sich gewinnen konnte als noch im Mai, wertet er als persönlichen Erfolg. Im Vergleich zur Landtagswahl hätten die Leute diesmal viel besser über seine Partei Bescheid gewusst, sagte Riedemann und fügte lachend hinzu. „Im Wahlkampf vor der Landtagswahl haben mich die Leute noch gefragt, ob das Ö für Österreich steht.“

„Das ist ein Super-Ergebnis, auch hier in Aachen“, sagt Markus Mohr (AfD). Foto: Harald Krömer

Moderne Partizipation geplant

Matthias Achilles (Piraten): „Das, was die AfD auf Bundesebene erreicht hat, ist schlimm.“.

Diesmal aber hätten sich die Leute wirklich für die Themen interessiert und seien aktiv auf ihn und seine Parteikollegen an den Wahlständen zugegangen. Auch wenn es für den Bundestag nicht gereicht hat, will Riedemann sich weiter politisch engagieren. „Ich möchte die jungen Ökologen, die Jugendorganisation unserer Partei, in Nordrhein-Westfalen etablieren“, sagte er am Sonntag.

Wichtig sei eine moderne Form der Partizipation. Darum will er eine App entwickeln, die es ermöglicht, sich programmatisch in die Arbeit der Partei einzubringen, „vielleicht sogar, ohne dass man ein Parteibuch haben muss.“ Viele junge Menschen würden lieber projektbezogen arbeiten als sich allgemein politisch für eine Partei zu engagieren, meint Riedemann.

Auf das Ergebnis der Bundestagswahl insgesamt angesprochen, sagt Riedemann: „Das ist leider wenig überraschend, ein bisschen habe ich das schon so erwartet.“ Dass die AfD so stark geworden sei, störe ihn. Aber dafür freue ihn, dass die Grünen relativ gut abgeschnitten hätten, zumindest „besser als befürchtet.“

Deutlich weniger zufrieden wirkte am Sonntagabend Matthias Achilles, Direktkandidat der Aachener Piraten. „Schlimm“ sei das, was die AfD auf Bundesebene erreicht hat. „Ich kann nicht verstehen, dass die so viele Stimmen bekommen haben.“ Er gehe aber davon aus, dass die 13 Prozent nicht wirklich widerspiegeln würden, wie die Deutschen ticken: Nicht alle AfD-Wähler seien so rechtsradikal eingestellt wie die Partei. Dennoch sei dieses Ergebnis „schon sehr heftig“. Das Ergebnis seiner eigenen Partei wollte Achilles kaum kommentieren: Er sei natürlich nicht zufrieden mit dem Stimmenanteil.

Zweimal AfD mit Aachen-Bezug

Auch wenn Markus Mohr, Aachens Direktkandidat der AfD, nicht in den Bundestag einziehen wird, so werden doch zwei Mitglieder im Parlament sitzen: Uwe Kamann, der stellvertretende Sprecher der Aachener AfD, ist über die Landesliste eingezogen. Seinen Wahlkreis hatte er im Ruhrgebiet (Oberhausen —Wesel III).

Den Einzug über die Landesliste schafft auch Michael Espendiller, der in Aachen im Fach Mathematik promoviert und bis Februar dieses Jahres an der RWTH Aachen gearbeitet hat. Espendillers Wahlkreis ist Steinfurt im Münsterland. Sein Versuch, in Aachen als Direktkandidat aufgestellt zu werden, war von der Kreiswahlversammlung gestoppt worden.

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