Aachen: Die Kita streikt, Mama arbeitet, Georg spielt

Aachen : Die Kita streikt, Mama arbeitet, Georg spielt

Georg hat am Mittwoch geholfen, Faxe zu verschicken, er hat die Post mit weggetragen und seine Mama durchs Haus begleitet. Eigentlich ist Georg, 5, ein Kindergartenkind und besucht eine Kindertagesstätte in Stolberg-Gressenich. Aber weil auch dort die Erzieherinnen streiken, ist er nun schon mehrmals in Aachen mit zur Arbeit gegangen.

Georgs Mutter, Friederike Dreja, arbeitet bei der Actimonda-Krankenversicherung. Sie ist dort Sachbearbeiterin im Bereich Pflegeversicherung. Und in diesen Tagen ist sie heilfroh, dass es an ihrem Arbeitsplatz an der Hüttenstraße ein „Eltern-Kind-Zimmer“ gibt. Da kann die Mutter von drei Kindern ihren Job erledigen, und Georg kann spielen — und ein bisschen mitarbeiten.

Das Eltern-Kind-Zimmer bei Actimonda ist ein Angebot für Notzeiten. Eingerichtet wurde es allerdings nicht unbedingt für Streikzeiten. Das besondere Büro gibt es seit Anfang des Jahres. „Wir haben am Standort Aachen 248 Beschäftigte auf 211 Vollzeitstellen“, erläutert Actimonda-Pressesprecher Ralf Steinbrecher.

„70 Prozent davon sind Frauen.“ Und viele der Beschäftigten haben Kinder, auch kleine Kinder. Das Eltern-Kind-Zimmer soll Familien entlasten, wenn es akut Probleme gibt bei der Kinderbetreuung; wenn die Tagesmutter ausfällt, oder wenn das Kind kränkelt und nicht in den Kindergarten kann. „Wenn so etwas passiert, dann ist es sinnvoll, dass Eltern ihr Kind in der Nähe haben“, sagt Steinbrecher.

Spielecke und Kinderbett

Natürlich profitiere auch die Actimonda, erklärt der Sprecher. Die Planungssicherheit sei größer. Und in Zeiten, in denen Unternehmen verstärkt um Mitarbeiter werben müssen, sei ein familienfreundliches Angebot ein großes Plus, mit dem sich punkten lasse.

Das Eltern-Kind-Zimmer bietet zwei voll ausgestattete Arbeitsplätze samt Spielecke. Und sogar ein Kinderbettchen für den Mittagsschlaf ist vorhanden. Mit Bedacht wurde das Zimmer in ein ruhigeres Nebengebäude gelegt, die Berufsgenossenschaft hat die Beachtung aller Schutzvorschriften überprüft und abgenommen.

Seit der Inbetriebnahme Anfang Januar war das Spezialbüro bisher in der Regel einmal in der Woche belegt. Der Kita-Streik hat die Nachfrage nun regelrecht explodieren lassen. Für die beiden Streikwochen sei das Eltern-Kind-Zimmer komplett ausgebucht, so der Sprecher. „und der Bedarf ist eigentlich noch viel größer“.

So abwechslungsreich wie ein Tag in der Kita war Georgs Bürotag am Mittwoch bei weitem nicht. „Aber noch ist die Bahnlinie hinter dem Haus ganz spannend“, sagte Friederike Dreja, „noch springt Georg bei jedem Zug ans Fenster.“ Sie ist froh über das Eltern-Kind-Zimmer, auch wenn die Arbeit natürlich etwas langsamer von der Hand gehe.

Und wenn der Streik noch lange dauert? Da zuckt Friederike Dreja einigermaßen ratlos die Achseln. Und auch bei Actimonda sieht man aktuell keine Möglichkeit, wie noch mehr Eltern entlastet werden könnten. „Leere Räume haben wir zwar. Aber noch einen Eltern-Kind-Raum können wir auf die Schnelle nicht aus dem Boden stampfen“, erklärt Steinbrecher.

In Aachen waren am Mittwoch in acht städtischen Kitas insgesamt neun Notgruppen geöffnet. In sechs Kindertagesstätten organisierten weiterhin Eltern die Kinderbetreuung.

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