Die Kinder der Kita am Eibenweg in Aachen müssen ausquartiert werden

Auslagerung der Kita am Eibenweg : Eltern kritisieren Shuttle-Pläne der Stadt

Der Knackpunkt sind die neun Kilometer. Und dabei geht es dem jungen Vater, dessen Sohn die Kita am Eibenweg in Haaren besucht, gar nicht mal um die Entfernung an sich. Sondern darum, wie diese zurückgelegt werden soll.

Denn wenn die Kindertagesstätte im Sommer wegen dringend erforderlicher Umbaumaßnahmen vollständig ausgelagert wird, werden die vier Gruppen auf zwei Standorte verteilt.

Die „Kleinen“ unter drei Jahren kommen rund 600 Meter entfernt in der Gemeinschaftsgrundschule Am Haarbach unter. Die „Großen“ über drei Jahre ziehen in die Pavillons an der Schagenstraße in Brand – gut neun Kilometer von ihrer eigentlichen Betreuungsstätte entfernt.

Dass eine vollständige Auslagerung der Haarener Kita dringend nötig ist, ist dabei unstrittig. Das städtische Gebäude ist in einem baulich schlechten Zustand, eine Sanierung ist dringend erforderlich. Zudem erfüllt die Kita mit ihrer aktuellen Gruppenstruktur nicht die räumlichen Standards, die der Landschaftsverband Rheinland festgelegt hat. Ein zweigeschossiger Anbau soll Abhilfe schaffen. Und solch umfassende Baumaßnahmen sind, so die Erfahrung der Stadt, während des laufenden Kita-Betriebes einfach nicht zu stemmen.

Von Haaren nach Brand: In den Containern an der Schagenstraße werden zum neuen Kitajahr die Kinder ab drei Jahre unterkommen. Foto: ZVA/Harald Krömer

Die konkreten Planungen, wie die Auslagerung nun umgesetzt werden soll, stößt bei einigen Eltern allerdings auf Unverständnis. Denn die drei Ü3-Gruppen sollen per Shuttle von Haaren nach Brand transportiert werden. Vorgesehen ist dafür laut städtischem Presseamt ein normaler Bus, in etwa wie ein Linienbus. Angeschnallt sind die Kinder dabei nicht.

„Die Art des Shuttelns entspricht den Vorgaben der Unfallkasse“, erklärt Björn Gürtler vom städtischen Presseamt, genauer gesagt habe die Stadt mit zwei statt nur einer Erzieherin pro Fahrt den erforderlichen Personalschlüssel für so einen Transport sogar verdoppelt. „Wir machen das nicht zum ersten Mal. Und bis jetzt ist noch nie etwas passiert“, betont Gürtler.

Den jungen Vater, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will, beruhigt das allerdings nicht. „Dass dabei nichts passiert, kann ich mir nicht vorstellen“, sagt er. Auch wenn jede Fahrt von zwei Erziehern begleitet wird, glaube er nicht, dass so die Sicherheit der Kindern zu gewährleisten sei. Wie solle man mit diesem Personalschlüssel rund 30 drei bis sechs Jahre alte Kinder dazu bringen, 20 Minuten lang still auf ihren Sitzen zu bleiben? Eine Mutter sorgt sich vor allem um die Rückfahrt: Gerade am Nachmittag schliefen kleine Kinder im Bus oft ein, und bei der Größe fielen schlafende Kinder ohne Anschnallgurt dann bei jedem stärkeren Bremsen vom Sitz.

Wie viele Kinder genau in die Pavillons an der Schagenstraße ziehen werden, konnte die Verwaltung am Mittwoch auf Anfrage nicht sagen. In einer Verwaltungsvorlage von Januar 2019 ist die Rede von „aktuell“ 59 Ü3-Kindern. Wie viele es zum 1. August sein werden, ist nach Angaben des städtischen Presseamts noch nicht bekannt. Zudem ist die Nutzung des Shuttle-Busses nicht verpflichtend.

Eltern können ihr Kind auf Wunsch also auch persönlich mit dem eigenen Auto nach Brand bringen. Allerdings sind die Öffnungszeiten des Ausweichquartiers in Brand kürzer als in Haaren, wie der Aachener Vater kritisiert. Vorgesehen ist der Betrieb dort von 8 bis 16 Uhr statt wie gehabt von 7.30 bis 16.30 Uhr. Auf eine Betreuungszeit von 45 Stunden kommt also nur derjenige, der seine Tochter oder seinen Sohn shutteln lässt.

Unklar ist zudem noch, welche Kinder nach dem 1. August 2020 an welchem Standort betreut werden. Der Betrieb in den beiden Ausweichquartieren beginnt am 12. August 2019, als Gesamtbauzeit sind 15 Monate veranschlagt.

Sollte also ein Kind währenddessen drei Jahre alt werden, ist es theoretisch möglich, dass es sich zum Beginn des Kitajahres 2020/21 erneut an eine neue Umgebung gewöhnen muss – nach der Grundschule Am Haarbach für die U3-Kinder also an die Pavillons an der Schagenstraße für die Ü3-Kinder und dann nach einigen Monaten wieder zurück in die dann sanierten Räumlichkeiten am Eibenweg. Lediglich für das kommende Kitajahr versichert Gürtler: „Im Kindergartenjahr 2019/20 bleiben die Gruppen so zusammen, wie sie am 12. August 2019 in Betrieb gehen.“

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