Nach über 40 Jahren: Die Gasballons am Grünen Weg haben ausgedient

Nach über 40 Jahren : Die Gasballons am Grünen Weg haben ausgedient

Die Gasballons zwischen Grünem Weg und Prager Ring haben ihre technische Bedeutung verloren. Ein Abriss der Wahrzeichen im Aachener Norden ist aber noch nicht vorgesehen.

Zwei von ihnen haben schon mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel, der dritte immerhin rund 40 Jahre: Die drei Gasballons am Prager Ring/Ecke Grüner Weg, die die von Gewerbe dominierte Silhouette zwischen Krefelder und Jülicher Straße im Nordosten der Innenstadt dominieren, werden im Laufe dieses Jahres ausrangiert, weil sie nicht mehr gebraucht werden – die technische Entwicklung hat sie überholt.

Vanessa Grein, Pressereferentin der Regionetz GmbH: „Die Gaskugelbehälter dienen nur der Speicherung von Erdgas. Durch veränderte Verträge mit den Lieferanten und die Errichtung einer dritten Übergabestation haben die Gaskugelbehälter immer mehr an Bedeutung verloren.“ In dieser Übergabestation auf dem Betriebsgelände, die den Druck aus der Leitung herunterregeln, kommt das Gas eines zweiten Lieferanten an, so dass man darauf zurückgreifen kann, falls es einmal bei den anderen Pipelines eng wird. Im Laufe dieses Jahres würden die Kugeln deshalb stillgelegt, vorläufig aber nicht abgerissen: „Danach befindet sich kein Erdgas mehr in den Gaskugelbehältern.“

Die 32 Meter hohen runden Behälter, gefüllt mit jeweils 150.000 Kubikmeter des fossilen Energieträgers, dienten nämlich vor allem als Reserven und Puffer für den unterschiedlichen Tagesbedarf – abhängig etwa von wechselhafter Witterung. Und welche Sicherheitsbestimmungen galten für sie? Grein: „Die Behälter werden alle zwei Jahre durch den TÜV geprüft, außerdem finden regelmäßig Überprüfungen durch die Feuerwehr statt.“ Monatlich erfolge eine Begehung durch einen Fachmann der Regionetz.

Vor kurzem hatte, wie berichtet, die Gemeinde Vaals für Aufmerksamkeit gesorgt, als sie einem Energiekonzern für 88.000 Euro eine Autogasstation abkaufte, weil sie im Umkreis von 330 Metern ein – wenn auch geringes - Restrisiko für die Sicherheit der Anwohner darstelle. Die LPG-Zapfsäule wird jetzt stillgelegt.

Auch in Aachen war 2015 im Zusammenhang mit Störfallbetrieben im Gewerbegebiet Grüner Weg von einer 350 Meter großen Schutzzone die Rede. Vanessa Grein berichtet jedoch von wesentlich geringeren Anforderungen: „Um die Gaskugelbehälter gibt es einen Sicherheitsbereich von 25 Metern. Dieser wurde bei Errichtung der Gaskugelbehälter durch die damalige Sicherheitsbehörde festgelegt.“

Wie das zustande kommt, erläutert Matthias Otte-Witte, bei der Bauaufsicht der Stadt Aachen zuständig für Haustechnische Anlagen und Einrichtungen: „Solche Anlagen bedürfen einer Erlaubnis durch die zuständige Behörde (in NRW die Dezernate 55 der Bezirksregierungen).“ Dabei würden alle Gefahrenfelder betrachtet, also nicht nur das „bestimmende Gefahrenfeld Druck an einer Füllanlage“, sondern auch „Explosion“ und „Brand“. Ob da der viel zitierte Absturz eines Flugzeugs inklusive ist?

Keine Stellungnahme

Und was halten die Experten der Regionetz vom Vaalser Vorstoß, die LPG-Zapfsäule im Ortskern zu erwerben und auszurangieren? Vanessa Grein antwortet ausweichend: „Da die Regionetz keine LPG-Tankstellen betreibt, können wir uns zum Bau und Betrieb dieser Tankstellen nicht äußern.“ An der Lombardenstraße gibt es lediglich eine CNG-Erdgastankstelle.

Auch aus der Ferne betrachtet fallen die Gasballons beim Blick auf die Stadt sofort ins Auge. Foto: MHA/Harald Krömer

Und wie steht es davon um die privaten Vorratsspeicher? „Gastanks bei Privatleuten sind meistens Flüssiggastanks, die mit LPG gefüllt sind. Dabei handelt es sich um ein Butan-Propan-Gemisch. Erdgastankstellen verdichten hingegen lediglich das Erdgas auf den benötigten Druck und sind mit Methan gefüllt.“

Grundsätzlich sei der Betrieb von Strom-, Gas und Wassernetzen in Deutschland streng reguliert. „Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) hat ein umfangreiches Regelwerk erarbeitet, das wichtige Standards setzt.“

Die jährlichen Qualitätskontrollen sowie die Investitionen der Regionetz in die Netze orientierten sich an diesem Regelwerk und gingen in vielen Aspekten über diese Anforderungen hinaus. „Beispielsweise arbeitet die Regionetz nach einem – im Branchenvergleich – sehr engen Prüfzyklus bei der Kontrolle ihres Gasnetzes.“ Auch der Betrieb von Pkw mit Erdgas wird von Fachleuten bei regelmäßigen Kontrollen und Wartungen als ungefährlich beschrieben.

Und was ist der Unterschied zwischen LPG und CNG? Grein erklärt: „Bei CNG handelt es sich um Erdgas (Methan). Dieses ist immer gasförmig. LPG (Liquified Petroleum Gas) ist ein Butan-Propan-Gemisch, das flüssig ist.“ Das höherwertige CNG behält die Form, die es schon bei seiner Förderung hatte, stets bei, im Unterschied zu LPG, das ab einer Temperatur von -164 Grad Celsius flüssig wird und ein Nebenprodukt der Förderung von Erdgas und Erdöl ist.