Aachen: Die ganze Szene feiert: 20 Jahre Bluesnacht

Aachen: Die ganze Szene feiert: 20 Jahre Bluesnacht

Aus einem lockeren Projekt, das Anfang der 80er ins Leben gerufen wurde, ist längst eine musikalische Institution in der Region Aachen geworden: die Somebody Wrong Bluesband.

Und die Bluesnacht, die 1991 von ihr und den musikalischen Freunden von The Big Booze erfunden wurde, feierte jetzt den zwanzigsten Geburtstag. Eigentlich wollten die Bands nur einmal spielen, aber die Erstauflage war ein solcher Erfolg, dass es immer weiterging. 2009 und 2010 stieß dann Blues Delivery als zweite Band hinzu.

Natürlich war das Konzert im Jakobshof wieder mal ausverkauft, denn zu Feier des Tages hatte sich die ganze Szene versammelt. Einzelne alte Freunde und Weggefährten, die man teils seit Jahrzehnten nicht gesehen hatte, nahmen sogar weite Reisen etwa aus Berlin auf sich. Wieviele Fans es letztlich waren, lässt sich kaum feststellen, denn schon bald wurden die Schleusen geöffnet, und es gab ein munteres Kommen und Gehen. Wenn die Musiker wie beim allerersten Konzert von einem Mann 20 Mark für die Reservierung eines Stuhl bekommen hätten, wäre hier ein ganz schönes Sümmchen zusammengekommen. Aber im Sitzen hätte man, so wie der arme Schelm damals, sowieso nichts gesehen.

Musikalisch gab es zwei Neuerungen: zur Feier des Tages spielte die Band den ganzen Abend alleine, während man sich den Auftritt sonst immer mit befreundeten Truppen teilte. Was aber nicht hieß, dass keine Freunde da waren: Zum ersten, aber nicht zum letzten Mal verstärkte die Bluesgang sich mit einem Bläsersatz um Allrounder Heribert Leuchter. Der brachte einen fast bigbandartigen Drive und Zug in das Ganze.

Stimmgewaltige Sängerin

Wer wollte irgendeinen Musiker hervorheben, ohne den anderen Unrecht zu tun? Zwei Gitarristen (Albrecht Peltzer, Alex Wilde), die sich gegenseitig zu immer tolleren Riffs anstacheln, ein Keyboarder (Martin Peltzer), der mal einen Klangteppich aus dem Orgelsound unterlegte, mal ein hartes Piano-Solo abließ, zwei berufstypisch stoische Gestalten, die sich an Bass (Jochen Stark) und Schlagzeug (Chris Andrä) durch nichts aus der Ruhe bringen ließen, und über allem die stimmgewaltig jubilierende Sängerin Christine Isensee - das ist der Stoff, aus dem eine anständige Bluesnacht gemacht sein muss. Neben Leuchter (Saxophon) bliesen Boris Bansbach (Saxophon) und Markus Plum (Posaune) gewaltig in ihre Hörner. Alles Einzelkönner, die zusammen einen Sound entfachten, bei dem der stärkste Wille nicht mehr das Bein ruhig halten kann.

Dazu stieß später als zweiter Drummer Urgestein Michael Müller, der die Band einst mit gegründet hatte, sowie Henning Lichtenstein, Gitarrist und Sänger von Big Booze. Im ersten, akustischen Set wurden teilweise Eigenkompositionen von Lichtenstein gespielt, im zweiten, blechgestützten Teil gab´s Blues- Evergreens wie Mustang Sally (Wilson Pickett) oder Cocaine von J.J. Cale. Der dritte Teil war den Allman Brothers gewidmet. Hier folgten Schlag auf Schlag unsterbliche Nummern wie Done Somebody Wrong (Elmore James) oder Jessica (Dickey Betts).

Irgendwann gegen Mitternacht hatte die Band nach gefühlten 35 Zugaben alles unters Volk gebracht, was sie drauf hat, und so kann man gespannt den nächsten zwanzig Bluesnächten entgegensehen. Zuzutrauen ist das der quicklebendigen Truppe jedenfalls. Zumindest wenn sie in Zukunft mehr schläft als in dieser Nacht, in deren Verlauf die Jubilare nach der ganzen Wiedersehens-Orgie schwerlich vor vier Uhr im Bett gewesen sein dürften.