Aachen: Die ganze Domstadt wird zur Filmkulisse

Aachen: Die ganze Domstadt wird zur Filmkulisse

Er ist einer der populärsten und erfolgreichsten Schauspieler Deutschlands, bei Jung und Alt gleichermaßen beliebt. Vor allem durch seine Paraderolle, in der er regelmäßig am Sonntagsabend im Ersten zu sehen ist. Als sympathisch-verschrobener Professor Boerne im Münster-Tatort. Die Rede ist von Jan Josef Liefers.

Üblicherweise tut sich der Mime und Musiker - seine Band heißt Oblivion - in Berlin, Köln oder München um. Eben dort, wo Filme gedreht werden und wo die Filmindustrie zu Hause ist.

Das ist in Kornelimünster bekanntermaßen nicht der Fall. Trotzdem weilt Liefers derzeit in dem beschaulichen Städtchen an der Inde. Der Grund: Er dreht einen neuen Film. Und zwar mitten auf dem Korneliusplatz. Dort haben am Mittwoch die Dreharbeiten für die TV-Komödie „Der Mann auf dem Baum” begonnen, die im Herbst in der ARD ausgestrahlt wird. Und Liefers ist als Hauptdarsteller fast jeden Tag am Set.

Reges, aber stilles Treiben

Auf der Straße an Sparkasse, Marktschänke und Restaurant Napoleon haben sich einige Bewohner und Zaungäste versammelt. Zum Gucken natürlich. Denn den Liefers, den kannt man ja. Auf dem Platz selbst herrscht derweil reges, aber stilles Treiben. In einer Szenerie aus Marktbuden mit Blumen und Obst, einer großen Kartoffelwaage und einem Hotdog-Stand liegt und steht allerlei Gerät herum. Taschen, Gestelle, Anhänger und mehrere Filmkameras.

Dramatische Szene vor alter Reichsabtei

Die schweigende Aufmerksamkeit von Crew und Zuschauern richtet sich aber nach hinten, dorthin, wo die große Linde so schmuckvoll vor der alten Reichsabtei steht. Dort wird gerade gedreht. „Ruhe bitte”, schallt es über den Platz. Kurz danach beginnt Liefer mit seiner Filmpartnerin Suzan Anbeh und dem Jungdarsteller Jannis Michel zu spielen.

Es ist eine dramatische Szene. Denn darin eskaliert ein Streit zwischen den fiktiven Ex-Ehepartnern Hans (Liefers) und Linda (Anbeh). Sie können sich beim Sorgerecht für ihr Kind (Michel) nicht einigen. Linda will mit ihm ins Ausland ziehen, Hans tut alles, um das zu verhindern. Unter anderem besetzt er einen Baum, genauer gesagt das Podest einer Tanzlinde mitten auf einem Marktplatz. Und diese Filmlinde ist die in Kornelimünster. Sie wurde für „Ein Mann auf dem Baum” extra mit einem Holzgerüst versehen.

Dass der WDR und Cinecentrum Berlin - als Produktionsfirma beauftragt - sich ausgerechnet für Kornelimünster als Auftaktdrehort entschieden haben, kommt nicht von ungefähr. Martin Gies, der Regisseur des Films, hat 1971 in Aachen Abitur gemacht. Seither war er zwar nur noch ab und zu in der Domstadt. „Aber mir ist Aachen in sehr guter Erinnerung geblieben”, erzählt er. „Und als wir nach einem geeigneten Schauplatz für unsere Komödie suchten, kam es mir in den Sinn”.

Damit war es selbstverständlich noch lange nicht getan. Denn Kornelimünster, respektive Aachen (denn auch dort wird noch viel gedreht) musste zunächst einmal auch für die Produzenten attraktiv werden. „Das wichtigste ist: Eine Stadt muss uns Filmemacher willkommen heißen”, sagt Thomas Swetje, Produktionsleiter von Cinecentrum Berlin. „Da können wir bei Aachen ein großes Häkchen machen.” Schon nach der ersten Ortsbesichtigung habe sich gezeigt, dass die Stadt die passende Infrastruktur biete - also eine gute Verkehrsanbindung, Hotels und Einkaufsmöglichkeiten.

Vor allem aber auch: gute Motive. Was den Öchern schon immer klar war, davon konnten sich auch Swetje und sein Team überzeugen. „Aachen ist sehr fotogen, überall bieten sich tolle Kulissen an. Und es hat diesen französisch-belgischen Schlag. Das ist sehr charmant.” Bei so viel Begeisterung ist es nicht verwunderlich, dass es nicht beim Dreh auf dem Korneliusplatz bleibt. Der gesamte Liefers-Film wird in Aachen und Umgebung gefilmt.

In den nächsten vier Wochen ist das rund 50-köpfiges Team aus Schaupspielern und Komparsen, Regie, Technik, Maske und Szenenbildnerei jeden Wochentag an schmucken und vor allem repräsentativen Schauplätzen Aachens im Einsatz. Etwa in der Annastraße, am Super C, am Elisenbrunnen und - das darf nicht fehlen - vor Dom und Rathaus.

Aachen wird zu erkennen sein

„Aachen wird im Film auf jeden Fall zu erkennen sein”, erklärt Hans Poth von der Stadt Aachen. Der kann seine Begeisterung bei so viel Präsenz Film mit einem Schauspieler-Karat wie Jan Josef Liefers kaum verbergen. Schließlich ist so eine Produktion - neben dem Geld, das hier gelassen wird - eine riesige Imagekurbel für die Stadt. Poth: „Vielleicht wird der ein oder andere auf Aachen aufmerksam und wir haben demnächst öfter Besuch aus der Filmbranche”.

Dass Aachen das Zeug zur Filmstadt hat, da sind sich Poth und sein Kollege Manfred Beissel, der genau das vorantreiben soll, überzeugt. Ebenso wie von der Akzeptanz und Gastfreundlichkeit der Öcher. Trotz teils größerer Straßensperren für die Dreharbeiten. In Kornelimünster jedenfalls ist die Freunde über die angenehme Abwechslung in Gestalt von Jan Josef Liefers groß. „Wir sind extra hergekommen, um ihn zu sehen”, sagt das Rentner-Ehepaar Theo und Annelie Wienands. Sie sitzen nur wenige Meter vom Set entfernt auf einer Bank und beobachten entspannt das Treiben. Von oben wärmt die Frühlingssonne. Nur eines müssen sie: ruhig sein. Denn beim Dreh ist kein Mucks erlaubt.