Aachen: Die ganz große Wohnungsnot ist vorerst nicht in Sicht

Aachen: Die ganz große Wohnungsnot ist vorerst nicht in Sicht

Die Studentenmassen sind da. Davon konnte sich am Montag jeder im Dreieck zwischen Turmstraße, Templergraben und Pontstraße eindrucksvoll überzeugen. Während bei den Einführungsveranstaltung die Hörsäle teils überquellen, heißt es anderswo: Entwarnung. Zumindest vorerst.

Die große Wohnungsnot, die Stadt und Hochschulen befürchteten, scheint sich in Aachen zum taufrischen Semesterstart noch nicht einzustellen. So lautet bislang unisono die Aussage der Stellen, die es wissen müssen. Etwa des RWTH-Asta. „Es wird wohl nicht ganz so schlimm wie befürchtet“, erklärt Philipp Schulz, Projektleiter Wohnen. „Ich kann nicht sagen, dass unsere Beratung derzeit von Studenten überrannt wird.“

Genutzt werde die zwar schon. Aber nicht mehr als zum Beginn anderer Wintersemester auch. Besonders ausländische Studierende, die es auf dem privaten Wohnungsmarkt ohnehin schwer haben, kämen. „Im Laufe der Woche oder spätestens nächste Woche wird es aber akuter werden. Dann beginnen die Vorlesungen. Und spätestens dann kommen die Studis alle nach Aachen.“ Dennoch glaubt Schulz nicht, dass sich die „vor wenigen Wochen verbreitete Panik“ breit machen wird. Auch, weil durchaus noch guter Wohnraum zu kriegen sei.

Kampagne „Extraraum“

Das sieht der Asta-Beauftragte auf der Internetplattform „Extraraum“. Die Kampagne wurde vor rund zwei Jahren als Kooperationsprojekt von Stadt Aachen, FH, RWTH und den beiden Asten gestartet, um dem Wohnungsmangel für Studenten entgegenzuwirken. Die Asten betreuen die Wohnungsbörse im Netz, und dort halten sich Angebot und Nachfrage laut Schulz bisher relativ die Waage. „Jetzt mit Semesterbeginn hat die Dynamik aber deutlich angezogen. Die Wohnungen und WGs sind schneller weg als vor ein paar Wochen. Aber es kommen auch immer wieder neue, brauchbare Angebote rein.“

Eine Wohnung in Stolberg-Vicht gehört laut Schulz nicht unbedingt dazu. „Sowas ist kaum vermietbar“, sagt er. Vermietern mit Angeboten in Würselen, Eschweiler, Vaals oder Kelmis wird es kaum anders gehen. Die meisten Studenten wollen eben in der Innenstadt wohnen. Auch auf die Gefahr hin, dass die Suche etwas länger dauert.

So ist auch die Erfahrung von Brigitte Jungheim, Leiterin der Wohnheimverwaltung beim Studentenwerk: „Wir haben hier eine Mappe voller Privatangebote liegen. Aber wenn‘s nicht Aachen-Mitte ist, ist es schon nicht mehr interessant.“ Der logische Schluss: Dramatische Wohnungsnot? Bislang noch Fehlanzeige. Jungheim: „Es ist voll wie jedes Wintersemester. Aber mehr bisher auch nicht.“ Ausgebucht sind, ebenfalls wie gewohnt zum Semesterstart, alle Wohnheimplätze. Wer sich auf die Liste setzen lässt, muss mindestens ein halbes Jahr Wartezeit einplanen — und sucht vorerst nach einer Übergangslösung.

Dazu mieten sich auch immer wieder Studis in der Aachener Jugendherberge an der Maria-Theresia-Allee ein. Laut Herbergsleiter Rainer Jansen sind das — wie jedes Jahr — ein paar. Einen Zuwachs kann aber auch er nicht erkennen. „Vom doppelten Abiturjahrgang merken wir nicht direkt was. Wir haben noch freie Betten.“ Noch günstiger als die Herberge mit 26 Euro pro Nacht sind die Übergangschlafplätze bei der Katholischen und der Evangelischen Hochschulgemeinde. Mit Isomatte und Schlafsack schläft man dort für ein paar Euro pro Nacht — und hat etwas Zeit gewonnen, um weiter zu suchen.

Plan B beim Asta der RWTH

Bislang machen aber nur wenige davon Gebrauch, Philipp Schulz hat am Montag erst zwei Studenten aus Osteuropa dorthin verwiesen. Sie standen mit gepackten Koffern bei der Asta-Beratung und wussten nicht wohin. Noch sind das Einzelfälle. Und alle hoffen, dass es so bleibt. Falls nicht, hat zumindest der RWTH-Asta schon einen Plan B in der Hinterhand. Wenn er nächste Woche doch noch überrannt werden sollte, werden kurzerhand Gemeinschaftsräume von Studentenwohnheimen in Nachtlager umfunktioniert. Schulz: „Noch gehen wir aber davon aus, dass das nicht nötig ist.“