Aachen: Die fünfte Aachener Gesamtschule soll kommen

Aachen : Die fünfte Aachener Gesamtschule soll kommen

Die Weichen sind gestellt. Aachen soll eine weitere, fünfte Gesamtschule bekommen. Mit den Stimmen von CDU und SPD hat der Schulausschuss dem Stadtrat empfohlen, die Gründung einer neuen Gesamtschule vorzubereiten. Die Politik reagiert damit auf den seit Jahren festzustellenden massiven Mangel an Gesamtschulplätzen.

Jedes Jahr müssen an den vorhandenen Gesamtschulen in Aachen 80 bis 100 Kinder abgewiesen werden. Eigentlich war im Schulausschuss nur die FDP gegen eine fünfte Gesamtschule. Allerdings hatten Grüne und Piraten einen eigenen Gesamtschul-Antrag eingebracht, dem sich auch die Linke anschloss.

Im Rahmen der Schulentwicklungsplanung wird die Frage nach einer weiteren Gesamtschule schon länger konkret diskutiert — allerdings bis dahin nicht öffentlich, zum Beispiel in der interfraktionellen Lenkungsgruppe. Deshalb brodelte zwischen den Fraktionen jetzt auch heftiger Unmut hoch, als zunächst die Grünen das Thema zur öffentlichen Beratung auf die Tagesordnung des Schulausschusses setzen ließen und dann die große Koalition aus CDU und SPD diese Woche — einigermaßen überraschend —ihren Ratsantrag zur fünften Einrichtung öffentlich machte. Besonders die CDU hatte sich beim Thema neue Gesamtschule bislang immer äußerst zurückgehalten. Am Donnerstagabend standen dann in der Sache zwei konkrete Anträge zur Schulgründung zur Diskussion, und alles ging plötzlich ganz flott.

Sofern der Stadtrat den CDU-SPD-Antrag beschließt, wird die Verwaltung mit der Suche nach einem Standort und den Vorbereitungen zur Schulgründung beauftragt. Auf jeden Fall soll die neue Schule zentral liegen. „Bei der Suche nach einem geeigneten und zukunftsfähigen Standort soll insbesondere auf eine gute verkehrliche Anbindung geachtet werden“, heißt es im Antrag wörtlich. Zur angestrebten Größe macht die Groko in ihrem Antrag bewusst keine Angaben. Diese und weitere Entscheidungen, erklärte Bernd Krott (SPD), sollten erst im Herbst getroffen werden, nachdem die Verwaltung Vorschläge zum Standort vorgelegt habe.

Grüne und Piraten werden da schon konkreter. Sie fordern zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Errichtung einer in der Sekundarstufe I sechszügigen Gesamtschule in Ganztagsform — immer vorausgesetzt, die dafür erforderliche Zahl von rund 160 Anmeldungen kommt zustande. Auch Grüne und Piraten wollen die Verwaltung beauftragen, einen passenden Schulstandort zu entwickeln. Dabei könne auch ein Umzug während der ersten Jahre des Schulbetriebs in die Planung einbezogen werden. Bei der Bezirksregierung als oberer Schulaufsichtsbehörde soll die notwendige Genehmigung eingeholt und das förmliche Anmeldeverfahren beantragt werden.

Und noch eins ist den beiden Oppositionsfraktionen wichtig: Gymnasium und Gesamtschule können aus ihrer Sicht nur verlässlich nebeneinander existieren, wenn die Plätze, die an den Aachener Gymnasien und Gesamtschulen zur Verfügung stehen, langfristig quotiert, also begrenzt werden.

„Wenn wir wirklich Ja sagen zur Gesamtschule, dann müssen wir auch das Gymnasium schützen“, argumentierte Ulla Griepentrog (Grüne). Schon jetzt wechselten deutlich über 50 Prozent der Aachener Viertklässler auf ein Gymnasium. „Wenn irgendwann 80 Prozent aufs Gymnasium gehen, dann ist das auch kein Gymnasium mehr.“ Eine neue Gesamtschule könne so auch nicht funktionieren. Richtschnur einer „Quotierung“ müsse die festgelegte Zügigkeit jeder Schule, also die Zahl der Klassen pro Jahrgang sein. „Es ist wichtig, dass wir künftig nicht jedes Jahr zusätzliche Klassen genehmigen“, erklärte Griepentrog.

Holger Brantin (CDU) betonte dagegen das Elternrecht der Schulwahl. Dazu brauche es Konzepte, keine Quotierung. Wer beide Systeme erhalten und stärken wolle, müsse mit Standort, Ausstattung und Schulkonzept überzeugen.

Verwaltung soll suchen

Und wonach soll die Verwaltung nun suchen? Grüne, Piraten und Linke wollen die Festlegung auf eine sechszügige Gesamtschule. Durch die Rückkehr zur neunjährigen Gymnasialzeit werde man in Aachen in absehbarer Zeit 30 neue Züge eröffnen müssen, argumentierte Griepentrog. „Und die Gymnasien sind nicht beliebig ausdehnbar.“ Außerdem müsse die Verwaltung wissen, für welche Schulgröße sie einen Standort suchen soll.

Wilfried Fischer (Linke) zeigte sich sehr angetan, dass auch ein Neubau Thema sei. So ließen sich pädagogische Konzepte am besten in der baulichen Gestaltung abbilden. Und Pirat Michael Sahm legt Wert darauf, dass die neue Gesamtschule die Aachener Schullandschaft stärke, „und nicht Schüler an anderen Schulen räubert“.

Bald im Stadtrat

Demnächst wird sich nun der Stadtrat mit dem Thema fünfte Gesamtschule befassen. An manchen Schulen dürfte der Beschluss im Schulausschuss Unruhe auslösen. Denn für die Gründung der 4. Gesamtschule von wenigen Jahren wurde eine andere Schule geschlossen. Die David-Hansemann-Realschule ist seitdem Geschichte.

Mehr von Aachener Nachrichten