Aachen: Die Freitreppe: Ein „Erlebnisraum” der besonderen Art

Aachen: Die Freitreppe: Ein „Erlebnisraum” der besonderen Art

Für die einen bleibt sie eine „Gefahr für Leib und Leben”, für die anderen ist sie ein „Erlebnisraum”, der ganz neue Stadteindrücke ermöglicht. Die Meinungen über die umstrittene Freitreppe am Neubau der Aachen-Münchener (AM) gingen auch im Mobilitätsausschuss am Donnerstag weit auseinander.

So drängen vor allem die Vertreter der Behindertenverbände mit Unterstützung von SPD und Linken auf Nachbesserungen - wohlwissend, dass dies mit vertretbarem Aufwand kaum noch möglich ist. Denn die eingebaute Rampe, die die breite Treppe zickzackförmig durchschneidet, ist vielleicht gut gemeint, aber allem Anschein nach schlecht gemacht. Dies machte Caline Strack, Sprecherin der Kommission barrierefreies Bauen, deutlich, die überraschend im Ausschuss reden durfte.

Für Behinderte sei die Rampe wegen fehlender Geländer und Radwabweiser mehr Falle als Hilfe. Dass sie quer zu den Treppenstufen verläuft, ist eine zusätzliche Gefahr selbst für Nichtbehinderte. Es seien schon Leute gestürzt, behauptet Strack. Sie bemängelte, dass auch an anderer Stelle - so bei den unsachgemäßen Handläufen - die Erkenntnisse zur barriefreien Gestaltung nicht in die Planungen eingeflossen seien und appellierte eindringlich an Politik und Verwaltung, frühzeitig Behindertenvertreter einzubinden.

Baudezernentin Gisela Nacken betonte, dass man von der 2008 gegründeten Kommission barrierefreies Lernen viel gelernt habe. „Wir sehen heute vieles mit anderen Augen.” Inzwischen werden die Anregungen auch aufgenommen, die Planungen für die Treppe hätten jedoch lange vorher begonnen. Man sei glücklich über den breiten Raum gewesen, den die AM zur Verfügung gestellt habe und habe großen Wert auf die Gestaltung gelegt. Sie betonte einmal mehr, es sei „eine zusätzliche Verbindung”. Zudem könne die Treppe rechts und links mit normalen Trittfolgen sicher begangen werden.

Grünen-Vertreter Achim Ferrari betrachtet die Treppe ironiefrei als „Erlebnisraum für Nichtbehinderte”: „Diese Treppe muss man bewusst gehen.” Interessante Stadtgestaltung könne nicht für jede Art von Behinderung nutzbar sein.

Dennoch betonte die Verwaltung, für die barriefreie Gestaltung „sensibilisiert” zu sein. Ausschussvorsitzender Roland Jahn zeigte sich überzeugt: „Das Thema ist dort gut aufgehoben.”