Aachen: Die Feuerwehr braucht eine vierte Wache

Aachen: Die Feuerwehr braucht eine vierte Wache

Der Gutachter waltete seines Amtes und gutachtete. Das ist oft sehr fachspezifisch und daher dröge. Im Umweltausschuss gutachtete es dröge. Feuerwehrchef Jürgen Wolff holte die Kastanien aus dem Feuer, was ja auch seines Amtes ist.

Im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz ging es am Dienstagabend um die Zukunft der Feuerwehr. Ein „Brandschutzbedarfsplan“ wird aufgestellt. „Was wird aus der Ist-Analyse ihrer Leistungsfähigkeit für die Feuerwehr? Wo wollen und müssen wir hin?“ fragte Dezernent Markus Kremer.

Der Sportplatz Siegel gilt hinter den Kulissen offenbar als „Standortoption 1“ für eine Feuerwache am Rande der südlichen Innenstadt. Foto: Harald Krömer

Präzise Antworten soll es im Mai geben. Dann will Kremer eine „detaillierte Vorlage“ präsentieren. Eins steht aber heute schon fest: Die Berufsfeuerwehr braucht neben der Hauptwache an der Stolberger Straße sowie den Nebenwachen Nord an der Mathieustraße am Campus Melaten und Süd in der Oberforstbacher Straße eine vierte Wache.

Die soll im Randbereich der süd-lichen Innenstadt liegen. Dort gibt es etliche „weiße Flecken“ auf der Stadtkarte, die die Feuerwehr im Falle eines Falles nicht in der zum Ziel gesetzten Zeit von acht Minuten erreichen kann. Eine vierte Wache würde dem abhelfen. Hinter den Kulissen wird über die „Standortoption 1 auf Siegel“ getuschelt. Teuer, sehr teuer, wird das. Von zig Millionen ist die Rede.

Von Standort und Kosten erfuhr der Zuhörer im öffentlichen Teil des Ausschusses allerdings nichts. Die Politiker sollten, so Markus Kremer, die „Ist-Analyse“ erst einmal „sacken lassen“.

Labor-Analyse und Zahlen

Nach alter deutscher Sitte muss für die Analyse aber zuvor ein Gutachter ans Werk. David Bormann von der „Forschungs- und Planungsgesellschaft für Rettungswesen, Brand- und Katastrophenschutz“ erläuterte seinen 24 Seiten starken „Brandschutzbedarfsplan Stadt Aachen“. Sein Kurzvortrag war gespickt mit Gefährdungs-, Risiko-, Leistungs- und einer „Einsatzkräfteverfügbarkeitsanalsyse“. Er simulierte in mehreren „Schutzzielstufen“ bei Wohnungsbrand-Szenarien mit Einheitsführern, Maschinisten, Angriffs- und Sicherheitstrupps die „Menschenrettung im Innenangriff über Treppenraum“.

Dem Leiter der Aachener Berufsfeuerwehr, Jürgen Wolff, stellten sich ein wenig die Nackenhaare auf. Ironisch dankte er zwar für die „gutachterliche Labor-Analyse“, untermauerte die Notwendigkeit einer vierten Feuerwehrwache dann aber mit handfesten Zahlen.

Die Feuerwehr ist auch für den Rettungsdienst zuständig, also Beispiel Klinikum mit in den kommenden Jahren erheblich mehr Aufgaben für die Wehr: Das Klinikum verbaue in den nächsten Jahren rund 750 Millionen Euro, behandle 150.000 Patienten jährlich und habe 265 Intensivbetten — „dafür haben wir die Sicherheit zu gewährleisten“, so Wolff.

Beispiel Einsätze: Mehr als 400 in den letzten 24 Stunden, rund 147 000 im Jahr. Beispiel städtebauliche Entwicklung in den vergangenen und kommenden Jahren mit Camp Hitfeld, Campus West, Richtericher Dell und anderen Projekten: Jürgen Wolff: „Diese Expansion muss die Feuerwehr mitgehen.“ Vier bis acht Jahre werde der Prozess dauern.

„Fragen?“, fragte Ausschussvorsitzende Ulla Griepentrog. Keine Fragen. Dezernent Kremer fasste für den von der Bezirksregierung Köln zu genehmigenden Brand-schutzbedarfsplan zusammen: Standort für eine vierte Wache, zusätzliche Funktionen für die Feuerwehr, höhere Stellenzahl und in den nächsten fünf bis 15 Jahren Investitionen in die Gerätehäuser der Freiwilligen Feuerwehren.

Die Politiker sollen alles laut Kremer erst einmal „sacken las-sen“. Am schnellsten sackte es beim alten CDU-Haudegen Ferdinand Corsten: „Auf die Expansion der Stadt können wir nicht mit einer Feuerwehr von gestern antworten. Wir werden sie fit machen für die nächsten 20 Jahre.“