Aachener Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte: Die erzielten Erfolge weiter ausbauen

Aachener Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte : Die erzielten Erfolge weiter ausbauen

So ganz leicht fällt Gerd Voigt der Abschied nicht: Nachdem er 18 Jahre lang die Geschicke des Aachener Vereins für Körper- und Mehrfachbehinderte (VKM) geleitet hat, geht er nun Ende des Monats in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Arnold Schweden.

„Die menschlichen Kontakte werden mir fehlen“, sagt er. Denn die vielen gewachsenen Beziehungen seien das Entscheidende an seiner Arbeit, betont er weiter. Und während er seinen Rückzug derzeit sorgfältig vorbereitet, findet sein Nachfolger Arnold Schweden Gelegenheit, sich in aller Ruhe mit den Aufgaben des Geschäftsführers und Vorstandsvorsitzenden vertraut zu machen. „Ich bin hier mit offenen Armen aufgenommen worden“, sagt er und freut sich auf die neue Herausforderung.

Das Bundesteilhabegesetz und dessen Umsetzung ist seiner Meinung nach das Thema, das den VKM in den kommenden Jahren weiter beschäftigen wird. Arnold Schweden wusste nach eigenen Angaben schon sehr früh, dass er sich für benachteiligte Menschen einsetzen wollte. Lange arbeitete er in Heinsberg in einer entsprechenden Einrichtung. „Eigentlich habe ich Kaufmann gelernt“, sagt er. „Aber wenn ich mein Leben lang am Schreibtisch hätte sitzen müssen, dann wäre ich eingegangen“, fährt er fort und ist aber gleichzeitig auch überzeugt, dass ihm das kaufmännische Wissen bei der Trägerarbeit von großem Nutzen sein wird. Und ebenso wie Gerd Voigt stellt er mit Genugtuung fest, dass sich mit Blick auf den Umgang mit Menschen mit Behinderungen im Laufe der vergangenen Jahre schon sehr viel verändert habe.

„Als ich vor 18 Jahren beim VKM anfing, da lag der Schwerpunkt auf den stationären Angeboten“, erzählt Voigt. Nach und nach bekamen dann ambulante Alternativen einen immer größeren Stellenwert. Aus 60 Mitarbeitern wurden 300 und der Verein bietet heute alle erdenklichen Hilfen, um Menschen trotz ihrer Beeinträchtigungen ein möglichst unabhängiges Leben zu ermöglichen.

Dazu zählen Wohngruppen, Freizeitangebote und auch begleitende Angebote für Schüler und Studenten. Und dass am Couven-Gymnasium erst jüngst der erste Autist sein Abitur machen konnte, freut Voigt ganz besonders. Er sieht in der Inklusion einen großen Gewinn und freut sich über die Chancen, die sich damit auftun.

Ebenso wie sein Nachfolger ist er aber auch der Meinung, dass Neuerungen wohlüberlegt umgesetzt werden sollten. Beide sehen insgesamt zwar noch großen Handlungsbedarf, heben aber auch hervor, dass in der Vergangenheit schon sehr viel erreicht wurde. „Und als wir seinerzeit den ersten mehrfach behinderten Schüler ganz engmaschig betreut haben, um ihm einen Schulbesuch überhaupt erst zu ermöglichen, haben wird nicht einmal geahnt, dass es einmal so viele sein würden“, sagt Voigt. Heute werden demnach rund 180 Schülerinnen und Schüler von Schulbegleitern betreut. Die sorgen dafür, dass die Schüler trotz ihrer jeweiligen Beeinträchtigung problemlos am Unterricht teilnehmen können.

Noch ein weiter Weg

Und dass das trotz ihrer Handicaps gelingt, ist beiden nach wie vor ein großes Anliegen. Doch bis zur vollständigen Realisierung der Idee vom gemeinsamen lernen und leben sei es noch ein weiter Weg, meinen beide ebenso einmütig. Laut Arnold Schweden ist das Bundesteilhabegesetz ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Am VKM schätzt er vor allem, dass „wir uns hier alle auf Augenhöhe begegnen“. Die Menschen mit ihren Wünschen und Problemen ernst zu nehmen, ist das, was seiner Meinung nach am wichtigsten ist. Hinsehen, hinhören und dann entsprechend handeln: So will Arnold Schweden auch in Zukunft agieren.