Aachen: Die Boxelite präsentiert sich in Aachen

Aachen: Die Boxelite präsentiert sich in Aachen

„Maario!” „Wo ist Mario?” Überall hört man seinen Namen. Und scheinbar ist er auch überall an diesem Abend, in der zur Boxhalle umgestalteten, ehemaligen Verkaufshalle von Mercedes Benz. Mit seinen 1,90 Meter und der schwarzen Kappe ist er unverwechselbar. Es ist Boxweltmeisterschaft in Aachen und die erfordert Mario Guedes ganze Aufmerksamkeit.

Heute ist er alles: Ticketverkäufer, Manager, Trainer, Koordinator, Hausmeister, Motivator und Vater. Denn sein Sohn wird heute auch in den Ring steigen.

Aber noch hat Mario Guedes Junior Zeit, Freunde und Familie zu begrüßen: „Alle sind hier. Da sind die Erwartungen besonders groß”. Der 15-jährige muss seinen Titel in der „BenLee Rocky Marciano Nachwuchsmeisterschaft” verteidigen.

Und während sein Vater, ehemaliger Internationaler Deutscher Schwergewichtsmeister, dem Ringsprecher letzte Anweisungen gibt, wirkt Mario Junior schon ganz konzentriert auf seinen Kampf.

Bis es endlich soweit ist, werden noch sechs weitere Duelle ausgetragen. Im fünften steigt die Spannung bei Nathalie Lawitzky, Anita Lakatos und Kinga Pustelnik.

Die drei sind Cheerleader bei den „Black Diamonds” und somit bestens qualifiziert für die Tafeln mit den Nummern „1” bis „10”. Während die Boxer teilweise ihre blutigen Wunden versorgen müssen und froh sind über den erfrischenden Sprühnebel aus der Flasche, schreitet Nathalie grazil und lächelnd über den blauen Ringboden.

Mittlerweile ist Mario Guedes als Trainer für seinen Sohn gefordert. Über den Gegner, Adnan Altunkaya, ist nicht viel bekannt. Unsicherheit ist beim jungen Guedes aber nur in der ersten Runde zu erkennen. Der über vier Runden angesetzte Kampf endet bereits in der zweiten, das Handtuch fliegt. Zu eindeutig ist die Überlegenheit des Aacheners. Die Mission des Sohnes ist erfüllt. Der Vater berichtet stolz, dass „der Junge jetzt schon mehr kann, als ich jemals konnte”.

Und damit erfüllt er die Voraussetzungen für das große Ziel von Mario Guedes, eine echte Aachener Boxsportgröße zu internationalen Ehren zu führen, bestens. Internationale Größen hat auch Ringsprecher Wolfgang Ley schon gesehen. Der kündigte einst Stars wie Sven Ottke oder Henry Maske an. Heute geht es eine Nummer kleiner zu, dennoch ist sich der Boxsportexperte sicher: „Das ist eine tolle Veranstaltung hier mit teilweise hochklassigem Sport”.

Das sieht auch Rachel Hoffmann so. An diesem Abend ist die 42-Jährige aber nur für eine Sportlerin gekommen: Jessica Balogun. Jessica oder „Sugar J” ist ihre Tochter. Zeigen sich andere Mütter oft wenig begeistert, wenn die Tochter in den Ring steigt, ermutigte Rachel sie. So ist die Geschichte von „Sugar J” ein einziger Erfolg: sechs ihrer bisher elf Kämpfe endeten vorzeitig durch KO. Doch bevor der Hauptkampf steigt, bietet sich den Zuschauern ein Bild, das man nur aus dem Fernsehen kennt: Flaggen, Boxgürtel, coole Blicke der Protagonisten und Jupp Ebert, der textsicher jede Zeile der Hymne kennt.

Das scheint Jessica Balogun mehr irritiert zu haben als ihre Gegnerin Daniela David aus Rumänien. Nervös beginnt die Titelverteidigerin den Kampf. Immer wieder hört man aus der roten Ringecke „vorbereiten”, „du stehst zu weit weg”, oder „mit den Füßen gehen”. Sie kommen von Mario Guedes. Ganz ruhig redet er auf seinen Schützling in den Pausen ein.

Immer härter und präziser setzt „Sugar J” ihre Schläge, immer klarer wird ihr Vorsprung, immer lauter schreit das Publikum ihren Namen. Und so geht nach zehn Runden dann auch dieser letzte Kampf zu Ende.

Das Publikum, die Familie und Freunde feiern Jessica. Alle Gürtel bleiben in Aachen. Und zum ersten Mal an diesem Abend sieht Mario Guedes ganz entspannt aus. Nach fast sechs Stunden Boxsport werden die Boxhandschuhe wieder eingepackt und die Ringseile gelockert.

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