Aachen: Die Bilderstraße von Rothe Erde: Buch zum Kunstprojekt

Aachen : Die Bilderstraße von Rothe Erde: Buch zum Kunstprojekt

Keiner im Viertel Rothe Erde, der nicht „deä Hubert” kennt. Der Hubert Ritzen ist ein lebenslustiges Original, ein großer Kommunikator, ein liebenswerter Vereinsmeier. Und er ist ein Kunstwerk. Überdimensional prangt er als Bild an der Kreuzung Hüttenstraße/Madrider Ring an einer Hausfassade.

Er zieht die Blicke auf sich. Mit der bunten Plastiktüte eines Discounters in der Rechten winkt er mit seiner Linken, den Stadtteil Rothe Erde zu besuchen. „Einladung” heißt „deä Hubert” als Kunst.

„Einladung” bildet mit 13 weiteren großformatigen Fotobildern an acht Häusern in der Hüttenstraße ein für Aachen einmaliges Gesamtkunstwerk. Die „Häuserbilder” zeigen die Straßen und Menschen im Viertel und erzählen Lebensgeschichten. „Murale Fotografie” nennt ihr Schöpfer Josef Snobl seine im Oktober 2007 enthüllte Häuserkunst. Der in Tschechien geborene und in Köln lebende 55-jährige Künstler krönt nun sein spektakuläres Werk mit einem ebenso außergewöhnlichen und ansprechenden Buch: „Die Straße der Bilder - Rothe Erde Aachen ”.

Gemeinsam mit der städtischen Dezernentin Gisela Nacken stellte Snobl jetzt sein Häuserkunst-Buch vor. Es erzählt die Geschichte des Kunstprojekts, das im Rahmen der vor zehn Jahren gestarteten und 2010 auslaufenden Stadtteilerneuerung Aachen-Ost läuft. Snobl: „An dem Projekt Kunst in der Hüttenstraße war so ziemlich alles neu. Für mich fing damit eins der größten Abenteuer meiner künstlerischen Karriere an.”

Über das dreijährige Abenteuer schreibt der Künstler: „Mehrmals ging ich in der Hüttenstraße, dem Herzen des Viertels, auf und ab. Bedächtig eröffneten sich mir die beschränkten Möglichkeiten der Straße. Vor jedem Haus blieb ich stehen, horchte hinein, fühlte den Puls, den Atem.”

In vielen Gesprächen mit Anwohnern, bei ihnen daheim, in Kneipen, bei Festen kam Josef Snobl den Leuten näher. Er entwickelte Sympathie für das als „sozial schwach” geltende Viertel. Baudezernentin Gisela Nacken, die sich in den vergangenen Jahren unermüdlich für die Stadtteilerneuerung Ost engagiert hat und die Verschönerung der Hüttenstraße als ihr „Herzensanliegen” bezeichnet, nennt den von seiner Vision geradezu besessenen Josef Snobl denn auch „einen Glücksfall” für das Projekt Kunst in der Hüttenstraße.

Bedeutungsvolle Geschichte

Das Buch „Die Straße der Bilder” ist beileibe nicht nur Lektüre für Rothe-Erdener, sondern für alle heimatbewussten Aachener. Das Kunstprojekt und die Hauptdarsteller werden vorgestellt von Harald Kunde, dem früheren Direktor des Ludwig-Forums: Historiker Norbert Gilson schildert die für Aachen und ganz Deutschland bedeutungsvolle Geschichte des früh industriell geprägten Stadtteils Rothe Erde, Sonderschulrektor a. D. Kurt Oprée erzählt, untermalt mit vielen Bildern, über die Heimat Rothe Erde, ebenso bilderreich geht der Weltreisende und Kneipenwirt Günter Lubos (Barbarastuben) philosophierend der Frage nach: „Warum war früher alles besser?”

Josef Snobl selbst lässt in einem Tagebuch sein Aachener Abenteuer miterleben; der Kölner Schriftsteller Rolf Steiner präsentiert die Rothe-Erdener plaudernd auf literarischer Bühne.

Ein außergewöhnliches Projekt, vollendet durch ein wunderschönes Buch, das neben seinen inhaltlichen Schätzen auch noch mit einem volkstümlichen Preis besticht.

Werner Czempas: Die Straße der Bilder - Rothe Erde Aachen”; erschienen im Helios-Verlag Aachen; 133 Seiten mit vielen zum Teil farbigen Bildern; 9,90 Euro; erhältlich in der Gaststätte „Barbarastuben”, Hüttenstraße 126, und in den Buchhandlungen.

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