Aachen: Die Attraktion am Prunkweg: Galmei-Veilchen

Aachen : Die Attraktion am Prunkweg: Galmei-Veilchen

Kurz bevor die Heckstraße in Eilendorf am ehemaligen Kalkwerk Thelen ihren höchsten Punkt erreicht, geht nach links ein Weg ab, der den Namen „Prunkweg“ trägt. Ein treffender Name, denn der Weg, der Teil des Rundwanderwegs um Eilendorf ist, weist so einiges auf, mit dem sich gut prunken lässt.

Allerdings hat der Name nichts mit unserem heutigen Begriff „Prunk“ zu tun, sondern er führt in die Vergangenheit zurück, als auf dem Weg die Prozession — mundartlich Bronk — zur Segnung der Felder entlang zog.

Segen für die Felder

Daher stammt wohl auch die Bezeichnung „Gottessegen“ für eine Gemarkung am Anfang des Prunkwegs. Mit rund 250 Meter Höhe nur etwa zehn Meter niedriger als der Lousberg stellt sie die höchste Erhebung des östlichen Abschlusses des Aachener Talkessels dar und verdankt ihren Namen wohl der Tatsache, dass von diesem Punkt aus die Felder gesegnet wurden.

Folgt man dem Prunkweg von der Heckstraße aus nach Nordwesten in Richtung Nirm, eröffnen sich immer wieder grandiose Ausblicke über den Aachener Tal­kessel, aber auch in die Eifel und in den Aachener Nordkreis hinein. Besonders viel zu bieten hat in dieser Hinsicht der Aussichtspunkt „Auf dem Knopp“, der mit schattenspendenden Bäumen und einer Sitzgruppe zu einer Rast einlädt. Die wohl größte Attraktion, die der Prunkweg zu bieten hat, das Galmei-Veilchen nämlich, blüht jedoch buchstäblich im Verborgenen.

In einem Online-Lexikon heißt es, das Galmei-Veilchen sei eine äußerst seltene Art aus der Gattung der Veilchen, die nur auf schwermetallhaltigen Böden in der Umgebung von Aachen vorkomme.

Deshalb wird man auf den Höhen im Eilendorfer Osten bei der Suche nach dem Veilchen fündig, denn der Prunkweg verläuft dort auf dem Gebiet des ehemaligen Grubenfelds Herrenberg, in dem bis zum Jahr 1880 Galmei, ein für die Messingherstellung benötigtes Zinkerz, abgebaut wurde.

Heute sind keine Spuren des Bergbaus mehr zu erkennen, und „die Maar“, eine mit Wasser gefüllte, große Tagebauöffnung ist für die Öffentlichkeit schon lange nicht mehr zugänglich.

Wenn man das schlichte, gelbe Galmei-Veilchen finden will, muss man schon ein wenig detektivisches Gespür haben oder sich durch einen Kenner und Liebhaber der kleinen Blume führen lassen. Ein solcher ist Heinrich Kluck, der zunächst auf ein kleines zugewachsenes Wiesendreieck am Zusammentreffen von Herrenbergstraße und Prunkweg hinweist, wo tatsächlich einige der kleinen Blumen aus dem hohen Gras am Straßenrand hervorleuchten — wenn man denn genau weiß, wo man hinschauen muss.

Ganz anders jedoch ist die Situation rund einen halben Kilometer Luftlinie entfernt in der Nähe des Ostportals des Nirmer Tunnels, durch den die Eisenbahnlinie Aachen-Köln unter dem Prunkweg hindurch nach Aachen hineingeführt wird. Dort findet man auf einem wahrhaft wildromantischen Fleckchen Erde, das wie eine Mustervorlage für eine Filmkulisse wirkt, buchstäblich tausende der reizenden Blümchen, so dass man schon sehr achtgeben muss, nur ja keines zu zertreten.

Weltweit einzigartig

Allerdings muss man einigermaßen trittfest und mit festem Schuhwerk ausgestattet sein, will man den Standort erreichen, denn einen Weg oder auch nur einen Pfad, der dorthin führt, sucht man vergeblich.

Entschädigt wird man dafür mit einem Naturerlebnis, das einen besonderen Reiz bekommt, wenn man sich vor Augen führt, dass man es hier mit einer Pflanzenpopulation zu tun hat, die es sonst nirgendwo auf Aachener Gebiet gibt und abgesehen von ein paar Flächen in Stolberg und Kelmis auch nirgendwo sonst auf der Welt.

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