Jahresbericht von Frauen helfen Frauen: Die Arbeit ist größer als der Etat

Jahresbericht von Frauen helfen Frauen : Die Arbeit ist größer als der Etat

Die Aufgaben sind nicht weniger geworden für den Hilfsverein Frauen helfen Frauen. Dabei ist die Finanzierung nicht für alle Bereiche gesichert. Das wurde jetzt bei der Vorstellung des jüngsten Jahresberichts klar.

Insgesamt 71 Flüchtlingsfrauen nahmen im vergangenen Jahr ein spezielles Beratungsangebot von „Frauen helfen Frauen“ war. Beraterin Angelika Gey wertet das als sehr großen Erfolg. Umso bedauerlicher sei, dass die Finanzierung des Projektes in Zukunft nicht mehr gesichert sei. „Das Land NRW übernimmt die Kosten nicht mehr“, sagt Gey. Dabei sei gerade die Beratung von Flüchtlingsfrauen ein hochsensibles Thema. Durch den Einsatz von Dolmetscherinnen und eine aufsuchende Arbeit sei es gelungen, das Vertrauen der Frauen zu gewinnen. Besprochen wurden unter anderem Themen wie Aufenthaltsstatus, Asylverfahren, Frauenrechte, Trennung und Scheidung sowie gesundheitliche Probleme.

Laut Angelika Gey hat sich gezeigt, dass die Flüchtlingsfrauen einen hohen Beratungsbedarf haben. „Wir suchen derzeit nach Finanzierungsmöglichkeiten, um das Angebot aufrecht erhalten zu können“, fügt sie hinzu. Neben den Geldern, die die Beratungsstelle von der Landesregierung und der Städteregion bekommt, finanziert sie sich aus Eigenmitteln, die sie vor allem über Spenden aufbringt. „Wir könnten noch sehr viel mehr tun, wenn wir eine bessere Finanzierung hätten“, sagt Gey. Denn ländliche Gebiete wie beispielsweise die Eifel bleiben mit Blick auf die Versorgung mit Beratungsstellen außen vor. „Der ländliche Bereich ist katastrophal unterversorgt“, meint die Beraterin.

Und dass die Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen“ ein wichtiger Anlaufpunkt für Frauen in Not ist, zeigt auch die stetig steigende Anzahl der Beratungsgespräche. Im Jahr 2017 wurden insgesamt über 1500 Einzelberatungen mit über 700 Frauen durchgeführt, in fast 400 Fällen ging es um physische und psychische Gewalt. Und auch wenn Gewalt nach wie vor ein großes Thema ist, so spielen auch Scheidung und die oft daraus resultierende existentielle Bedrohung eine große Rolle, so Gey. „Das Thema häusliche Gewalt ist inzwischen auch gesellschaftlich nicht mehr so tabuisiert, wie es das einmal war“, meint Simone Batt, Vorstand „Frauen helfen Frauen“. Demnach wird Gewalt gegen Frauen heute auch eher als Verletzung der Menschenrechte wahrgenommen.

Auch der volkswirtschaftliche Schaden, der durch häusliche Gewalt entstehe, werde immer häufiger betrachtet, meint Angelika Gey. So hat „Frauen helfen Frauen“ gemeinsam mit der RWTH eine Studie zu den „individuellen und gesellschaftlichen Kosten im Hilfesystem bei häuslicher Gewalt“ durchgeführt. Und die Uniklinik hat mit der Beratungsstelle als Kooperationspartnerin drei Jahre lang die Zusammenhänge von Gewalt und Gesundheit erforscht. „Der durch Gewalt gegen Frauen verursachte wirtschaftliche Schaden geht in die Milliarden“, meint Gey.

Ihr und ihren Mitarbeiterinnen ist es nach wie vor wichtig, möglichst vielen Frauen unterstützend helfen zu können. Und wenn die Fallzahlen von Jahr zu Jahr zunähmen, so sei das aber nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass häusliche Gewalt zunähme, so Gey. „Es kann auch die Konsequenz davon sein, dass immer mehr betroffene Frauen den Mut finden, die Beratungsstelle aufzusuchen“, sagt sie.

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