Aachen: „Die anderen Amerikaner“: Noch nie gezeigte Kunst im Ludwig-Forum

Aachen: „Die anderen Amerikaner“: Noch nie gezeigte Kunst im Ludwig-Forum

Das Aachener Ludwig-Forum für Internationale Kunst zeigt jetzt in der Ausstellung „Die anderen Amerikaner“ Neuentdeckungen der 1970er und 80er Jahre. „Jenseits der weltberühmten Werke von Andy Warhol, Duane Hanson oder Roy Lichtenstein blieb dem Sammlerpaar Peter und Irene Ludwig immer auch Raum für Positionen, die sich gängigen Einordnungen entziehen“, beschreibt Museumsdirektorin Dr. Brigitte Franzen den Inhalt der neuen Schau.

Zu sehen gibt es Kunst, die teilweise noch nie gezeigt worden ist. Ganz im Sinne des visionären Anspruchs des Sammlerpaares, die Kunstlandschaft umfassend zu vermessen und die Kunst ihrer Zeit in aller Vielfalt abzubilden, werden diese Stücke — kuratiert von Esther Böhle — nun ausgestellt. „Es sind solche, bislang kaum beachtete und doch hochinteressante Arbeiten der Sammlung, die in den Mittelpunkt gerückt werden: Positionen wenig bekannter US-Künstler, aber auch ungewöhnliche Werke namhafter Künstler und Street Art“, sagt Franzen. Mit seiner Präsentation begibt sich das Ludwig-Forum auf Nebenwege der amerikanischen Kunstszene und entdeckt zugleich die Sammlung neu.

Noch nie zu sehen war etwa Robert Rauschenbergs Werk „Plate“ von 1979. Bis vor Kurzem hing die Collage im Wohnhaus von Peter und Irene Ludwig in Aachen. „‚Plate‘ erscheint durch seine heterogene Zusammenstellung aus Stoffen, reproduzierten Bildern, zeitgenössischen und historischen Motiven zunächst wie die reine Addition alltäglicher Elemente. Erst durch die aktive Rezeption des Betrachters eröffnen sich Sinnzusammenhänge“, erklärt Franzen. Wie in einem komplexen Geflecht verbinden sich formale, ikonografische und politische Bereiche.

Pioniere der Videokunst

Eine von Myriam Lowack und Assistentin Ilka Schischke kuratierte Auswahl amerikanischer Videoarbeiten aus dem Videoarchiv des Ludwig-Forums begleitet die Sammlungspräsentation. Sie ermöglicht einen Blick auf die historische Frühphase amerikanischer Videokunst. Die Sammlung umfasst 200 Videoarbeiten. Die Ende der 1960er Jahre vom Medienphilosophen Marshall McLuhan formulierten Ideen über die neuen Medien als Erweiterungsinstrumente der menschlichen Sinneswahrnehmung und seien Vision von einem durch elektronische Vernetzung entstehenden globalen Dorf beeinflusste die nordamerikanischen Künstler unmittelbar.

Teil der Schau ist auch Nam June Paik. Der gebürtige Koreaner gilt als Pionier der Videokunst, dessen komplexe sich der Ästhetik des Fernsehens bedienende Videocollagen das künstlerische Schaffen vieler seiner Zeitgenossen beeinflusste. Eine seiner bekanntesten Arbeiten „Global Groove“ von 1973, sowie „My Mix“ und „Video Commune“, unter anderem eine Auseinandersetzung mit dem sich zu jener Zeit etablierenden Massenmedium Fernsehen. „Ein Rückblick nach dreißig, vierzig Jahren — es ist an der Zeit, die Schätze des Depots zu heben und eingeschliffene Sehgewohnheiten aufzubrechen. Es ist Zeit für eine Neubewertung“, sagt Franzen.

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