Aachen: Die AN-Schlagzeile vor 70 Jahren: „Der Krieg ist aus!“

Aachen: Die AN-Schlagzeile vor 70 Jahren: „Der Krieg ist aus!“

„Der Krieg ist aus!“ So titeln die „Aachener Nachrichten“ am 8. Mai 1945 — als einzige deutsche Zeitung. Bereits im Oktober 1944 hatten alliierte Streitkräfte Aachen eingenommen und die Stadt vom Faschismus befreit. Am 24. Januar 1945 erscheinen die „Nachrichten“, die erste deutsche Nachkriegszeitung, zum ersten Mal.

Am 8. Mai 1945, heute vor 70 Jahren, melden die „Nachrichten“ die bedingungslose Kapitulation Hitler-Deutschlands. Was sie auf vier Zeitungsseiten sonst noch berichten, gibt einen kleinen Eindruck vom Leben in Aachen im Mai 1945: von den Bemühungen, Verwaltungs- und Versorgungsstrukturen aufzubauen; und einen winzigen Einblick in den Alltag der Aachener inmitten der Trümmer.

Ein Artikel in der vierseitigen Ausgabe handelt von der „Aachener Jugenderziehung als Vorbild“.

„Aachener Jugenderziehung als Vorbild“ ist ein Artikel überschrieben: „Der Berichterstatter der Londoner Zeitung ‚Star‘ berichtet aus dem Obersten alliierten Hauptquartier: Amtlich wird hier die Ansicht geäußert, dass das Ergebnis der in Aachen gemachten Erfahrungen bei der Umerziehung der Kinder demnächst vielleicht der Ausarbeitung des Erziehungsplanes für ganz Deutschland als Vorbild dienen wird.“

Sechs Kindergärten in Aachen seien bereits in Betrieb, heißt es weiter, und man gehe davon aus, dass bald auch Schulklassen eröffnet würden: „Das Ziel der Erziehung ist, die Wurzeln der nationalsozialistischen, politischen und militärischen Lehrsätze zu zerstören.“ Auf Anordnung der Militärregierung werden alle Kleinkinder im Alter von drei bis sechs Jahren erfasst. Acht Meldestellen werden dafür eingerichtet.

Die Ausgehzeit im Regierungsbezirk Aachen wird erweitert. Eine Verfügung der Militärregierung legt die Ausgehzeit von 5 Uhr morgens bis 21 Uhr fest. „Mit Beginn des Ausgehverbotes muss weiterhin eine sorgfältige Verdunklung durchgeführt werden“, erklärt der Polizeidirektor.

Das Standesamt vermeldet für den Monat April drei Eheschließungen, 28 Geburten und die große Zahl von 138 Sterbefällen. In dieser Zahl enthalten waren auch zahlreiche Tote, „die in der Kampfzeit ums Leben kamen und erst jetzt verbucht werden konnten“.

Die Stadtwerke teilen über die Zeitung mit, dass man dabei sei, einen großen Kreis von Gewerbetreibenden mit Strom zu versorgen. „Des weiteren haben in diesem Monat die Arbeiten begonnen, um auch einem Teil der Haushalte schon Strom geben zu können.“

Einfach ist das nicht: „Von 163 Mann Werkspersonal des Elektrizitätswerkes und etwa 70 Mann Hilfskräften nach den Bombenschäden sind nur fünf Leute in Aachen geblieben. Der Rest hat die Stadt verlassen und alle wichtigen Pläne und Unterlagen mitgenommen.“ Mit der Stromerzeugung könne zudem erst begonnen werden, wenn Kohle geliefert werde.

Es gibt auch gute Neuigkeiten: Auf der Wilhelmstraße hat ein Augenarzt seine Praxis wiedereröffnet. Heimatsänger Mathieu Foerster, „weit über die Grenzen der Vaterstadt hinaus bekannt“, feiert sein 25-jähriges Sängerjubiläum. Und ein Ehepaar begeht das zu dieser Zeit seltene Ehejubiläum der Goldenen Hochzeit. „Beide befinden sich noch in rüstigem Zustand“, berichten die „Nachrichten“ über die Jubilare.

Unter der Rubrik Bekanntmachungen wird vermeldet, dass am 1. Mai 1945 das Schuhmacherhandwerk in Aachen wieder die Arbeit aufgenommen hat. Eine geregelte Bedienung der Aachener Bevölkerung mit dringenden Schuhreparaturen ist nun wieder möglich. Allerdings muss man sich dafür mit der „dunkelgrünen Sonderkarte“ bei einem Schuhmacher eintragen lassen. „Die Notlage zwingt jeden Auftraggeber, die Dringlichkeit seines Bedarfs in Schuhreparaturen selbst gewissenhaft zu prüfen“, appelliert der Oberbürgermeister.

Wer etwas zum Tauschen hat, bietet es per Kleinanzeige an: „Besterhaltene Damenschuhe Gr. 40 gegen Gr. 38 zu tauschen gesucht.“ Oder: „Gegen Dirndlkleid, Größe 46 bis 48, Hutfilzstumpen zu tauschen gesucht.“

Auch Stellenangebote gibt es: „Für nächtliche Viehbewachung sucht Landwirt einen Mann. Gute Verpflegung und Lohn zugesichert.“

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