Aachen/Vaals: Die alte Grenze zwischen Aachen und Vaals hat viel zu erzählen

Aachen/Vaals : Die alte Grenze zwischen Aachen und Vaals hat viel zu erzählen

Es geht voran: Viele Jahre lang lag der Grenzübergang Vaalserquartier in einer Art Dämmerschlaf. Von einem vorzeigbaren Entree für die benachbarten Kommunen Aachen und Vaals konnte und kann keine Rede sein, eher das Gegenteil ist der Fall.

Doch nun reifen Pläne heran, die Verantwortlichen auf beiden Seiten der Grenze haben sich noch einmal zusammengesetzt und verschiedene Ideen entwickelt. Im Gespräch ist nun unter anderem ein Museum, das die Grenzsituation und die dazugehörigen Erlebnisse und Erfahrungen vergangener Jahrzehnte beleuchtet. Ende Juni soll das Projekt in den Planungsausschuss der Stadt Aachen kommen.

Denn aus der Vergangenheit gibt es wahrlich viel zu berichten. So lag bis 1920 in Vaals sogar ein Vierländerpunkt, weil sich die Königreiche Preußen und Niederlande nicht einigen konnten, entstand das Kuriosum Neutral-Moresnet mit reichen Erzvorkommen. Oder die Geschichten von der legendären Straßenbahn, die bis 1974 Aachen und Vaals verband, zeitweise auch weiterfuhr bis Maastricht. Oder von dem Starkstrom-Zaun, der im Ersten Weltkrieg von den deutschen Behörden nach dem Überfall auf Belgien errichtet wurde, um die Massenflucht und den Schmuggel Richtung Niederlande zu unterbinden. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Grenzen dicht.

Die britische Besatzungsmacht setzte eine deutsche Zollverwaltung ein, und in Vaals bildeten sich lange Warteschlangen vor dem deutschen Zollhäuschen. Um den findungsreichen Schmuggel zu unterbinden, wurde schließlich ein Schießbefehl erteilt, 53 Opfer waren zu beklagen — die alten Zeiten waren nicht immer gut. Erst 1985 endeten die mitunter sehr strengen Kontrollen mit dem Inkrafttreten des Schengener Abkommens.

Gedankenspiele

Geschichten dieser Art sind im Bewusstsein der Bevölkerung noch zahlreich präsent. „Das Geschehen an der Grenze soll erlebbar gemacht werden“, formuliert es Stefan Herrmann vom Presseamt. Allerdings handele es sich nur um Gedankenspiele, eine erste Idee unter mehreren. Auch der schon einmal angedachte Kreisverkehr zwischen Maastrichterlaan in Vaals und Vaalser Straße in Aachen sei noch im Rennen.

Kürzlich habe es ein weiteres Treffen beider Kommunalverwaltungen und von zwei Aachener Projektentwicklern gegeben, denen größere Flächen auf deutscher Seite gehören. Dabei sei das weitere Vorgehen vereinbart worden, wie die verschiedenen Interessen zusammengeführt werden könnten: „Alle Akteure wollen ein relativ schnelles Verfahren und dass in absehbarer Zeit etwas passiert“, sagt Herrmann. Neben einem Museum soll auch Wohnbebauung und Gewerberaum errichtet werden: „Es gibt keine Denkverbote.“ Noch vor dem Sommer solle das Vorhaben in die politische und öffentliche Beratung in Aachen.

Die Gemeinde Vaals hofft, dass ein Museum mehr Besucher in den Grenzort holen würde, der allerdings jetzt schon an Dienstagen mit Wochenmarkt oder an langen Wochenenden aus allen Nähten platzt. Es könne sich auch um einen Grenzinfopunkt handeln, wenn es denn nicht für ein ausgewachsenes Museum reiche, zitiert die Tageszeitung „De Limburger“ Bürgermeister Reg van Loo. Der Vaalser „Stadsbouwmeester“ Geert Coenen habe einen Vorentwurf angefertigt, der nun als Vorlage für einen städtebaulichen Wettbewerb unter drei oder vier Architekturbüros dienen solle.

Vereinbart zwischen den beiden Nachbarn wurde jetzt auch, dass der kleine Grenzübergang oberhalb der Hauptverkehrsachse (genannt Kleine Wacht, angrenzend an die Alte Vaalser Straße) für Notfälle geöffnet werden kann. Seit Jahrzehnten ist er durch massive Betonpfähle unpassierbar, was sich beispielsweise bei großen Feuerwehreinsätzen an der Grenze als nachteilig erwiesen hat. Stefan Herrmann: „Wir wollen eine Lösung finden, die Durchfahrbarkeit zu gewährleisten.“ Geprüft werde noch, ob man zu herausnehmbaren oder versenkbaren Pollern greifen wolle.

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