Die Aachener zog es nur so in die Kirchen

Die Aachener zog es nur so in die Kirchen

Aachen (an-o) - Einen Andrang wie selten erlebten die Aachener Gotteshäuser während der "Nacht der offenen Kirchen". Tausende Menschen waren - meist zu Fuß - unterwegs, um das abwechslungsreiche Programm zu erleben: Musikdarbietungen, Performances, natürlich Gebete.

Gestopft voll war der Dom schon eine halbe Stunde vor Konzertbeginn. "KlangWeltReligion" des Lux-Orchesters von Heribert Leuchter war angekündigt - jenes Werk, das für die Expo 2000 komponiert und in Hannover mehrfach aufgeführt wurde. Neun Spitzenmusiker, die Sängerin Kate Westbrook und der Lyriker Suleman Taufiq nahmen das meist mit geschlossenen Augen lauschende Publikum mit auf eine musikalische Meditationsreise durch alte und neue Kulturen, die stets die gleichen Fragen nach Urgrund und Sinn des Lebens stellen.

Archaisch und zeitgenössisch zugleich war das etwa 75 Minuten dauernde Werk - ausreichend Zeit, den alles vereinenden Geist zu spüren und wissend zu genießen: all is one. Nicht enden wollender Applaus war der Dank des restlos begeisterten Publikums.

Lange Schlangen auch vor der Kirche St. Foillan, die mit der Installation einer riesigen offenen Tür zur Kerzenmeditation einlud. Bis weit nach Mitternacht stellten die Besucher Kerzen um den Altar, der somit von einem flackernden, ständig wachsenden Lichtermeer umspült wurde.

Unerwartet viele Teilnehmer zog auch das ökumenische Nachtgebet in der Kirche St. Michael/Hagios Dimitrios in der Jesuitenstraße an. Gemeinsam betonten der katholische Weihbischof Gerhard Dicke, der griechisch-orthodoxe Bischof Evmenios und der evangelische Superintendent Hans-Peter Bruckhoff die Notwendigkeit der christlichen Gemeinschaft, um ein Segen für die ganze Welt sein zu können. "Gott ist nicht der Gott der Religionen", betonte Bruckhoff. "er will die Rettung aller Menschen."

Auch die schlichte weiße Annakirche war überfüllt - Trauben von Menschen warteten geduldig auf das Orgel- und Chor-Konzert. In der Klosterkirche der Franziskanerinnen erinnerten die Nonnen an die "Mauern unserer Schuld und unseres Versagens", die durch die christliche Gemeinschaft aufgebrochen werden könnten.

Late-Night-Church bei Wein und Brot" war ab Mitternacht in der Citykirche St. Nikolaus angesagt. Pastor Klaus Kaiser war die ganze Nacht in den Kirchen unterwegs gewesen und zeigte sich überwältigt von den Angeboten, den hohen Besucherzahlen und den vielen Gästen, die meist allein in seine leergeräumte Kirche kamen.

Etwa der Lokführer Detlef, 40 Jahre, der offen sagte: "Ich suche in der Kirche menschliche Wärme." Ruhe und Entspannung finden die Jugendlichen Lisa und Eva in den Kirchen: "In der Schule haben wir so viel Stress. Da ist es schön, die vielen Kerzen anzugucken."

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