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Aachen: Die Aachen-Arkaden werden (fast) leer gefegt

Aachen : Die Aachen-Arkaden werden (fast) leer gefegt

Die Sektkorken könnten knallen. Denn schon bald jährt sich der Tag zum zehnten Mal, an dem die Aachen-Arkaden eröffnet wurden. Doch weit gefehlt. Statt Feierlaune herrscht im Shopping-Tempel im Ostviertel viel Bitterkeit. Denn in dem Haus mit seinen rund 26.000 Quadratmetern Fläche — davon mehr als 16.000 Quadratmeter reine Verkaufsflächen — gehen merkwürdige Dinge vor sich.

Pünktlich zum zehnjährigen Bestehen laufen Ende September reihenweise Mietverträge aus. Nun ist normalerweise jeder Vermieter darauf erpicht, die Mieter zu halten. In den Aachen-Arkaden ist nach Aussage vieler Mieter derzeit das genaue Gegenteil der Fall. Viele Verträge werden nicht verlängert. Dem Vernehmen nach bleiben von derzeit knapp 60 dann nur noch etwa 15 Läden übrig.

In den Aachen-Arkaden laufen viele Mietverträge aus. Foto: Steindl

Hört man sich um, so erfährt man, dass viele Geschäfte eigentlich gerne bleiben wollten. Und das, obwohl man dem am 9. Oktober 2008 eröffneten, mehr als 70 Millionen Euro teuren Center stets nachgesagt hat, viel zu wenige Kunden anzuziehen. Schon jetzt sind viele Flächen verwaist. Andere werden es bald sein. Beim Modefilialisten „Engbers“ hängt ein Schild im Schaufenster, dass die Filiale Mitte Juli geschlossen wird. Beim Schuhspezialisten Deichmann heißt es auf Anfrage, dass man in den Aachen-Arkaden zum 30. August dichtmache und parallel dazu neu im Hirsch-Center an der Elsassstraße eröffne. Auch bei den namhaften Filialisten „S‘Oliver“ und „Cecil“ hat der Ausverkauf bereits begonnen.

In den Aachen-Arkaden laufen viele Mietverträge aus. Foto: Steindl

Es stellt sich indes die Frage: Warum wird das Einkaufszentrum fast leer gefegt sein? Fragt man die Mieter, so vermissen diese seit Jahren ein schlüssiges Konzept. Der Eigentümer habe indes offenkundig wenig Interesse daran, alle Mieter zu halten. Im Gegenteil sei das nur bei einer Minderzahl der Fall. Betroffene berichten von einem „hohen Maß an Arroganz“ der Vermieter: „Da wird so getan, als wären die Aachen-Arkaden das Maß aller Dinge. Neue Mietkonditionen waren utopisch.“ Man werde offenbar mit voller Absicht vergrault.

Das kann Sascha Hettrich nicht nachvollziehen. Er ist Geschäftsführer der Berliner „Intown Property Management GmbH“, die im April 2017 die Aachen-Arkaden gekauft hat. Von großer Unruhe im Haus ist ihm nach eigenem Bekunden nichts bekannt. „Wir sprechen mit allen Mietern“, sagt er. Wie die einzelnen Gespräche im Detail abgelaufen sind, könne er zwar nicht sagen. „Aber grundsätzlich sind wir bestrebt, alle zu halten.“

Was wiederum das Gegenteil von dem ist, was viele jener Mieter äußern. Hettrich sagt, es sei völlig normal, dass es auch Unzufriedene gebe und dass Mietverträge nicht verlängert werden. Und es sei auch normal, dass man nach einigen Jahren des Betriebs schauen müsse, ob das Konzept funktioniert habe, und dass es dann möglicherweise auch ein „Revival“ mit Umstrukturierungen gebe. So stünden auf der anderen Seite auch neue Interessenten bereit, die sich in den Arkaden niederlassen wollten. Und einige „Ankermieter“ bleiben. So etwa „H&M“, wie es auf Anfrage in Hamburg heißt. Das gilt auch für den Drogeriemarkt „dm“: „Mit der Entwicklung in den Aachen-Arkaden sind wir sehr zufrieden. Deshalb werden wir den Standort beibehalten“, sagt Gebietsverantwortlicher Torsten Wentland.

„Projekt Eisenbahnweg 9“

Eine Umstrukturierung schwebt „Intown“ mit den Aachen-Arkaden dennoch vor. Der neue Eigentümer aus Berlin übernahm die Arkaden vom vormaligen Besitzer „Bilfinger Real Estate“. Der ist, firmierend unter „Apleona“, noch mit dem Center-Management beauftragt. „Intown“ bezeichnet sich unterdessen wiederum lediglich als „Eigentümervertretung“.

Besagte Eigentümerin ist jetzt eine Firma namens „Projekt Eisenbahnweg 9“. Die sitzt freilich im selben Berliner Haus wie „Intown“, sie sei eine zum Unternehmen gehörende „Objektgesellschaft“, so Hettrich. Als Geschäftsführerin ist Efrat Abuav eingetragen, eine Israelin. Der starke Mann hinter dem ganzen Geflecht soll indes der israelische Milliardär Amir Dayan sein, der verschiedenste Gebäude in Deutschland mit seinen Firmen gekauft hat. Hettrich macht dazu keine Angaben.

Nach der Übernahme der Aachen-Arkaden erklärte der Geschäftsführer: „Wir haben ein gutes Gefühl, die Arkaden nach vorne bringen zu können.“ Die Rede war davon, mit einer Art Nahversorgungszentrum und einem sogenannten Food-Court mit Imbiss- und Probierständen sowie Markthallen-Atmosphäre Leben ins Innere bringen und die Kundschaft locken zu können. Und heute? Im nahezu verwaisten Untergeschoss verharrt ein „Netto“-Markt, ein „Süßwaren-Outlet“ verkauft Knabbersachen aus Kartons, es gibt einen Bäcker und einen Asia-Imbiss — das war‘s.

Es gehe eben nicht immer alles so schnell, wie man sich das wünsche, sagt Hettrich. Man sei aber dran. Schließlich rühmt sich „Intown“ selber damit, dass man insbesondere mit „Problemimmobilien“ klarkomme. So heißt es auf der Homepage: „Für Intown ist keine Herausforderung zu groß, wenn es darum geht, Immobilien mit nachhaltigen Wertsteigerungskonzepten so zu optimieren, dass sie wieder attraktiv und profitabel werden.“ Auch da glaubt Hettrich weiterhin, dies mit den Aachen-Arkaden schaffen zu können. Man habe einen Architekten, Spezialist für derlei Umgestaltungen, beauftragt.

Konzept entwerfen

Dieser soll ein Konzept für das Shopping-Center entwerfen. Das werde „in sechs bis acht Wochen vorliegen und dann auch der Öffentlichkeit präsentiert“. Für viele Mieter kommt das nach Jahren des Wartens zu spät. Sie werden nun nicht gehalten, sondern verabschiedet. Dabei bekunden einige, dass sie in den Aachen-Arkaden Potenzial sehen und deswegen auch gerne geblieben wären, nun aber gehen müssen.

Fragt sich, wie man das Center profitabel machen will. Da sagt Sascha Hettrich, dass die Arkaden ein „nicht ganz einfaches“ Gebäude seien. Was bereits mit den Zugängen vom Parkhaus zu den Geschäftsebenen zusammenhänge. Aber zum Beispiel auch mit dem Brandschutzkonzept. Das erlaube nicht einmal, einen Weihnachtsbaum aufzustellen. Diesbezüglich sei man bereits mit den Behörden im Gespräch. Die Stadt ist in der Tat informiert: „Es hat eine erste Information der Eigentümer gegeben“, sagt Stefan Herrmann vom Presseamt auf Anfrage.

Die Rede sei auch dort von einem neuen Konzept gewesen. Details zu diesem Konzept will Hettrich im Moment noch nicht nennen. Zu vermuten ist aufgrund seiner Aussagen jedoch, dass es größere Umbauten geben wird. Dem Vernehmen nach soll in den Arkaden ein sogenanntes „Pop-up-Konzept“ verwirklicht werden. Darunter versteht man Läden, die nur kurze Zeit an einem Ort bleiben, um innovative Produkte und Ideen anzubieten oder am Markt auszuprobieren. Hettrich sagt, dass derlei Geschäfte als moderne Belebungselemente durchaus denkbar seien — allerdings im Rahmen eines weitergehenden Gesamtkonzepts.

Zunächst einmal ist jedenfalls ein „Pop-down-Konzept“ angesagt. Viele Geschäfte werden — teils unfreiwillig — die Koffer packen. Zumindest auf das Räumungsgeschäft hoffen sie nun noch, bevor Schluss ist. Sie finden, dass der Leitspruch von „Intown“ wohl nicht so ganz passe. Der lautet: „Wir erwecken Immobilien zu neuem Leben.“ In den Aachen-Arkaden herrsche derzeit eher Totengräberstimmung. Sascha Hettrich lässt sich indes nicht beirren. Als Ziel gibt er aus, dass man demnächst über die Aachen-Arkaden sagen soll: „Da muss ich hingehen!“ Bis dahin scheint es allerdings noch ein weiter Weg zu sein. Und die meisten Mieter sind schon vorher abgebogen (worden).