Aachen: Die Aachen-Arkaden spielen mit dem Feuer

Aachen : Die Aachen-Arkaden spielen mit dem Feuer

Es ist ruhig an diesem Morgen in den Aachen-Arkaden. Nur im Café geht es quirliger zu, wo gerade eine Gruppe aus dem Kindergarten zum Eisschlürfen anhebt. In den — noch vorhandenen — Läden des Shopping-Centers an der Trierer Straße warten Mitarbeiter auf Kunden, die allerdings zu dieser Zeit kaum vorhanden sind.

Was erstaunt, denn das Parkhaus ist bereits zur Öffnungszeit der Arkaden gut gefüllt. Was aber nichts mit Shopping zu tun hat, sondern der Tatsache geschuldet ist, dass das Justizparkhaus am Adalbertsteinweg gerade saniert wird. Deswegen sind in den Aachen-Arkaden Ersatzparkplätze angemietet worden.

Gefährliches Spiel mit dem Feuer: In den Aachen-Arkaden war in den vergangenen Wochen die Brandmeldeanlage regelmäßig während der Öffnungszeiten ausgeschaltet. Für den Wiederholungsfall droht die Stadt mit der Schließung. Foto: Andreas Steindl

Dennoch dürften sich im fast 30.000 Quadratmeter großen Gebäude zu dieser Zeit mehrere hundert Menschen aufhalten — darunter Mitarbeiter und Kunden des städteregionalen Gesundheitsamtes, das große Büroflächen dort angemietet hat. Was sie alle nicht wissen: Sollte just in diesem Augenblick ein Feuer in den Aachen-Arkaden ausbrechen, dann könnte es zur ganz großen Katastrophe kommen.

Denn: Die Brandmeldeanlage des Gebäudes ist abgeschaltet. Und mit ihr wichtige technische Anlagen, die im Brandfall Leben retten könnten. So etwa die lautstarken akustischen Warnmelder. Auch die Feuerwehr würde zunächst nichts von dem Brand mitbekommen. Die bei der Feuerwehr aufgeschaltete automatische Meldetechnik ist ebenfalls gekappt.

Was ist hier geschehen? Ein technischer Defekt? Wurde die Anlage einmalig aus bestimmtem Grund für einen kurzen Zeitraum abgeschaltet? Hat jemand versehentlich den falschen Knopf gedrückt? Mitnichten — und das macht die Sache skandalös: Die Brandmeldeanlage wurde nach Informationen unserer Zeitung wochenlang systematisch morgens früh abgeschaltet. Im späten Nachmittag schaltete man sie dann wieder ein. Grund: Umbauarbeiten im Bürotrakt.

Rauchmelder im Baustellenbereich

Die dortige Staub- und Rauchentwicklung könnte einen Feueralarm auslösen. Üblich ist in dem Fall, dass man eine bestimmte Anzahl von Rauchmeldern im Baustellenbereich abschaltet. Was allerdings vorab mit den Behörden abgesprochen sein muss. In den Aachen-Arkaden hatte man stattdessen gleich das ganze Brandmeldesystem dauerhaft lahmgelegt.

Und das ist bei weitem nicht alles. Nach Informationen unserer Zeitung funktionierte zeitweise nämlich auch die Lautsprecheranlage im Shopping-Center nicht. Auch auf diesem Weg hätte man mithin Besucher und Mitarbeiter in den Arkaden im Fall der Fälle nicht warnen können. Weiteren Informationen zufolge sind in den vergangenen Jahren außerdem mehrfach technische Meldeanlagen außer Funktion gewesen. Auch deshalb, weil Rechnungen beim entsprechenden Dienstleister nicht bezahlt worden sein sollen. Und mehr noch: In der Glaskuppel sind hydraulisch öffnende und schließende Fenster eingebaut. Auch das funktioniert dem Vernehmen nach nicht.

Auf einer Seite soll es einen Komplettausfall geben, auf der anderen Seite ließen sich die Fenster noch mit einer Handschaltung bedienen. Allerdings sollten sie eigentlich automatisch schließen, wenn die Außentemperatur jene im Inneren überschreitet. Fehlanzeige. Was man an diesem warmen Sommertag an den Temperaturen im Innern merkt. Zumal: Im Brandfall nicht automatisch schließende Dachfenster könnten einen Kamineffekt erzeugen. Für die Schließung von Hand wäre möglicherweise — auch angesichts des offenbar allgemeingültigen Personalmangels in der Arkaden-Verwaltung — keine Zeit geblieben.

In der Brandmeldezentrale müsste indes bei einer Abschaltung ein Mitarbeiter die Anlage im Blick haben. Denn auch wenn die Direktleitung zur Feuerwehr gekappt ist, würde eine Brandmeldung angezeigt. Dann müsste besagter Mitarbeiter sofort bei der Feuerwehr Alarm schlagen. Doch nach Informationen unserer Zeitung soll dort niemand gesessen haben.

Dafür steht offenbar auch kein Personal zur Verfügung. Auch mit der Evakuierung und der Sperrung der Zugänge für Besucher von außen wäre das wohl so eine Sache: Für die sieben Zugänge stehen dem Vernehmen nach nur fünf dafür geschulte Mitarbeiter zur Verfügung.

Nun ist allerdings Bewegung in den Fall gekommen: Informiert durch unsere Zeitung rückten Bauaufsicht und Feuerwehr in den Aachen-Arkaden an und ließen sich die Brandmeldezentrale zeigen. Sie fanden die Informationen bestätigt. „Seit Mai wurde die Brandmeldeanlage in längeren Zeiträumen ausgeschaltet“, sagt Stadtsprecher Bernd Büttgens. Auch technische Anlagen, die damit zusammenhängen, seien von der Abschaltung betroffen gewesen.

Anlage technisch einwandfrei

Dabei sei die Anlage eigentlich technisch völlig einwandfrei. Die Verantwortlichen seien angewiesen worden, sofort alles einzuschalten. „Jetzt ist wieder alles im grünen Bereich“, so Büttgens. Das sagt auch Sascha Hettrich, Geschäftsführer des Eigentümers „Intown“: „Es ist alles in Ordnung und mit der Feuerwehr abgestimmt.“ Zu den vormaligen Zuständen befragt sagt Hettrich allerdings: „Zur Vergangenheit kann ich nichts sagen.“

Ab wann und wie lange genau die Anlage jeweils lahmgelegt war, lasse sich laut Stadt nicht mehr nachvollziehen. Das Centermanagement habe sich dem Bericht der Einsatzkräfte vor Ort zufolge in einem kooperativen Gespräch „ehrlich betroffen“ gezeigt. Reue tut angesichts der vorsätzlich herbeigeführten Gefahr auch Not. Die Behörden haben angedroht, im Wiederholungsfall das Center, in dem es ohnehin derzeit drunter und drüber geht (siehe Bericht unten), notfalls zu schließen.

Welche Konsequenzen die Abschaltung der Brandmeldeanlage zur Folge hat, ist laut Büttgens noch offen. Ein saftiges Bußgeld sei denkbar. Damit wären die Verantwortlichen wohl gut bedient.