Die 50. Schlüsselloch-Rocknacht ist zugleich die letzte

Saalbau Kappertz : Die Schlüsselloch-Rocknacht ist Geschichte

Das war’s! Nach 32 Jahren, 50 Rocknächten in der altehrwürdigen Kappertz-Hölle mit fast 200 Bands und einem grandiosen Finale ist die Schlüsselloch-Rocknacht ein Teil der Aachener Musikgeschichte geworden.

Eine wehmütige fast magische Abschiedsstimmung waberte durch den über hundert Jahre alten Saalbau Kappertz. Viele aktuelle und ehemalige Musiker und Weggefährten waren nach Rothe-Erde gekommen, um Herbert Senden und der von ihm und Peter Kappertz seinerzeit initiierten Schlüsselloch-Rocknacht die Ehre zu erweisen.

Die 50. Ausgabe mutete an wie ein Klassentreffen. Viele Geschichten und Ameröllchen der abgelaufenen Rocknächte und ihre Begleiterscheinungen machten die Runde. „Bei der ersten Schlüsselloch-Rocknacht im Dezember 1985 lebte meine Mutter Käthchen noch“, erinnerte sich Peter Kappertz. „Die damals 62jährige saß hinter der Theke auf einem Stuhl, schaute sich das ganze Spektakel an und fragte mich mit einem versteinerten Gesicht, ob ich wüsste, was ich da tue und was ich mit den ganzen Langhaarigen wolle.“

Peter Kappertz wusste es damals nicht, aber Herbert Senden, der Kappertz überreden konnte, hatte eine Vision, die er umsetzte und mehr als drei Dekaden lang erfolgreich mit Leben gefüllt hat. Er schenkte den hiesigen Musikfans mit der Schlüsselloch-Rocknacht einen zur Institution gewordenen Live-Musik-Treffpunkt, der die Aachener Musikszene nachhaltig belebt hat.

„Ich habe selbst hier mal auf der Bühne gestanden, und es war magisch“, blickt Gitarrist Gilbert Heiman-Trosien zurück. Für das Goldjubiläum und das große Finale hatte Macher Herbert Senden mit The Jägs, GreyAttack und den Dashboard Angels drei hochkarätige Bands auf die Rampe geschickt, die es mächtig krachen ließen.

Von Beginn an machte das Brüder-Trio Tom, Chris und Steve Jäger unmissverständlich klar, dass sie in der Kappertz-Hölle mit ihrem geradlinigen Hard-Rock keine Umstände machen wollten. Mit großer Spiellaune rockten sie sich durch ihr Set, mit Songs aus ihrer Debüt-CD und neuen Liedern, die noch auf Live-Tauglichkeit geprüft werden, bevor sie auf den nächsten Tonträger kommen. Nach der tollen Leistung der Jägs mit ihrer Version von Sweets „Fox on the run“, den das ganze Auditorium mitgesungen hatte, waren GreyAttack an der Reihe.

Beendet die legendäre Rocknacht-Reihe: Initiator Herbert Senden. Foto: dmp press/Ralf Roeger

Für die Formation um Sänger Ray Charlez ging mit diesem Heimspiel ein arbeitsintensives und erfolgreiches Jahr zu Ende. Gestählt von europaweiten Tourneen mit Anvil, Bonfire und Robin Beck und mehr als 50 Auftritten, boten GreyAttack mit ihrem Schwermetall-Hard-Rock der Marke Eigenbau eine professionelle und überzeugende Darbietung. Ray Charlez ist als Frontmann gewachsen. Er ruht wie ein Fels in der Brandung und weiß, was seine Fans von ihm und seinen großartigen Mitstreitern, die ihm während der Show musikalisch den Rücken freihalten, erwarten.

Mit den Dashboard Angels schloss sich dann der Kreis. Frontmann Skoop war schon 1985 als Singer-/Songwriter mit dabei und spielte in den ersten Jahren der Veranstaltungsreihe immer während der Umbaupausen. Der Songtitel „Free and easy“ war der rote Faden des Auftritts von Malle (Bass), Böxle (Gitarre), Pinki (Schlagzeug), Martin (Schlagzeug) und Skoop. Gemeinsam überzeugten sie mit Classic Rock und Blues und begeisterten die Live-Musikfans bis nach Mitternacht. Zudem feierten die rockenden Engel eine überaus gelungene Premiere mit zwei Schlagzeugern. Drummerin Pinki hatte nach Schwangerschaft und Erziehungspause wieder Bock auf Rock und Blues und wird nun wieder regelmäßig mit von der Partie sind.

Nach mehreren Zugaben fiel der letzte Vorhang – nicht nur für den Auftritt der Dashboard Angels, sondern auch für die Schlüsselloch-Rocknacht. „Herbert und ich sind alte Kumpel und ich kenne ihn fast mein ganzes Leben lang. Er steht auf handgemachte Live-Musik und ich habe die Kappertz-Hölle. Da geht noch was“, macht Peter Kappertz der trauernden Fangemeinde Hoffnung, dass schon bald eine andere musikalische Großveranstaltung, die die Handschrift von Herbert Senden trägt, über die Bühne der Kappertz-Hölle gehen wird.

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