Deutsche Meisterschaften im Ultimate Frisbee finden in Aachen statt

Ultimate-Frisbee-Turnier : Die Weltklasse wirft ihre flachen Scheiben in Aachen

Diese Nationalspieler leben ganz bodenständig: An diesem und am kommenden Wochenende finden die Deutschen Meisterschaften im Ultimate Frisbee an der Vaalser Straße statt. Die „Frizzly Bears“ suchen noch Sponsoren.

Sie haben den Dreh raus. Buchstäblich. Und sie sind Weltklasse. Etliche Nationalspieler zählt die DJK Westwacht 08 Aachen. Wenn die Liga-Cracks zum Training auf dem Rasen an der Vaalser Straße anreisen, rollen sie allerdings weder im Mannschaftsbus noch im Porsche an – die meisten haben gar kein Auto. Die Aseag hält vor der Vereinstür. Das Geld ist knapp, Sponsoren (noch) rar. Es geht nicht um Fußball, sondern um Ultimate Frisbee. Alle sind Amateure, viele Studenten. An diesem (31. August und 1. September) sowie am kommenden Wochenende (7. und 8. September) gehen die Deutschen Meisterschaften im Mixed und bei den Herren über die Bühne. „Darauf sind wir stolz. Das ist eine große Chance, diesen Sport neuen Zuschauern und vielleicht auch Sponsoren näherzubringen“, sagt Westwacht-Geschäftsführer Oliver Jentschke. Denn die Fangemeinde wächst. Was laut Jentschke nicht nur an den rund 500 Westwacht-Aktiven, von denen (bislang) noch jeder zweite Fußball spielt, ablesbar ist. 107 Westwachtler spielen Frisbee, und zwar als Leistungssport. Ultimate Frisbee liegt im Trend. Der Eintritt für Zuschauer an allen vier DM-Turniertagen ab 9 Uhr ist kostenlos, Neugierige sind ausdrücklich willkommen.

Die Grundregeln des Sports mit der 175 Gramm schweren Flugscheibe, Durchmesser 28 Zentimeter, sind simpel: Bei Ultimate Frisbee stehen sich zwei Teams mit je sieben Spielern auf einem Feld von der Länge und der halben Breite eines Fußballfelds gegenüber. Beide Teams verteidigen – wie beim American Football – eine 15 bis 20 Meter tiefe Endzone. Tacklings sind verboten. Ziel ist es, durch Zupassen – also Werfen –, ohne mit Scheibe in der Hand zu laufen, diese in der gegnerischen Zone zu fangen und damit einen Punkt zu erzielen. „Ultimate ist sagenhaft schnell und technisch extrem anspruchsvoll“, sagt Aachens 2. Vorsitzender Alexander Klötzel. Der Clou: Es gibt keinen Schiedsrichter, nicht einmal bei internationalen Turnieren. Alle Fouls, sogenannte Contests, werden von den Spielern selbst laut ausgerufen, bei Bedarf diskutiert. Dann geht die Scheibe der bis dahin „eingefrorenen“ Spielszene an den Werfer zurück. „Der Sportsgeist, das Fairplay stehen an erster Stelle – und das funktioniert perfekt“, so Klötzel.

Seit 1982 ist der Frisbeesport in Aachen zu Hause. Erst an der Hochschule, seit 1989 bei der Westwacht. Das aktuelle Team, die „Frizzly Bears“, entsendet regelmäßig Spielerinnen und Spieler in den Nationalkader. Einmal war man Deutscher Meister, mehrfach Vizemeister. 2019 wollen die „Bears“ wieder ganz oben aufs Treppchen. Aktuell sind Eva Bauer und Imke Schütz deutsche Nationalspielerinnen, zudem Tom Dröscher und Niklas Breitzmann bei den Herren. Westwacht-Spieler Marc Lukas Moslmann tritt für die Schweizer Equipe an. Erfolgreich sind sie alle. Und clever. Denn der Sport verlangt komplexes Strategie-Verständnis. „Dass es nicht einmal Sanktionen bei möglichen Regelverletzungen gibt, spricht schon für sich“, erklärt Spielerin Bauer. „Ultimate Frisbee reißt Aktive wie Zuschauer mit. Das ist einfach eine unvergleichliche Atmosphäre bei den Turnieren auf und genauso neben dem Platz“, sagt Dröscher. An den nächsten beiden Wochenenden sind hier die besten Teams Deutschlands zu Gast.

Die besten Westwacht-Profis reisen zu einem Dutzend Turnieren quer durch Europa, meist aus eigener Tasche. Nicht mal die Trikotkosten übernimmt der Verband. „Deswegen suchen wir in Aachen dringend Unterstützung, ein besseres Image als diesen Spirit of the Game kann es im Sport kaum geben, das gilt natürlich auch für Unternehmen. Man darf mich gerne ansprechen …“, sagt Jentschke. Natürlich wissen die Frisbee-Fans, dass sie es finanziell niemals mit König Fußball aufnehmen können. Die Welt ist eben rund und keine Scheibe. Aber sie dreht sich doch …