Demo in Aachen: Deutlicher Protest gegen die Rodung des Hambacher Forstes

Demo in Aachen : Deutlicher Protest gegen die Rodung des Hambacher Forstes

Je näher die Bagger dem Hambacher Forst kommen, desto vehementer wird der Widerstand gegen dessen Abholzung. Nicht nur in dem besetzten Waldstück, sondern auch in der Aachener Innenstadt formierte sich am Donnerstag Protest gegen den Braunkohleabbau.

Rund 1500 Menschen nahmen an der Kundgebung „Hambi bleibt!“ auf dem Marktplatz und am Elisenbrunnen sowie am anschließenden Demonstrationszug teil.

Aus Rücksicht gegenüber dem am Mittwoch tödlich verunglückten Journalisten im Forst verzichteten die Organisatoren vor dem Rathaus zunächst auf Reden. Es wurde stattdessen eine gemeinsame Schweigeminute abgehalten. Auch beim folgenden Demonstrationszug zum Elisenbrunnen herrschte weitgehend Stille. Dort hingegen wurde deutlich, wie verhärtet die Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern des Braunkohletagebaus sind.

Trotz Betroffenheitsbekundungen wurde dort der Tod des Journalisten zum Thema gemacht, und NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) eine Mitschuld gegeben. Wer eine Räumung von über 50 Baumhäusern unter diesen Umständen anordne, trage auch die Verantwortung dafür, wenn es dabei zu solchen Unfällen komme, sagte Miguel Diaz vom Bündnis Ende Gelände. Er kritisierte aber ebenso das Festhalten an der Braunkohle als Energieträger, der in Deutschland für rund 20 Prozent des Kohlenstoffdioxid-Ausstoßes verantwortlich sei.

Lea Heuser von Fossil Free Aachen plädierte zudem dafür, mehr politischen Druck auf die Städteregion zu machen, die immerhin Anteilseignerin am Energiekonzern RWE sei. Die Bürger sollten sich vermehrt als „kritische Aktionäre“ einbringen und so ihr Mitspracherecht bei den Großunternehmen nutzen, um für eine fossilfreie Energieversorgung zu kämpfen, forderte sie.

Seiner Wut verlieh auch Linken-Kreisverbandsprecher Igor Gvozden Ausdruck, der das Vorgehen der Polizei bei den Räumungsaktionen als „unverhältnismäßig“ kritisierte. „Dabei sind es nicht die Baumbewohner, die den Wald verlassen müssen, sondern die RWE-Mitarbeiter und die Polizei — und Innenminister Reul muss zurücktreten“, so seine Forderungen.

Der Demonstrationszug setzte sich danach über den Hauptbahnhof in die Lothringer Straße in Bewegung, wo die Abschlusskundgebung stattfand. Ein Schlusspunkt beim Kampf um den Hambacher Forst war diese aber nicht: Schon am kommenden Sonntag ist in Düren die nächste Demonstration geplant, um den verbliebenen Rest des Waldes zu erhalten.

(rhl)
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