Aachen: Derzeitige Dauerhitze lässt Weihnachtsbäume teurer werden

Aachen : Derzeitige Dauerhitze lässt Weihnachtsbäume teurer werden

Wenn Alexander von Frantzius über die Hektar Land in Sief schaut, die schon sein Großvater, Ur-Großvater und Ur-Ur-Großvater bewirtschaftet haben, dann wird ihm Angst und Bange. Die Trockenheit macht seinem Wald zu schaffen, das ist inzwischen deutlich zu sehen.

Insbesondere die Jungbäume leiden. „Wir haben im Frühjahr etwa 6000 junge Pflanzen in den Boden gebracht“, sagt der Waldbauer. Und wenn nicht bald ein bisschen Regen vom Himmel fällt, dann sind die Pflanzen vermutlich alle hin. Doch es kommt sogar noch schlimmer.

Viele junge Baumkulturen haben durch die anhaltende Trockenheit in Nordrhein-Westfalen bereits schwere Schäden erlitten. Vor allem am Niederrhein gebe es nach Auskunft von Wald und Holz NRW einzelne Ausfälle von bis zu 95 Prozent. Auch die Wälder in Aachen haben mit der Hitze und Dürre zu kämpfen.

Denn neben den ganz jungen Pflanzen tun sich auch ältere Bäume schwer. Ihnen fehlt der Zuwachs in diesem Jahr, sprich, sie werden einfach nicht so groß und so breit wie in einem „normalen Jahr“. Doch was ist schon ein normales Jahr in Zeiten wie diesen? „Wenn jedenfalls in den nächsten Jahren auch solche Sommer auf uns zukommen, dann hat das deutlich spürbare Auswirkungen auf die Preise“, sagt von Frantzius. Noch hat er allerdings Hoffnung, dass am Ende vielleicht alles gut wird. Dass vielleicht doch noch ein wenig Regen kommen wird.

Angst vor Feuer

Alexander von Frantzius ist nicht nur selbst Waldbauer, sondern auch der Vorsitzende der privaten Waldbauern in Aachen, die sich im Verein Forstbetriebsgemeinschaft Aachen zusammengeschlossen haben. Er steht mit den 48 Waldbauern aus der Region in engem Kontakt. Insgesamt bewirtschaften sie rund 1140 Hektar Land, 135 davon gehören von Frantzius und seinem Cousin — auf rund sechs Hektar davon stehen junge Nadelhölzer. Aus ihnen sollen schmucke Weihnachtsbäume werden, wenn sie mal groß sind. Dazu wird es in diesem Jahr vielleicht nicht kommen.

Die älteren Bäume haben ein ausgeprägteres Wurzelwerk, das viel weiter in die Erde reicht. In den tieferen Schichten finden sie noch etwas Wasser, können sich behelfen. Die jüngeren Bäume mit den kürzeren Wurzeln haben das Nachsehen.

Hinzu kommt, dass die Bäume Konkurrenten gleich neben sich haben. „Da wir ökologisch anbauen, nicht spritzen oder düngen, gibt es auch viele Farne, Gräser und Moos auf dem Waldboden“, so von Frantzius. Das bisschen Wasser tief in der Erde wird nicht auf Dauer für alle Pflanzen reichen. Nun könnte man sagen, dass von Frantzius und all die anderen Waldbauern ihre Bäume ja einfach gießen könnten. „Bei so viel Fläche ist das nicht zu schaffen“, sagt der Waldbauer. Kein einziger Waldbauer in der Region Aachen könne von den Flächen leben. Allesamt haben noch einen Hauptberuf, sind beispielsweise Zahnärzte oder arbeiten in der Baubranche. Das Bewässern würde zum einen sehr viel Zeit in Anspruch nehmen und die Waldbauern zum anderen in den finanziellen Ruin treiben. „Wir müssen hoffen“, so von Frantzius.

Waldbrandrisiko ist enorm groß

Doch der Waldbauer, der die Flächen von seinem Großvater im Jahr 2008 gemeinsam mit seinem Cousin übernommen hat, macht sich noch ganz andere Sorgen: Das Waldbrandrisiko ist enorm groß. „Unser Gesamtkapital steht täglich in Gefahr“, sagt er. Ein Zigarettenstummel, ein einziger dummer Fehler könnten ausreichen und den Wald in Flammen setzen. „Das sind oft ganz banale Sachen. Viele Menschen sind auf dem Vennbahnweg unterwegs. Und da braucht nur mal etwas Reflektierendes runterfallen oder liegenbleiben — eine Glasscheibe beispielsweise“, so von Frantzius.

Er sagt, dass die Familie eine ähnlich schwierige Situation zuletzt im Jahr 2003 durchlebt habe. „Aber so lange trocken wie jetzt war es damals nicht.“

Die schlechte Ernte wird noch weitreichende Konsequenzen mit sich bringen — vor allem für die Kunden, so der Waldbauer. „Die Preise werden zeitversetzt steigen.“ Und auch in diesem Jahr werden die Bauern bei schlechter Ernte vermutlich schon vorausschauend reagieren müssen und die Preise für Weihnachtsbäume und Stammholz für die Möbelindustrie sowie Kaminholz anheben.

In der nächsten Pflanzperiode werden von Frantzius, sein Cousin und all die anderen Waldbauern die doppelte Menge anpflanzen müssen, um den Verlust ausgleichen zu können. Doch bekanntlich brauchen Bäume ihre Zeit, um zu wachsen. Jungpflanzen kommen aus der Baumschule auf die entsprechenden Felder und sind dann zwischen drei und fünf Jahre alt. Bei von Frantzius stehen sie dann noch einmal acht bis zwölf Jahre, bevor sie geerntet werden können.

Um die Bäume nun noch so gut es geht zu schützen, lassen er und sein Cousin derzeit die Gräser in Sief besonders hoch wachsen. Normalerweise werden sie gleich geschnitten, damit die Bäume genügend Platz und Sonne haben. Doch das Gras dient derzeit als Schutz vor der prallen Sonne, schließlich sind die Bäumchen ohnehin schon ganz braun. Waldbauer von Frantzius glaubt, dass bald einsetzender Regen noch alles drehen kann. Die Hoffnung gibt ihm Halt zwischen all der Angst und dem bange sein.