Aachen: Der Wohnraum in Aachen bleibt knapp und teuer

Aachen : Der Wohnraum in Aachen bleibt knapp und teuer

Die Menschen drängt es in die Stadt, doch der Wohnungsbau will einfach nicht mithalten. Vor diesem Dilemma stehen auch die Aachener, wie der am Dienstag vorgelegte Wohnungsmarktbericht erneut belegt: Wohnraum im Stadtgebiet ist knapp und teuer.

„Wir brauchen eine Willkommenskultur für Bagger und Neubauten“, wünscht sich Manfred Sicking, der als Beigeordneter unter anderem für die Themen Wohnen und Soziales verantwortlich ist. Zum Stichtag am 31. Dezember 2016 ist die Stadt weiter gewachsen: 254.782 Menschen waren gemeldet, was laut Sicking einem Zuwachs von rund 400 Haushalten gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Vor allem die Hochschulen sind der Motor dieser Entwicklung, die erwartungsgemäß expandieren und der Stadt anhaltend steigende Studentenzahlen bescheren. Hinzu kommen aber auch die Flüchtlinge, für die ebenfalls neuer Wohnraum gebraucht wird. Und schließlich ist da noch die hohe Zahl der Transferleistungsempfänger. Mit knapp 30.000 Menschen sei gerade diese Gruppe in Aachen auch im Vergleich mit anderen Hochschulstädten wie Münster oder Bonn ungewöhnlich groß.

Alle drei Gruppen — Studenten, Flüchtlinge, Transferleistungsempfänger — suchen vor allem Wohnungen im unteren Preissegment, womit Mietpreise von unter sieben Euro pro Quadratmeter gemeint sind. Gerade in diesem Segment ist die Nachfrage also deutlich größer als das Angebot.

Die Erkenntnis ist freilich nicht neu, wie auch SPD-Politiker Norbert Plum, Vorsitzender des Wohnungs- und Liegenschaftsausschusses, und Verwaltungsfachmann Rolf Frankenberger, Leiter des Fachbereichs Wohnen und Soziales, zugestehen. „Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum ist groß“, sagt Plum.

Weil die öffentliche Wohnungsbauförderung in den zurückliegenden Jahren nahezu völlig eingeschlafen sei, stehe man heute vor einem Riesenproblem, meint Sicking. Denn immer mehr einstige Sozialwohnungen fallen aus der Mietpreisbindung heraus, ohne dass ausreichender Ersatz geschaffen wird, wie der Wohnungsmarktbericht zeigt. Inzwischen liegt der Bestand der öffentlich geförderten Wohnungen unter 10.000. Und in den kommenden zehn Jahren werden mehr als 4000 weitere Wohnungen aus der Bindungsfrist fallen.

Mit einer Quotenregelung versucht die Stadt bekanntlich seit 2014 gegenzusteuern. Wo immer sie Einfluss nehmen kann, verpflichtet sie Investoren und Bauherren zum Bau öffentlich geförderter Wohnungen — in der Regel wird dabei ein Anteil von 30 Prozent angestrebt. Doch noch immer sei viel Überzeugungsarbeit nötig, beklagt Plum.

Dabei sei auch der soziale Wohnungsbau lukrativ. Froh sind Sicking und Plum, dass die Wohnungsgesellschaft Gewoge inzwischen wieder stärker ihrer sozialen Verantwortung gerecht werde und preiswerten Wohnraum — so zuletzt etwa an der Stolberger Straße —schaffe. Wie wichtig aber auch die Zusammenarbeit mit privaten Investoren sei, zeige etwa das Neubauprojekt „Guter Freund“ am Eisenbahnweg, wo derzeit knapp 250 Wohnungen gebaut werden, 183 davon öffentlich gefördert.

Schwer genug ist es allerdings, überhaupt noch das passende Bauland in der Stadt zu finden. Die Ausweisung neuer Bauflächen werde ja „nicht immer bejubelt“, bedauert Sicking. Man sei daher einerseits auf die Kooperation mit den Kommunen im Umland angewiesen. Andererseits richtet man aber auch verstärkt den Blick auf Baulücken und Brachen in der Stadt.

Die „Revitalisierung“ alter Flächen werde immer bedeutsamer, sagt auch Frankenberger. Die aktuellen Planungen unterstreichen seine Aussage. Unter anderem sind größere Neubauprojekte an der Burggrafenstraße, am Gut Branderhof, auf dem alten Sportplatz an der Karl-Kuck-Straße, auf dem Gelände der Tuchfabrik Becker, auf dem Vegla-Gelände an Bismarckstraße und Viktoriaallee sowie im Innenhof von Südstraße und Boxgraben geplant.

Sowohl bei den Baugenehmigungen als auch bei der Zahl der fertiggestellten Wohnungen verzeichnet der Wohnungsmarktbericht einen Wachstumstrend. 731 Wohneinheiten konnten im vergangenen Jahr fertiggestellt werden, 170 mehr als 2015. Zugleich wurden 835 neue Baugenehmigungen erteilt. Das sind zwar 500 weniger als 2015, es ist aber immer noch das zweitstärkste Ergebnis der letzten fünf Jahre. „Aus meiner Sicht ist das eine sehr gute Entwicklung“, sagt Frankenberger.

Der neue Wohnungsmarktbericht wurde maßgeblich von Dana Duikers, Abteilungsleiterin „Planung“, erarbeitet. Er sei wesentlich detailreicher als in den Vorjahren und liefere Politik und Verwaltung grundlegende Daten für ihre Entscheidungen, lobt Sicking. Wie angespannt die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist, zeigt auch diese Zahl: 3390 Haushalte suchten im vergangenen Jahr eine Sozialwohnung in Aachen. Leerstand gibt es in diesem Bereich faktisch nicht — die Quote liegt bei 0,8 Prozent.

Mehr von Aachener Nachrichten