Aachen: Der Tag nach dem Regenguss: Aachen räumt auf

Aachen : Der Tag nach dem Regenguss: Aachen räumt auf

Vor einem Kiosk am Annuntiatenbach türmen sich alle, durchweichte Pappkartonreste. Die Tür steht weit auf, der Kioskbetreiber ist mit Schrubber bewaffnet im Flur des Hauses unterwegs. Die Überreste des Unwetters vom Vortag, als innerhalb von 30 Minuten mehr als 50 Liter Wasser pro Quadratmeter über der Innenstadt niedergingen, müssen beseitigt werden.

Der Kioskbetreiber nimmt es gelassen, zuckt die Schultern. Wie am Annuntiatenbach sieht es Mittwochmorgen in vielen Straßen der Innenstadt aus. Auch andere Einzelhändler, denen das Dreckswasser am Dienstag in die Läden gelaufen war, beseitigen den Dreck, damit die Kunden wieder ein- und ausgehen können. Heftig war es am Dienstag auch an der Franzstraße im Bereich des Eden-Kinos zugegangen, auf der kniehoch das Wasser gestanden hatte.

Durchweichte Kartons stapeln sich am Mittwochmorgen vor einigen Ladenlokalen in der Aachener Innenstadt.

Mehr als 400 Mal hatte die Aachener Feuerwehr am Dienstag ausrücken müssen. Alle Züge der Freiwilligen Feuerwehren und Großteile der Berufsfeuerwehr waren auf Achse. Die Zahl der Einsätze war so groß, dass auch Feuerwehren aus Stolberg, Baesweiler, Eschweiler und Alsdorf um Hilfe gebeten wurden.

Die Stadtverwaltung hatte zwischenzeitlich mit ausgefallenen Telefonanlagen zu kämpfen, sowohl am Katschhof als auch beim Hauptbahnhof gingen die Leitungen stundenweise nicht mehr. „Ist aber wieder alles im Lot“, meldet Rita Klösges aus dem Presseamt.

Auch am Aquis Plaza, wo das Wasser Dienstagnachmittag teils 1,50 Meter hoch gestanden hatte, war man noch bis Mittwochvormittag mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. „Erst gegen nachts um halb zwei konnten die ersten Kunden ihre Autos aus der Tiefgarage herausholen“, berichtet Plaza-Managerin Kathrin Landsmann im Gespräch mit unserer Zeitung.

Bis tief in die Nacht hatten Feuerwehr und TWH das Tiefgeschoss leerpumpen müssen. Dadurch, dass die Wassermassen Technikräume im Keller in Mitleidenschaft gezogen hatten, konnte das Plaza am Mittwoch erst mit einer Stunde Verzögerung öffnen. „Da geht es um sicherheitsrelevante Technik“, so Landsmann. Die Sicherheit von Kunden und Mitarbeitern musste zuerst gewährleistet werden, bevor man die Pforten öffnen konnte.

Dass auch RWTH teilweise von dem Unwetter betroffen war, daran erinnert am Mittwoch nur noch ein kleines Schild, das am Eingang des Lernraums am Super C hängt. Sturzartig hatte sich das Wasser in den Raum im Untergeschoss des Hochschulgebäudes ergossen. „Wir werden jetzt einige technische Schäden beheben müssen, bevor wir den Lernraum wieder für Studenten freigeben können“, sagt RWTH-Sprecher Thorsten Karbach auf Anfrage. Mindestens bis Montag müssen die Aachener Studis also noch anderswo büffeln.

Wer sich ein wenig über das Verhalten einiger Menschen bei Unwetter wundert, ist der Brander Meteorologe Willy Küches: „Der Deutsche Wetterdienst warnt die Leute, ich warne auf meinen Internetportalen ebenfalls vor Unwettern. Und trotzdem sieht man immer wieder Radfahrer oder Fußgänger auf der Straße, die das nicht zu interessieren scheint.“ Er warnt: Unwetterlagen wie die von Dienstag, mit Gewitter und Starkregen, seien nicht zu unterschätzen.

(slg)
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