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Aachen: Der singende Kommissar liebt das Rampenlicht

Aachen : Der singende Kommissar liebt das Rampenlicht

Tagsüber fahndet er nach Verbrechern, abends steht er auf der Bühne und singt. Oliver Schmidt ist 41 Jahre alt, solo, wohnt in einer Eigentumswohnung in Verlautenheide, und hat das Zeug zum Star.

Wenn der Kriminaloberkommissar beim Dezernat Raub sich nicht gerade mit Verbrechen beschäftigt, widmet er sich seiner Leidenschaft: dem Singen. Schmidt ist kein Tralala-Singschwadroneur, er kanns tatsächlich - seine Stimme ist zwischen tief singendem Tenor und Bariton einzuordnen.

Ein Genre liebt er besonders, Musicals. Mehrere Jahre trat er bei kirchlichen Trauungen auf, dann wurde er Ensemblemitglied des Erfolgsmusicals Gaudi, anderthalb Jahre war er dabei. Im Grenzlandtheater übernahm er danach im Musical Cabaret gleich mehrere Rollen.

Seit sieben Jahren ist Oliver Schmidt auch Frontsänger der Bigband HSO. „Mit der war ich schon auf Tournee in Namibia und Südafrika”, berichtet er stolz. Er singt auch gerne Lieder von Robbie Williams. „Ein bisschen sehe ich ja auch so aus wie er”, meint er.

Als Vierjähriger sang er schon mit großer Freude. Doch dann wollte der heranwachsende Schmidt erst einmal Schauspieler werden. Jedoch war der Unterricht damals teuer und er mit seinen 16 Jahren zu jung für die Theaterschule.

Außerdem wollte er noch seinen Abschluss an der Höheren Handelsschule bestehen. Mit dem Fachabitur in der Tasche begann er bei Wertz in Eilendorf eine Lehre als Groß- und Außenhandelskaufmann. Danach waren seine Gedanken an die Schauspielerei verflogen.

„Ich hätte aber werden können, was ich wollte, meine Eltern waren da absolut offen”, erinnert er sich gerne an „früher” zurück, an die große Familie (drei Brüder und eine Schwester), die toleranten Eltern und an das Elternhaus am Waldrand.

Die quasi angeborene Liebe fürs Singen wuchs immer mehr: „Im Kirchenchor St. Hubertus Verlautenheide habe ich viel gelernt, auch das Einordnen in die Sing-Gemeinschaft und das Timing.” Ausgestattet mit dieser durch den Chorgesang gebildeten Stimme gab Schmidt seinerzeit den Ton in der Coverband „Two Generations” in Übach-Palenberg an.

Mehr Auftritte

Zur Polizei kam der passionierte Sänger im Alter von 23 Jahren. „Einer meiner älteren Brüder war schon bei der Polizei.” Im Jahr 1994 lernte er das kleine Einmaleins des Polizistenberufes an der Polizeischule in Linnich. Danach wurde Schmidt überall eingesetzt, er war Mitglied der Einsatz-Hundertschaft und Streifenpolizist im Schichtdienst.

Zehn Jahre später kam das Angebot aus dem Dezernent Raub, bei der Kripo auf Verbrecherjagd zu gehen. Um in die gehobene Laufbahn zu gelangen, musste er noch ein Studium in Köln absolvieren.

Obwohl der singende Oberkommissar immer mehr Auftritte als Sänger verbucht, stellt er klar: „Kriminalpolizist ist mein Beruf, das ist mehr als nur ein Broterwerb.”