Aachen: Der Pastorplatz modert vor sich hin

Aachen : Der Pastorplatz modert vor sich hin

Gäbe es eine Rangliste der ungepflegtesten Plätze in der Stadt, der Pastorplatz stünde obenan. Die Stadt lässt ihn seit Jahren verkommen. Jetzt haben die Anwohner die Nase voll. Der kreisrunde Pastorplatz liegt nicht weit vom Justizzentrum zwischen Adalbertsteinweg und Oppenhoffallee.

In ihn münden die Kongress-, Luisen-, Roon- und Sophienstraße. Viergeschossige Wohnhäuser mit teils farbigen Fassaden bis hin zum knalligen Pompejirot rahmen ihn. Die Häuser sind gepflegt und sauber. Eine schöne Kulisse.

© : dmp /// Heute Freitag 08. Dezember 2017 2017-12-08; ein Schandfleck in Aachen der Pastorplatz 2. vergammelte Bände mit Telefonzelle. Foto: Ralf Roeger

Der Quartiersplatz ist architektonisch interessant, typisch für den Städtebau des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Benannt wurde er 1894 nach Gottfried Pastor (1809—1899) — Brutscheider, Tuchfabrikant, in Stadtverordnetenversammlung und Handelskammer aktiv, Repräsentant der Evangelischen Gemeinde, Vorsitzender des Evangelischen Krankenhausvereins (Luisenhospital), Erbauer des Viertels ringsum.

© : dmp /// Heute Freitag 08. Dezember 2017 2017-12-08; ein Schandfleck in Aachen der Pastorplatz Telefonzelle. Foto: Ralf Roeger

Der Platz macht dem Gottfried Pastor wenig Ehre. 2013 mussten auf dem Pastorplatz seine fünf großen rotblühenden Kastanien gefällt werden. Sie waren krank. Die Stadt versprach, den Platz direkt nach der Fäll-Aktion umzugestalten. Forsch ließ sie auch sechs Amberbäume pflanzen — doch danach tat sich nichts mehr. „Der Platz liegt seitdem unansehnlich und verwahrlost da“, klagen die Anwohner.

Schrottreife Telefonkabine

In der Tat. Die Amberbäumchen stehen mickrig, von schiefen Holzpfosten mit teils gerissenen Haltebändern kaum gestützt. Zwei marode, grün-grau vor sich hin modernde Holzbänke rufen nach dem Müll. Auf den Schrott gehört eine Telefonkabine der Telekom, funktionsuntüchtig, der Hörer ausgebaut, Säule und zwei Glasscheiben verdreckt, eine Scheibe komplett raus.

Auf dem Platz mit 25 Metern Durchmesser nichts als Unkraut, Brennnesseln, Löwenzahn, faulige Blätter, stinkende Pilz-Kolonien. Steine aus alten Raseneinfassungen gerissen. Durchs wuchernde Gras kreuzen Trampelpfade durch Pfützen und Modder. Zwei Abfallkörbe, einer ramponiert. Ein Betonquadrat, in dem einst Eisenpoller steckten. Zwei Kanaldeckel und ein schwerer Deckel zu was auch immer unterm vergammelten Drecksplatz.

Der schaurige Platz ist rundherum eingefasst mit 20 Zentimeter hohen Basalt-Hochbordsteinen. Vier schwere Findlingsbrocken sollen verhindern, dass Lkw über den Platz fahren und ihn durchpflügen und zerfurchen, wenn sie die engen Kurven nicht kriegen. Über bucklig-schiefes Kopfsteinpflaster steuern die Autos holterdiepolter rappelnd durch den Kreisverkehr.

Grit Klostermann, in den 1980ern Grüne-Ratsfrau, ihr Mann Günter Schabram, pensionierter Sozialdezernent der Städteregion, das Paar seit fünf Jahren am Pastorplatz wohnend, und die dort ihr Grafik-Atelier führenden Mele Brink und Bernd Held sowie Anwohnerin Petra Weyers fordern, „dass der Pastorplatz dringend verschönert werden sollte“. Sie formulierten einen Bürgerantrag an die Bezirksvertretung Aachen-Mitte, „den ungepflegten Pastorplatz neu zu gestalten und zu einem ansehnlichen Platz in unserem Viertel zu machen“.

Die Fünf baten die Nachbarschaft um Unterstützung. Die schien auf die Initiative nur gewartet zu haben. Innerhalb weniger Tage gingen 172 Unterschriften ein. Viele mit Kommentaren versehen: „Toll!“, „Super-Aktion!“, „Vielen Dank!“ Eine Mutter: „Die Verkehrssicherheit für unsere Kinder ist eine Katastrophe.“ Nah am Platz liegt die Grundschule Luisenstraße.

„Wir wollen nicht Hunderttausende Euro ausgegeben sehen, sondern nur, dass der Pastorplatz so normal gestaltet wird wie andere Plätze in der Stadt auch“, sagt Grit Klostermann. Für einen „freundlicheren Anblick und eine Nutzung unseres Wohnumfeldes“ regen die Bürger an, den Platz mit Wegen und einer Grünbepflanzung zu gestalten und „über die Erneuerung der Bänke und die Entfernung der Telefonzelle nachzudenken“. Auch sei „ein Büchertauschschrank sinnvoll“.

Die Antragsteller weisen hin auf den „Rahmenplan Öffentlicher Raum“ für das Frankenberger Viertel aus dem Jahr 2007. Der bescheinigte dem Pastorplatz „vor allem Qualitäten für das direkte Umfeld“ und stufte seine Umgestaltung mit einer „mittelfristigen Priorität“ ein. Zehn Jahre ist das jetzt her. „Wir meinen, dass nun wirklich die Zeit für eine Verschönerung reif ist“, schreiben die Anwohner.

CDU hat Beratungsbedarf

Sie müssen sich noch etwas gedulden. Die Bezirksvertretung Aachen-Mitte hatte die „Aufwertung des Pastorplatzes“ zwar auf der Tagesordnung, doch die von der Verwaltung vorgeschlagene „Entwurfsplanung mit Kostenschätzung“ wurde abgesetzt. Die CDU meldete „Beratungsbedarf“ an. Die Bürgervertreter Grit Klostermann und Günter Schabram zogen unverrichteter Dinge wieder ab. Der Pastorplatz liegt weiter im Dreck.

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