Aachen: Der neue Tivoli wächst, andere Sportstätten fehlen

Aachen: Der neue Tivoli wächst, andere Sportstätten fehlen

Zu übersehen ist das neue Stadion der Alemannia längst nicht mehr, in wenigen Wochen soll es eröffnet werden. „Wir wollen die Sportmeile Krefelder Straße zur ersten Adresse des Aachener Sports weiterentwickeln”, heißt es dazu in der Koalitionsvereinbarung aus dem Jahr 2004 - ein Versprechen, das durch das Zusammenwirken von Stadt, Vereinen und Sponsoren in die Tat umgesetzt werden konnte.

Gut gemacht, könnte man meinen, wären da nicht auch jene Kritiker, die von verpassten Chancen sprechen.

Denn an der Krefelder Straße hat im Prinzip nur der Profisport seinen Platz gefunden. Nicht zuletzt Vertreter des Stadtsportbunds und des Hochschulsports kritisieren, dass die Interessen des Breitensports nicht mal im Ansatz berücksichtigt wurden. So wird es dabei bleiben, dass das ALRV-Gelände weiterhin nur einmal im Jahr genutzt wird und der Tivoli ausschließlich von der Alemannia bespielt wird.

Eingehalten hat die Politik ihr Versprechen, den Vereinen städtische Sportanlagen und Schwimmhallen weiterhin kostenlos zu überlassen. Auch wurden die Zuschüsse für die Jugendarbeit nicht gekürzt. Ebenfalls weiterverfolgt wurde das Programm zur Umwandlung von Aschen- in Kunstrasenplätze, wenn auch nicht ganz in dem ursprünglich geplanten Ausmaß. Aktuell gibt es zwölf Kunstrasenplätze in Aachen, der nächste entsteht derzeit in Lichtenbusch, ein weiterer soll noch in diesem Jahr in Brand angelegt werden.

Das Projekt „Nachtaktiv”, bei dem vor allem in sozialen Brennpunkten nachts für Jugendliche Sportstätten geöffnet werden, ist wie angekündigt ausgeweitet worden. In Kürze soll „Nachtaktiv” auch im Preuswald angeboten werden. Die Programme „Integration durch Sport” und spezielle Mädchenangebote wurden ebenfalls eingerichtet.

Fehlanzeige heißt es hingegen bei vielen weiteren Vorhaben: Auf die versprochene Dreifachhalle an der Richardstraße und eine weitere Einfachhalle in der Innenstadt warten die Schulen weiterhin. Aus der auf Camp Hitfeld geplanten Freizeit-Sportanlage ist noch nichts geworden.

Die „sportliche Aufwertung von wohnortnahen Freiflächen” lässt auf sich warten. Eine Trendsporthalle für Jugendliche gibt es nicht. Gescheitert sind die Projekte in aller Regel an den Kosten, teils aber auch an ungeklärten Grundstücksfragen.

Hallen saniert

Dennoch ist der Sporthallenbau nicht völlig zum Erliegen gekommen, wie Sportamtschef Hans-Georg Suchotzki betont: An mehreren Schulen im gesamten Stadtgebiet sind Hallen saniert oder neu errichtet worden, darunter in Burtscheid, Verlautenheide, Brand, an der Hanbrucher Straße und am Couven-Gymnasium.

Die Ankündigung, diese Sportanlagen und Schulhöfe verstärkt auch unorganisierten Sportlern zur Verfügung zu stellen, ist ins Leere gelaufen. Vereine und Schulen haben in aller Regel das alleinige Zugriffsrecht.

Auch ein letztes Vorhaben ist nicht über eine Absichtserklärung hinausgekommen: Eine intensivere Zusammenarbeit von Stadt und Hochschulsportzentrum hatte Rot-Grün angestrebt. In der Praxis blieb die Idee folgenlos - ohnehin aber sind die Kapazitäten des Hochschulsportzentrums ausgereizt. Einzig die im Herbst 2007 angelegte Finnbahn am Königshügel steht allen Aachenern offen.

Fazit: Nur vier von vierzehn im Koalitionsvertrag angekündigten Projekten wurden umgesetzt.

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