Aachen: Der Musikbunker darf vorerst aufatmen

Aachen : Der Musikbunker darf vorerst aufatmen

Erleichterung und Freude bei Lars Templin, dem Geschäftsführer des Vereins Musikbunker am Frankenberger Park: Denn am Dienstag erreichte ihn die Mitteilung über eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes (OVG) Münster vom 28. Mai, nach der die Klage einer Anwohnerin gegen den nächtlichen Betrieb der Szene-Lokalität vorerst nicht greift.

„Wir vom Musikbunker freuen uns sehr. Vor allem bekommen wir jetzt wieder eine gewisse Planungssicherheit, was besonders für unser Programm in der zweiten Jahreshälfte wichtig ist“, sagte Templin gegenüber den „Nachrichten“.

Die Münsteraner Richter kippten damit eine Eilentscheidung des Aachener Verwaltungsgerichts, nach der die Betreiber des Bunkers aus dem Zweiten Weltkrieg die nächtlichen Musikveranstaltungen hatten einschränken müssen. Die gerade bei jungen Leuten beliebte Lokalität an der Goffart­straße hatte erst im April von der Stadt die Erlaubnis bekommen, in ihren Räumen eine Anzahl von bis zu 400 Menschen an Events, Auftritten und der gewohnt hippen Party-Musik teilnehmen zu lassen. Als es Beschwerden über nächtliche Ruhestörungen durch die Gäste des Bunkers gab, beschritt eine Anwohnerin den Klageweg und erwirkte in dem Eilverfahren eine sofortige Reduzierung der Besucherzahl.

Die gesamte Geschichte fällt in eine Zeit, in der das fortschreitende „Club-Sterben“ in Aachen von der freien Kulturszene in diversen Aktionen beklagt und öffentlich gemacht wird — und das trotz allem immer mehr um sich greift. Die Stadt verpflichtete sich an einem eiligst einberufenen „runden Tisch“, ein Kataster (eine Liste) von Liegenschaften und Örtlichkeiten zu erstellen, an denen Musik- und Kulturaktivitäten in Aachen möglich sein könnten. An dem Zusammentreffen nahmen Oberbürgermeister Marcel Philipp wie auch die Kämmerin Annekathrin Grehling teil.

So äußerte sich Philipp am Dienstag erleichtert über den OVG-Beschluss: „Wir sind froh, dass die Arbeit des Musikbunkers jetzt vorläufig fortgesetzt werden kann. Sie hat eine hohe Bedeutung für die Stadt“. Natürlich müsse „ein Modus gefunden werden“, so der OB weiter, durch den „gute nachbarschaftliche Beziehungen im Umfeld des Musikbunkers wider hergestellt werden können“.

Auch daran wollen Lars Templin und seine Mitstreiter arbeiten: „Jetzt zeigt sich, dass unsere Mahnungen an das Verhalten unserer Besucher wertvoll sind“, beschwor er ein ordentliches Benehmen bei den Musikbunker-Fans.

Denn die Zukunft ist in doppelter Hinsicht ungewiss. Das Verwaltungsgericht wird bei einem künftigen Verhandlungstermin darüber zu entscheiden haben, in welchem Umfang auf die Belange der Anwohner in dem Mischgebiet von Wohnen und Gewerbe Rücksicht genommen werden muss. Für die Entscheidungsfindung regte das OVG Münster sogar einen Gerichtstermin vor Ort an. Und es gibt eine zweite Bunkerfront: Der Verein will mit Unterstützung der Stadt das Bauwerk kaufen, das im Besitz der Immobilienagentur des Bundes ist. Diese will das Kriegsrelikt abstoßen. Bislang weiß jedoch noch niemand, was es eigentlich kosten soll.

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