Aachen: Der Mindestlohn wird einprogrammiert

Aachen: Der Mindestlohn wird einprogrammiert

Natürlich standen noch ein paar Taxen am Hauptbahnhof, doch der größte Branchentreff war am Montagmorgen am Gut Wolf. Dort warteten die Chauffeure nicht auf Kundschaft, sondern auf die Prüfer vom Eichamt. Die schieben derzeit Sonderschichten, um die Taxameter von 249 konzessionierten Droschken aus der Stadt und der Städteregion Aachen zu eichen.

Nötig geworden ist der Kontrollmarathon wegen der Anhebung der Taxitarife zum 1. Juli. Danach ging es noch ein paar Tage zum alten Preis weiter, doch seit dem vergangenen Freitag können die „Uhren“ umgestellt werden. Fachfirmen programmieren die neuen Tarife — 3,80 Euro Grundpreis statt bislang 3 Euro, 1,90 Kilometerentgelt anstelle der bisher geltenden 1,60 an Werktagen, nachts und an Feiertagen steigen die Preise von 1,70 auf nun 2 Euro — in die Fahrpreisanzeiger ein, und das Eichamt überprüft am Gut Wolf, ob die Apparate auch richtig zählen.

„Alles im grünen Bereich“ attestiert Eichamtsleiterin Sonja Schminke einem Chauffeur, dessen Mercedes einen Kilometer in der Halle absolviert hat. Bewegt hat sich der Wagen dabei nicht: Die Räder drehen sich auf einem Rollenprüfstand, und auf dem Bildschirm daneben können Schminke und ihre Kollegen sehen, ob ein Kilometer auch ein Kilometer ist. Und wann er beginnt: „Wir überprüfen auch, wann der Zähler einsetzt“, erklärt Sonja Schminke. Da würde es dann auffallen, wenn der Taxameter schon nach wenigen Metern umspringt. „Wenn alles in Ordnung ist, werden die entsprechenden Felder auf dem Bildschirm grün markiert“, erklärt die Amtsleiterin. Dafür gibt es dann Brief und Siegel, was auch wieder ein Weilchen dauert — pro Fahrzeug 15 bis 20 Minuten.

Und so hat es dann auch etwa eine Stunde gedauert, bis Volker Büschgens auf Position vier vor das Rolltor vorgerückt ist. „Als Taxifahrer ist man es ja gewöhnt, viel rumzustehen“, sagt er, aber das Eichamt hätte doch mehr als ein Tor öffnen können. „Das würde nicht viel ändern“, erklärt Sonja Schminke, denn nur hinter einem Tor gebe es auch einen Rollenprüfstand für die Taxameterkontrolle. Mindestens drei Kollegen seien im Einsatz, geprüft werde ausnahmsweise bis Donnerstag von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 15 Uhr, am Freitag von 8 bis 12 Uhr. Üblicherweise ist nur freitags für Publikum geöffnet, an den übrigen Tagen sind die Kontrolleure im Außeneinsatz.

Trotz der Sonderschichten ist das Eichamt umzingelt von elfenbeinfarbenen Autos, und für deren Fahrer ist es nicht die erste Geduldsprobe. So war Büschgens wegen der Taxameterumstellung schon in der Werkstatt, „jetzt stehe ich hier wieder.“ Dabei könnte es Büschgens als fest angestellter Fahrer noch relativ entspannt angehen. Er bekommt auch in dieser Wartezeit seinen Mindestlohn von 8,50 Euro, der auch einer der Gründe für die Anhebung der Taxitarife ist. „Nur mit dieser Fahrpreissteigerung können wir unser Fahrpersonal noch bezahlen“, sagt Christoph Rademacher, der Vorsitzende der Aachener Autodroschkenvereinigung (AAV).

Aber das Geld muss auch eingefahren werden. Mit etwas mehr als 100 Euro pro Schicht kalkulieren die Taxiunternehmer, dann sind die Kosten für Fahrer, Kraftstoff, Fahrzeugverschleiß oder auch Abgaben an die Berufsgenossenschaft abgedeckt. „Ich beute mich selbst aus“, meint Unternehmer Thomas Lux aus Roetgen, der sein Taxi selber fährt und sich für gute Stammkunden notfalls sogar nachts noch ans Steuer setzt.

Auf der falschen Spur

Ihm macht ebenso wie seinen Kollegen die Konkurrenz der Mietwagen zu schaffen. Die könnten ihre Preise selber festlegen, erklärt AAV-Chef Rademacher, für Taxen werden sie vom Bundesverband ausgehandelt und in politischen Gremien beschlossen. Sie könnten die Taxis unter anderem auch deshalb unterbieten, weil sie sich nicht an Vorschriften hielten. Eigentlich dürfe ein Mietwagen nur nach telefonischem Auftrag zum Kunden fahren und müsste nach der Tour an seinen Ausgangspunkt zurückkehren, sagt Rademacher. „Tatsächlich aber stehen sie etwa vor Discotheken und warten auf Kunden.“ Auch würden die Mietwagen etwa am Willy-Brand-Platz oder am Elisenbrunnen Spuren benutzen, die eigentlich Bussen und Taxen vorbehalten sind.

Vor allem sind es viele: In der Städteregion sind 326 Mietwagen — darunter auch Krankentransportwagen — registriert. Dagegen gibt es 175 Taxen in der Stadt und 74 in der Städteregion — und die müssen alle zum Eichamt. Das bleibt für die nächsten Tage der Branchentreff.

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