Aachen: „Der Mann von der Schranke“ hört als Ordner in der Soers auf

Aachen : „Der Mann von der Schranke“ hört als Ordner in der Soers auf

Die Schranke am Ein- und Ausritt des Springstadions in der Soers gibt es schon lange nicht mehr. Und dennoch ist Hubert Coonen in Aachen immer noch als „Mann von der Schranke“ bekannt. Doch auch den wird es beim CHIO bald nicht mehr geben. Denn Hubert Coonen bestreitet sein letztes Reitturnier als Ordner.

Dabei ist der 74-Jährige nicht irgendein Ordner, er ist „der“ Ordner. Seit knapp 40 Jahren — genau weiß er das gar nicht mehr — ist er beim CHIO im Einsatz. Doch nun soll Schluss sein. „Ein Jahr hätte ich noch, bevor ich die Altersgrenze erreiche“, sagt er. „Aber ich möchte selbst bestimmen, wann ich gehe. Und wenn ich gehe, dann möchte ich das mit erhobenem Haupt tun.“ Auch wenn ihm das schwer falle.

„Nein, ich scheide nicht im Ärger“, betont Hubert Coonen. Früher habe er sich extra Urlaub genommen, um beim CHIO Dienst zu tun. Belohnt wurde er dafür mit „so vielen schönen Sachen, die ich hier erlebt und so vielen Menschen, die ich kennengelernt habe“. Sogar die schwedische Königin Silvia habe sich 2016 mit ihm unterhalten.

„Ich erinnere mich gerne an Hans-Günter Winkler“, erzählt er, „der ist selbst im Rollstuhl noch zu mir gekommen, um sich mit mir zu unterhalten.“ Und an ein Erlebnis mit „HGW“ erinnert sich Hubert Coonen besonders gerne: „Mit 84 Jahren ist er hier noch über das Gatter geklettert. Und als ich ihn darauf ansprach, sagte er mir: ,Lassen Sie die Ärzte erzählen, was sie wollen. Leben Sie lieber ihr Leben!‘.“ Das habe ihm mächtig imponiert.

Nur einen einzigen CHIO habe er in den letzten 40 Jahren verpasst, „das war 2001, als ich eine neue Hüfte bekam“, erzählt Coonen, den man in Aachen auch als Chef der Kleingärtner von „Groß Tivoli“ kennt, oder aber aus der Zeit, als er gemeinsam mit seinem Bruder Hans-Peter den Ordnungsdienst am Tivoli leitete. Und „Mulle­fluppet“-Preisträger der „Aachener Zeitung“ ist er auch.

Den CHIO 2018 bringt er natürlich noch zu Ende. Selbst nach dem Großen Preis von Aachen am Sonntag, bei dem er wie immer am Ein- und Ausritt steht, ist er dabei noch im Einsatz. „Dann sitze ich an Tor 4 und achte darauf, dass nur Dinge das Gelände verlassen, die es auch sollen“, sagt er. Mit Helen Rombach-Schwartz, Vorstandsmitglied des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV), habe er bereits darüber gesprochen, dass er nach dem CHIO aufhören wolle. „Sie war gar nicht damit einverstanden“, sagt Coonen. „Wir werden uns nach dem Turnier nochmal zusammensetzen und über alles reden“, kündigt er an.

Ob sie ihn überzeugen kann, doch noch ein weiteres Jahr dran zu hängen? Da lächelt er sein beliebtes Schnauzbartlächeln und wiegt den Kopf hin und her. Ein kleines Hintertürchen hält er sich offenbar doch noch offen...

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