Aachen: Der Mann ist ein „Brückenbauer“ wie kein anderer

Aachen : Der Mann ist ein „Brückenbauer“ wie kein anderer

Mit gerade einmal 20 Jahren kam er aus Indien ganz allein nach Deutschland. Heute, so sagt er, sei er mehr Deutscher als Inder. Debdatta De studierte in Indien Maschinenbau und kam 1960 nach Düsseldorf, um dort für eine Maschinenbaufirma zu arbeiten.

Fünf Jahre später trieb ihn ein Studium der Gesteinshüttenkunde an die RWTH Aachen, wo er seinen Diplom-Ingenieur machte. Nachdem er 1971 eine Festanstellung in einem privaten Ingenieurbüro bekam, blieb er in Deutschland. Er heiratete und bekam zwei Kinder.

„Ich war wohl eine Ausnahme beim Fremdsprachenlernen“, erzählt er im Gespräch. „Innerhalb von drei Monaten habe ich Deutsch gelernt und gut beherrscht.“ Er habe schon früh gewusst, dass er nicht auf andere Menschen angewiesen sein möchte und dass es bei ihm selbst liege, wie gut und schnell er sich in dem neuen Land zurechtfinden würde. „Ich war dienstlich und privat immer viel unter Menschen. Von der Mitgliedschaft im indischen Studentenverein an der Hochschule bis hin zur Schulpflegschaft bei meinen Kindern. Es fiel mir leicht, mich zu integrieren, weil ich das immer sehr gerne gemacht habe.“

Damit die Integration von Zugezogenen und auch von Flüchtlingen aus verschiedenen Herkunftsländern so gut funktioniert wie bei ihm selbst, engagiert sich De seit dem Renteneintritt im Jahr 2005 ehrenamtlich in verschiedenen Bereichen.

Eine halbjährliche Ausbildung bei der Städteregion machte ihn zum Integrationslotsen. Seitdem ist seine integrative Arbeit aus Aachen nicht mehr wegzudenken: Er fungiert als Dolmetscher in fünf Sprachen, hilft bei Anträgen, begleitet Flüchtlinge bei Arztbesuchen und gibt Nachhilfe. „Eine Frau habe ich sogar bis zum Kreißsaal begleitet. Durch einen Spalt in der Türe habe ich die Anweisungen der Hebamme und der Ärzte übersetzt“, erinnert er sich. Ebenfalls unvergessen ist ein syrisches Mädchen, das er ab der zweiten Klasse in Deutsch, Englisch und Mathe alle zwei Wochen samstags unterrichtete. „Sie hat es später aufs Gymnasium geschafft. Darauf bin ich sehr stolz!“

Neben seinen Tätigkeiten als Integrationslotse gestaltet er das Angebot des „Café International“ in Monschau mit, betreut darüber hinaus Häftlinge in der JVA und ist seit kurzem auch Seniorenlotse in Laurensberg. „Ich bin mittlerweile alleinstehend, die Kinder sind aus dem Haus und ich bin ‚arbeitsloser‘ Rentner. Da hat man viel Zeit.“ In den letzten acht bis zehn Jahren war er fast täglich ehrenamtlich im Einsatz. 50 bis 60 Stunden die Woche war er aus gutem Willen und Hilfsbereitschaft für andere Menschen unterwegs.

Er selbst sieht sich als „Brückenbauer“ zwischen verschiedenen Menschen, Kulturen, Sprachen und Traditionen. Einfach sei dies aber bei Weitem nicht immer, denn die Ankommenden müssten eine gewisse Bereitschaft und Offenheit mitbringen, die europäische Kultur kennenzulernen und anzunehmen. „Wer in Europa lebt, muss auch wie ein Europäer leben. Anders funktioniert es nicht.“

Den bevorstehenden „Tag der Integration“ am 2. September findet De sehr wichtig. Dies sei eine gute Möglichkeit, einander besser kennenzulernen. Seit einigen Jahren ist er an der Planung dieses Tages mitbeteiligt und zuständig für die Standbesetzung bei der Veranstaltung im Eurogress. Er freut sich bereits auf den „12. Tag der Integration“ und wird — sofern seine Gesundheit es zulässt — wie gewohnt, mit einem offenen Ohr und einem guten Rat jedem entgegentreten, der danach fragt.