Der Klassiker von Sophokles in neuer Form

„aixpertentheater“ in der Klangbrücke : Bei Antigone ist auch mal ein Lachen erlaubt

Es gibt wohl nur wenige Theaterstücke, die nach 2400 Jahren so wenig an Aktualität verloren haben wie Sophokles‘ Tragödie „Antigone“ und nur wenige, die so häufig Überarbeitungen und Modernisierungen erfahren haben, ohne die Quintessenz des Stückes zu verändern. So ist es auch mit Jean Anouilhs Version des Klassikers, der 1942 uraufgeführt wurde. Jetzt hat sich das „aixpertentheater“ an den Stoff gewagt.

Diese „Antigone“ legt weniger Wert auf das große Familiendrama an sich und auf die Frage danach, welches Schicksal die Götter vorherbestimmt haben, sondern eher auf die politische und gesellschaftliche Ebene. Es stellt die Frage nach den Konsequenzen von Handlungen und Entscheidungen, die sich ebenfalls, nur abgeschwächter, schon im Original finden lassen. Damit der Stoff spannend bleibt, muss er immer neu geschaffen werden, das gilt sowohl für Sophokles als auch für Anouilh. Diese Aufgabe stellt sich das „aixpertentheater“ in seiner neuen Produktion, die jetzt in der Klangbrücke Premiere feierte.

Die Regie übernahm Mehdi Salim Benjdila. Einerseits aufgrund seiner Zeitlosigkeit, andererseits aber auch im Kontrast zu den vorherigen Stücken, hat sich die Gruppe für „Antigone“ entschieden: „Der Stoff wird nie an Aktualität verlieren“, so Benjdila.

Mit wenigen Requisiten und Kostümen schaffen es die Darsteller, das Stück gleichzeitig lebendig und symbolisch werden zu lassen. Wie eine Rockgöre trägt Antigone (Amanda Rodekamp) – „Nein, schlecht bin ich nicht“ – schwarze Hot-Pants und zerrissene Leggins, die sind Haare ungepflegt, der Sport-BH scheint unter dem T-Shirt mit den weiten Ärmelausschnitten hindurch.

Ganz anders hingegen Creon (Michael Strack) – „Ich bin in die böse Rolle gedrängt, während du die Gute spielst“ – im schwarzen Anzug mit schwarzer Krawatte, geradezu ein Musterbeispiel für den distanzierten und gewissenhaften Herrscher. Creon wollte nie an die Macht, doch als seine beiden Neffen, Eteokles und Polyneikes sich gegenseitig im Kampf um den Thron umbrachten, war er der nächste männliche Erbe. Eteokles erhielt ein Staatsbegräbnis, wohingegen Polyneikes, gebrandmarkt als Verräter, auf dem Schlachtfeld den Vögeln und Schakalen zum Fraß überlassen wurde. Mit dem Tode bestraft werden sollte der, der es wagen würde, Polyneikes zu begraben. Antigone, Polyneikes Schwester, kann mit dem Gedanken allerdings nicht leben und fasst den Entschluss, ihren Bruder zu begraben; im Glauben, sich der Konsequenzen ihres Handels vollends bewusst zu sein. Ihre Schwester Iseme (Vera Simon) versucht sie zurückzuhalten, doch scheitert und auch ihr Verlobte Haimon (Florian Schmitz) kann nichts ausrichten.

Was sowohl Ismene und Haimon nicht wissen: Antione hat ihren Bruder längst zu begraben versucht und ist dabei von einigen Wachen beobachtet worden.
Die Darsteller des „aixpertentheaters“ spielen das Stück mit der nötigen Leidenschaft und Dramatik, aber Lachen ist durchaus erwünscht und erlaubt. „Antigone“ ist daher ein Stück, dass sich gut auch für Freunde des komischen Theaters eignet, die sich unterhalten wissen wollen und sich nicht dem Leid und der Dramatik der griechischen Familientragödie gleichsam schicksalshaft ergeben möchten.