Der Ire James Louis Rice hat wichtige Spuren in Aachen hinterlassen

Neues Buch erinnert an den Grafen Rice : Ein Ire hat den Reitsport nach Aachen gebracht

Reitsport in der Kaiserstadt. Da denkt man unweigerlich an den Aachen-Laurensberger Renn-Verein (ALRV), an die Soers. Nur wenige aber wissen, dass die Anfänge ganz woanders liegen. Dort, wo heute der Gewerbepark Brand wächst, wurden zu Anfang des 19. Jahrhunderts die ersten Pferderennen nach englischem Muster ausgetragen.

Hermann Schümmer vom Geschichtskreis des Bürgervereins Brand kann auf mehrere Berichte in den Jahrbüchern des Vereins über die Reitaktivitäten auf der Brander Heide und die vorhergegangenen Bemühungen des irischen Grafen Rice, in Aachen Pferderennen nach englischem Vorbild zu veranstalten, verweisen.

Wer aber war dieser Graf James Louis Rice aus Dingle in Irland? Für die einen war er ein Held, für andere wiederum ein Schuft. Rice war irischer Emigrant, der unter den Aristokraten des 18. Jahrhunderts zu Hause war, keinen Kontroversen aus dem Weg ging und der vielerorts in Europa seine Spuren hinterlassen hat. So auch in Aachen und im belgischen Spa.

2017 kam in Irland das Buch „The Knave of Trumps – The Life and Times of Count James Louis Rice of Dingle“ von Pat Neligan heraus, ein Werk über das abenteuerliche Leben des Grafen James Louis Rice. Historisch wurde der Graf als der Architekt eines Planes bekannt, mit dem man Marie Antoinette vor der Guillotine retten wollte. Als er 1780 in Aachen auftauchte, versuchte er fast zehn Jahre lang, seine Idee und sehr ehrgeiziges Projekt zu verwirklichen, im Raum Aachen eine Pferderennbahn mit Gestüt zu errichten. Nach kurzem Scheitern dann der Erfolg: Am 15. Juli 1821 gab es in Brand das erste Vollblut-Pferderennen Deutschlands.

Christoph Laschet aus Raeren, Geologe und Historiker, lernte im irischen Dingle den Autor Neligan kennen und erklärte, dass er dessen Buch ins Deutsche übersetzen möchte. „Er war sofort begeistert“, sagt Laschet im Gespräch mit unserer Zeitung. „Ich wollte dann auch rasch mit der Übersetzung beginnen, obwohl ich noch nie so etwas gemacht habe“, lacht Laschet. Über 1200 Stunden habe er in die Arbeit investiert. Auf 388 Seiten (die englische Fassung hat 302 Seiten) liegt nun die deutsche Version „Graf James Louis Rice aus Dingle in Irland, um 1740 bis 1801“ vor. Mehrfach hat Laschet die Geschichte des Mannes, der die Wiege des Aachener Reitsports schuf, bereits in Aachen und Brand vorstellen können. Auch der Autor Pat Neligan war zu Gast und war voll des Lobes.

Für alle Heimatvereine sei dieses Buch eine Fundgrube, meint auch Helmuth Kind, Vorsitzender des Heimatvereins Eilendorf. „Diese Geschichte ist zu schön, um sie einfach liegen zu lassen.“ Laschet habe sie ergänzt und neu belebt.

Das Buch zeichne ein ausgezeichnetes Bild der adligen Gesellschaft im Kontext der Französischen Revolution am Ende des 18. Jahrhunderts, schwärmt Schümmer. Weitere inhaltliche Ergänzungen stammen neben Laschet vom Aachener Heimatkenner Dietmar Kottmann und Professor Dr. Alfred Minke, Belgien. Seitdem 1. Juli ist das Buch im Buchhandel zu erwerben. Bestellungen sind auch per E-Mail möglich: christoph.laschet@hotmail.de.