Aachen: Der Hangeweiher: Eine Geschichte von Wasser und Stoff

Aachen : Der Hangeweiher: Eine Geschichte von Wasser und Stoff

Diesen Weiher findet der Öcher selbst im Stockfinsteren. In Ermangelung großer Wasserstellen in seiner Stadt hat er dafür vermutlich einen besonderen Sinn entwickelt. Der Hangeweiher ist das bestimmende Element, das den Kaiser-Friedrich-Park zu einer besonderen Perle unter den städtischen Grünflächen machen.

Dass es im Hangeweiher Fische gibt, daran lässt die Existenz eines Angelvereins, dessen Mitglieder ihre Köder an den Ufern ins Wasser halten, keinen Zweifel. Deutlich mehr los ist aber zumindest bei gutem Wetter gleich nebenan, im Freibad Hangeweiher. Dessen Besucher richten die Blicke meist nur zufällig auf den angrenzenden Park. Dabei hätte er mehr Aufmerksamkeit verdient.

Zwar hat der Kaiser-Friedrich-Park auf den ersten Blick — vom Weiher einmal abgesehen — wenig Besonderes zu bieten. Doch wer genauer hinschaut, kann neben Rasenflächen, Sträuchern und Bäumen durchaus Raritäten entdecken. Das wilde Sumpfvergissmeinnicht etwa, das Besucher anderer Aachener Parks kaum zu Gesicht bekommen werden. Im Kaiser-Friedrich-Park fühlt sich die Pflanze in einer ansehnlichen Kolonie an der Pau sichtlich wohl.

Kiffer und Tuchmacher

Der Bach sorgt indirekt auch für den Namen des Weihers. Der Wortherkunft nach handelt es sich um einen Weiher am Hang. Er existiert dank des Bächleins Pau, das gestaut wurde, damit die Tuchmacher in Trockenperioden ausreichend Wasser hatten. Feine Stöffchen werden mit Hilfe des Weihers heute nicht mehr produziert. Seit seit 1910 lässt er sich stattdessen entspannt mit dem Boot erkunden.

Wer ein wenig ausdauernder schaut, wird allerdings doch fündig in Sachen „feines“ Stöffchen. An einem der kleinen Häuschen an den Staudenterrassen ist ein Cannabisblatt samt Losung aufgesprüht. Spaziergänger, die nicht nur den breiten Rundweg nutzen, können auf ruhigeren Pfaden neben Vögeln, kleinen Nagern und Insekten ab und zu auch Kiffer beobachten.

Vor allem aber eignet sich die im Stile englischer Parks des 19. Jahrhunderts vom ehemaligen Stadtgartendirektor Weßberge angelegte Grünfläche hervorragend zum Flanieren — die Paradedisziplin im Aachener Westen, wenn nicht gerade Firmenlauf ist. Der findet einmal im Jahr dort statt und lockt Tausende an.

Viele Fußballfelder groß

Der Spielplatz im Park direkt gegenüber dem Café-Restaurant Hangeweiher wird intensiv genutzt, deutlich stärker etwa als die Rollschuhbahn direkt davor.

Überraschend für jeden neuen Besucher: Irgendwie scheint man sich im Kaiser-Friedrich-Park immer in der Nähe des Weihers zu befinden. Zurückzuführen ist dies schlicht auf die beachtliche Größe des Hangeweihers, der innerhalb der gut acht Hektar großen Grünfläche — das entspricht mehr als elf Fußballfeldern — alleine etwa zwei dieser Fußballfelder einnimmt. Damit schrumpft die Entfernung zum Wasser aus jeder Ecke des Parks.

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