Aachen: Der Grüne Jonas Paul erwartet nicht viel Positives von Armin Laschet

Aachen : Der Grüne Jonas Paul erwartet nicht viel Positives von Armin Laschet

Wie wichtig ihm Burtscheid ist, hat Armin Laschet zuletzt im Landtagswahlkampf gezeigt: Zur großen Abschlusskundgebung am Tag vor der Wahl lotste er die Kanzlerin vors Jonastor, um auf diese Weise auch mal ein paar Bilder von seinem Heimatort in den Hauptnachrichten zu platzieren.

In Burtscheid wurde er geboren, dort war er Messdiener, dort ging er zur Schule, dort wurden seine drei Kinder groß und dort lebt er bis heute mit seiner Ehefrau Susanne. Seit Dienstag, 15.34 Uhr, ist der 56-Jährige neuer Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Welche Hoffnungen macht sich nun das politische Aachen? Wir hörten uns in den Fraktionen um.

CDU-Ratsfrau Gaby Breuer hofft auf ein offenes Ohr in Düsseldorf.

„Ich freue mich sehr“, sagt CDU-Ratsfrau Gaby Breuer, Ortsvereinsvorsitzende in Burtscheid. Speziell für diesen Stadtteil sei die gestrige Wahl des Ministerpräsidenten „etwas ganz Besonderes“ gewesen. „Viele kennen ihn hier noch als kleinen Jungen“, sagt sie. Und viele hätten ihn ja auch im Wahlkampf unterstützt. „Aachen ist die Adresse, die er hoffentlich nie vergisst“, sagt Breuer, „hier ist er groß geworden und hier haben wir die Weichen für ihn gestellt.“ Sie hofft, dass die Aachener nun einen kurzen Draht nach Düsseldorf haben. „Ich wünsche mir, dass wir bei besonderen Anliegen schnell ein offenes Ohr finden. Und froh ist sie auch, dass sich die FDP mit ihrer Forderung nach allgemeinen Studiengebühren bei den Koalitionsverhandlungen nicht durchsetzen konnte. „Bildung muss doch für alle möglich sein“, sagt sie.

Deutlich kühler und distanzierter äußert sich Rosa Höller-Radtke von der Burtscheider SPD. „Ich erwarte, dass er sich endlich intensiver für die Stadt und ihre Belange einsetzt, als er das bisher als Abgeordneter getan hat“, sagt sie. Spezielle Wünsche habe sie nicht, „die werden in der Regel ja doch nur enttäuscht“.

„Nicht nur Lippenbekenntnisse“

Derweil hat Jonas Paul, der für die Grünen als Gegenkandidat von Laschet in den Wahlkampf gezogen ist, durchaus ein paar Erwartungen an den neuen Landeschef: Das dritte Gleis zwischen Aachen und Düren, der Kampf gegen den belgischen Atommeiler Tihange und auch der geplante Radschnellweg Aachen-Herzogenrath seien Themen, bei denen Leistung erbracht werden müsse. „Das dürfen nicht nur Lippenbekenntnisse bleiben.“ Viel Positives erwartet Paul von der neuen Regierung allerdings nicht. Insbesondere fragt er sich, wie die neue Regierung, die den Ausbau der Windkraft ausbremse und den Braunkohleausstieg aufschiebe, die Klimaschutzziele erreichen wolle.

Optimistischer sieht das verständlicherweise FDP-Ratsherr Wilhelm Helg, der einst gemeinsam mit Armin Laschet das Rhein-Maas-Gymnasium besucht hat. „Natürlich ist man als Öcher ein bisschen stolz, dass der erste Bürger des Landes aus Aachen kommt.“ Er erhofft sich davon in erster Linie auch positive Auswirkungen auf das RWTH-Erweiterungsgelände Campus-West. „Ich erwarte, dass er die Entwicklung zur Chefsache macht und vorantreibt.“ Vor allem aber müsse Schwarz-Gelb aus den Fehlern lernen, die noch in der Wahlperiode bis 2010 unter Jürgen Rüttgers gemacht wurden. „Ich bin guter Dinge, dass es diesmal besser wird.“

Das Gegenteil befürchtet hingegen Leo Deumens, Fraktionssprecher der Linken, die den Einzug ins Landesparlament verpasst haben. Sozial- und umweltpolitisch werde es durch eine neoliberale Politik Verschlechterungen geben. Nachteilig werde sich das vor allem auf die Region Aachen, mit ihrem ohnehin hohen Armutsanteil auswirken, glaubt er. Von Laschet erwartet auch Deumens, dass er sich für das dritte Bahngleis und darüber hinaus für den Erhalt der Bäder in der Kurstadt Aachen stark macht.

„Konsequent Haltung zeigen“, das erwartet Pirat Udo Pütz von Laschet. „Im Wahlkampf erzählt jeder was vom Pferd“, sagt er. Doch bei der geplanten Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren, beim Versprechen, mehr Polizeibeamte einzustellen, und bei der Integration von Flüchtlingen müsse Laschet „stark bleiben“.

(gei)
Mehr von Aachener Nachrichten