Finissage einer erfolgreichen Ausstellung: Der ganz besondere Blick auf den Alltag

Finissage einer erfolgreichen Ausstellung : Der ganz besondere Blick auf den Alltag

Künstlerische Vielseitigkeit scheint ihn zu charakterisieren, und die Kreativität ist sein ständiger Begleiter. Der bekannte Schauspieler Lars Eidinger hält seine Welt mit dem Handy fest und stellte das Ergebnis jetzt im Neuen Aachener Kunstverein (NAK) vor. Zur Finissage der Ausstellung „Autistic Disco“ an der Passstraße bot sich einmal mehr die Gelegenheit, zu erfahren, was Lars Eidinger antreibt.

„Ich war schon immer Künstler“, sagte er dabei im Gespräch mit Maurice Funken, Leiter des NAK, vor einem zahlreich erschienen Publikum. Und durch seine Prominenz als Schauspieler sei es ihm möglich, seine Arbeit auch auszustellen. In Aachen jedenfalls kam die offensichtlich sehr gut an, und am liebsten hätten sich die Zuschauer von Eidinger Bild für Bild und Video für Video durch die Ausstellung führen lassen.

Dass deutlich mehr Bilder als Videos zu sehen waren, war laut Eidinger so eigentlich gar nicht beabsichtigt. „Ich wünschte mir, die Videos würden eine größere Rolle spielen, denn sie zeigen besser, worum es mir geht“, sagte er und fügte dann zum Vergnügen des Publikums ganz unbescheiden hinzu: „Da bin ich besser, das macht mir keiner so schnell nach.“ Denn das Handy minutenlang ganz still zu halten, um Alltagsszenen, aber auch ganz besondere Situationen aufzuzeichnen, sei tatsächlich eine Kunst, bestätigen auch Maurice Funken und Eidingers Galerist.

Dabei geht Eidinger nicht auf die Suche nach Motiven, die Motive finden gleichsam ihn. Hinter Glas ein Poster mit einem Jungen, der sorgsam in eine Decke gehüllt in die Welt schaut, davor ein paar achtlos auf den Boden geworfene Decken eines Obdachlosen. In seinen Bildern verberge sich immer auch Gesellschaftskritik, meint Eidinger, aber er selbst zeige niemals vorwurfsvoll mit dem Finger auf andere, sondern schließe sich selbst mit ein. Und seine Realität findet beim Betrachter Zuspruch, und während die einen denken, dass sie die Welt genau so sehen, wundern sich andere und sagen, dass sie diese Szenen so niemals wahrgenommen hätten. Den Blick schärfen für das, was uns umgibt, ist eines von Eidingers Zielen. Und das Handy sei dabei die direkteste Verbindung zum Objekt.

Dass Eidinger hier und da auch ganz persönliche Geschichten einfließen lässt, kommt beim Publikum besonders gut an. Ein Video zeigt einen Mann, der auf eine mehrspurige Straße schaut. „Hier stehen meine Frau und meine Tochter“, sagt Eidinger und zeigt auf einen Ort außerhalb der Reproduktion. „Die sind schon ganz schön genervt, wenn ich ständig filme und fotografiere“, erzählt er weiter. „Eines Tages kam meine Tochter dann und hat mich gefragt: ‚Was machst du denn da eigentlich immer?‘ ‚Kunst‘, habe ich geantwortet und meine Tochter daraufhin: ‚Ach sooo.‘“

„Asoziale“ Sozialmedien

Kunst hat bei Lars Eidinger einen hohen Stellenwert, das wurde schnell klar, als er von sich und seiner Ausstellung erzählte. Aber ganz besondere Freude bereite ihm die Schauspielerei, sagt er noch. Und er will kein „Instagramer“ sein, betont er, auch wenn er seine Bilder dort gelegentlich hochlade. Die sozialen Medien seien eher asozial und die Nutzer nicht selten darauf aus, andere zu verletzen. Und so sind auch die Kommentare zu seinen Bildern auf Instagram offensichtlich nicht unbedingt immer sehr freundlich. Dabei geht harsche Kritik an Lars Eidinger nicht einfach so vorbei. „Negative Kommentare verletzen auch mich“, sagte er und vermutet: „Vielleicht machen die Leute das auch gerade deswegen.“